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Güterumschlag in Seehäfen

Erstellt am: 29.10.2003 | Stand des Wissens: 25.02.2021
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn

Der Umschlag von Gütern ist die Hauptaufgabe in Seehäfen. Je nach Ladungsart werden dabei unterschiedliche Technologien eingesetzt. Eine Einteilung der Güter, die sich an den Umschlageigenschaften und Anforderungen an die Hafeninfra- beziehungsweise suprastruktur orientiert, ist in folgende Ladungskategorien möglich:
  • Containergut
  • Ro/Ro-Gut auf Lkw, Trailer oder Bahn
  • Konventionelles Stückgut
  • Kühlgüter und Früchte
  • Flüssiges Massengut
  • Sauggut
  • Trockenes Massengut [ISL00, S. 4-3]
Der Umschlag von Massengütern hängt von der Beschaffenheit der Güter ab. Flüssige, mit Chemie- oder Produktentankern transportierte Güter werden mittels Pumpanlagen umgeschlagen. Trockene Massengüter können entweder über Saugrohre (zum Beispiel Getreide) oder mittels Greifern (zum Beispiel Kohle) umgeschlagen werden. Einige Häfen haben sich speziell auf die Abfertigung bestimmter Gutarten spezialisiert und sind zum Teil auch komplett in privatem Eigentum beziehungsweise Werkhäfen.

Der Containerverkehr, der überdurchschnittliche Wachstumsraten aufweist, ist geprägt vom Einsatz moderner Umschlag-, Transport- und Lagertechnologien. Diese ermöglichen eine effektive Be- und Entladung der stetig wachsenden Großcontainerschiffe.

Der Umschlag von Ro/Ro-Gütern im Fähr- und Ro/Ro-Verkehr erfolgt über schiffseigene oder am Kai installierte Rampen. Die Ladung wird rollend auf das Schiff geladen. Diese Technologie kann flexibel den jeweiligen Erfordernissen angepasst werden, von einfachen Lösungen für kleinere Ro/Ro-Einheiten bis zu aufwändigen Doppelstockrampen im Fährverkehr.

Besondere Anforderungen stellt der Umschlag von Kühlgütern, bei denen auch beim Hafenumschlag die Kühlkette nicht unterbrochen werden darf. Viele Kühlgüter werden heute zunehmend in Kühlcontainern transportiert. Diese können in normalen Containerterminals umgeschlagen werden, benötigen an Land und auf dem Containerschiff jedoch spezielle Anschlussstationen zur Energieversorgung damit eine durchgehende Kühlung gewährleistet ist.

Die für den Umschlag erforderlichen Hafenanlagen sind in der Regel speziell auf die Bedürfnisse einer Ladungskategorie zugeschnitten. In den großen Seehäfen ist das Hafengebiet oft in unterschiedliche Terminals eingeteilt, die spezielle Umschlaganlagen vorhalten. Die Spezialisierung basiert zum einen auf Sicherheitsgründen, zum anderen bringt sie Effektivitätsvorteile. Wenn Terminalbetriebe dennoch eine Generalisierung verfolgen und eine große Anzahl an unterschiedlichen Gütern an einem Terminal umschlagen, werden diese als Multi-Purpose-Terminals bezeichnet [Jahn13, S. 209].

Das Eigentum an den Umschlaganlagen und die Verantwortung für deren Betrieb können bei der öffentlichen Hand, bei öffentlich-rechtlichen Einrichtungen oder bei privaten Unternehmen liegen. Dabei müssen Eigentümer und Betreiber nicht identisch sein. Da im Zuge des wachsenden internationalen Güterverkehrs auch der Warenumschlag in den Häfen ansteigt, gleichzeitig aber beschränkte Möglichkeiten zum Ausbau der Infrastruktur bestehen, sucht die aktuelle Forschung nach technologischen Innovationen, die diesen Problemen begegnen. Aktuelles Beispiel ist die Möglichkeit eines magnetbasierten Umschlags von Stahlblechen, entwickelt im Rahmen der ISETEC II-Ausschreibung unter dem Projektnamen ISUS [BLGC12]. Der Umschlag von Rohöl- und Ölprodukten, welcher in den 1960er und 1970er Jahren intensiv behandelt wurde, steht heute nicht mehr im Zentrum der Forschung.
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Güterumschlag in Seehäfen (Stand des Wissens: 25.02.2021)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?60830
Literatur
[BLGC12] BLG Cargo Logistics GmbH & Co. KG , BIBA Bremer Institut für Produktion und Logistik GmbH, ThyssenKrupp MillServices & Systems GmbH, Universität Bremen (IALB), Thyssenkrupp Schulte GmbH (Hrsg.) Innovative Seehafentechnologien ISETEC II - Innovative Stau und Umschlagstechnologien für Stahlprodukte ISUS, 2012
[ISL00] o.A., Entwicklungstendenzen der deutschen Nordseehäfen bis zum Jahre 2015 , Bremen, 2000/10
[Jahn13] Prof. Dr.-Ing. Jahn, Carlos Seeschiffsgüterverkehr, veröffentlicht in Verkehrs- und Transportlogistik, Ausgabe/Auflage 2. Auflage, Springer-Verlag Berlin, 2013/03
Weiterführende Literatur
[Müll04] Müller, Hannes Der Hafenarbeiter ist tot - Technische Hilfsmittel reduzieren Handarbeit im Seehafen um Vielfaches, veröffentlicht in Osesee Zeitung, Ostsee-Zeitung GmbH / Rostock, 2004/01/29
[TrNo02] Trujillo, Lourdes, Nombela, Gustavo Privatization and Regulation of the Seaport Industry, Las Palmas, 2002
[Nani00] Naniopooulos, Aristotelis Workport - Work organisation in ports, Thessaloniki, 2000/06
Glossar
Lkw Lastkraftwagen (Lkw) sind Kraftfahrzeuge, die laut Richtlinie 1997/27/EG überwiegend oder sogar ausschließlich für die Beförderung von Gütern und Waren bestimmt sind. Oftmals handelt es sich dabei um Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. In Einzelfällen kann die zulässige Gesamtmasse diese Werte jedoch auch unter- beziehungsweise überschreiten, sofern das Kriterium der Güterbeförderung gegeben ist. Lastkraftwagen können auch einen Anhänger ziehen.
Suprastruktur
Gegenbegriff zu Infrastruktur. Die Suprastruktur umfasst alle Einrichtungen, die für Transport-, Umschlag- und Lager- sowie Beschaffungs- und Verarbeitungsprozesse innerhalb einer Verkehrsanlage, wie einem Seehafen, nötig sind. In einem Hafen gehören zur Suprastruktur beispielsweise Kräne, Lager- und Kühlhäuser sowie Bürokomplexe. Im Gegensatz zur Infrastruktur wird die Suprastruktur häufig nicht von der öffentlichen Hand finanziert, sondern von den Betreibergesellschaften beschafft, gewartet und entsorgt.
Seehafenterminal
In einem Containerterminal erfolgt der Umschlag von Containern, Wechselbehältern, Wechselbrücken oder Sattelaufliegern und ähnlichen Ladeeinheiten im Hafen. Weiterhin kann auch Projektgeschäft, z.B. übergroße Ladungen, umgeschlagen werden.
Zusätzlich zu den Containerterminals umfasst der Begriff des Seehafenterminals auch andere Ladungs- und Terminalarten, wie z.B. Massengutterminals oder Flüssiggutterminals.
Charakteristisch für Seehafenterminals ist die Anbindung an das Wasser und mindestens einen weiteren Verkehrsträger.
Ro/Ro Abkürzung für "Roll on/Roll off" - beschreibt im Seeverkehr den rollenden Ladungsumschlag über schiffseigene und/oder landseitige Rampen; im Kombinierten Verkehr die horizontale Verladung rollender oder rollbar gemachter Ladeeinheiten.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?63546

Gedruckt am Sonntag, 2. Oktober 2022 18:51:11