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Anforderungen der Nutzer an Bike and Ride (B+R)

Erstellt am: 25.09.2003 | Stand des Wissens: 01.03.2019
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Vor dem Hintergrund der Neukundengewinnung für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) ist einer nutzerorientierten Ausrichtung der Bike and Ride-Infrastruktur eine besondere Bedeutung beizumessen. Wesentliches Augenmerk ist dabei auf die Abstellanlagen an den Haltestellen beziehungsweise an den Bahnhöfen zu legen. Eine Mehrzahl der Bike and Ride-Nutzer hat bereits negative Erfahrungen mit Fahrradparkanlagen gemacht. Mehr als ein Drittel  beklagt den Verlust eines Rades oder von Fahrradteilen [BMV97f]. Über 40 Prozent  mussten Beschädigungen in Kauf nehmen [BMV97f]. Daraus resultieren insbesondere die Forderungen nach diebstahl- und vandalismussicheren sowie überdachten Fahrradabstellanlagen.
Im Vortransport (mit dem eigenen Fahrrad von der Wohnung zur Haltestelle des
ÖPNV) überwiegt die Forderung nach bewachten Abstellanlagen und Fahrradhaltern mit Rahmenanschlussmöglichkeit, wobei eine Überdachung der Anlagen und Fahrradboxen an zweiter Stelle der Wünsche stehen. Sind Standorte stark frequentiert, sollte nach Meinung der Nutzer eine bewachte Abstellanlage vorhanden sein. Nachtransportnutzer fordern Fahrradboxen und Fahrradhalter mit Rahmenanschlussmöglichkeit sowie Witterungsschutz [BMV97f].
Bei einem Anteil von 40 bis 50 Prozent der Kombinierer beider Verkehrssysteme wurde der Wunsch nach einem bewachten Fahrradabstellplatz geäußert. Handelt es sich bei der Abstellanlage um eine hochwertige, bewachte Anlage, die nach den Wünschen der Nutzer konzipiert ist, würden viele Nutzer entsprechende Gebühren in Kauf nehmen. Aufgrund von Erfahrungen in Deutschland und dem europäischen Ausland könnten Einnahmen von 0,50 und 0,75 Euro pro Tag für bewachtes Fahrradparken erzielt werden [BMV97f].
Einen Service zur Gepäckaufbewahrung wünscht sich ein Drittel der Bike and Ride-Nutzer. Damit ist dieses hinter dem Wunsch des bewachten Fahrradparkens die am zweithäufigsten genannte Forderung [BMV97f].
Ferner wird auch der Wunsch nach einem Reparaturservice (zum Beispiel im Rahmen einer Fahrradstation) geäußert. Im Nachtransport (mit einem deponierten Zweitrad von der Haltestelle des ÖPNV zum Ziel) ist dabei die Nachfrage mit 23 gegenüber 10 Prozent im Vortransport höher [BMV97f].
Bei der Fahrradmitnahme ist der am stärksten vertretene Fahrtzweck der Freizeitverkehr. Dieser als Regelfall zu bezeichnende Fahrtzweck enthält allerdings Ausnahmen. So werden im S-Bahnnetz von Berlin an Werktagen rund 50.000 Fahrräder befördert, was auf die günstigen räumlichen und tariflichen Rahmenbedingungen zurückzuführen ist. Hiervon entfällt ein Großteil auf den Fahrtzweck Arbeit [BMV97f].
Rund 66 Prozent der Nutzer empfindet die Fahrradmitnahme als umständlich, 37 Prozent bezeichnen den Preis für die Mitnahme als zu hoch und 30 Prozent werden von den Ausschlusszeiten abgeschreckt. Lediglich wenige sehen keinen Hinderungsgrund für die Mitnahme des Fahrrades in Bus und Bahn. Daraus lässt sich ableiten, dass die wenig komfortable Mitnahme der Hauptgrund für den Verzicht der Radnutzung in Kombination mit dem öffentlichen Verkehr (ÖV) darstellt [BMV97f].
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Vernetzung des nichtmotorisierten Verkehrs mit dem ÖPNV (Stand des Wissens: 01.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?301025
Literatur
[BMV97f] Fromberg, Andrea, Hoevel, Rene, et al. Fahrrad und ÖPNV / Bike & Ride - Empfehlungen zur Attraktivitätssteigerung des Fahrradeinsatzes für Zu- und Abbringerfahrten sowie Fahrradmitnahme im ÖPNV, veröffentlicht in direkt, Ausgabe/Auflage 50, Fach Media Service Verlagsgesellschaft (FMS) mbH / Bonn, 1997/01, ISBN/ISSN 3-926181-30-3
Weiterführende Literatur
[Bick05] Bickelbacher, Paul, Fauth, Clemens "Radlparkhaus" in München-Kieferngarten - Eine gelungene Förderung von Park+Ride, veröffentlicht in PlanerIn, Ausgabe/Auflage 1, 2005
[Interde10] TU Dresden, Lehrstuhl Verkehrs- und Infrastrukturplanung, Prof. Dr.-Ing. G.-A. Ahrens, Ahrens, Gerd-Axel, Aurich, Tanja, Böhmer, Thomas, Klotzsch, Jeannette, Pitrone, Anne Interdependenzen zwischen Fahrrad- und ÖPNV-Nutzung. Analysen, Strategien und Maßnahmen einer integrierten Förderung in Städten, 2010
[LeitfInterde10] TU Dresden, Lehrstuhl Verkehrs- und Infrastrukturplanung, Prof. Dr.-Ing. G.-A. Ahrens, Ahrens, G.-A., Aurich, T., Böhmer, T., Klotzsch, J. Leitfaden Interdependenzen zwischen Fahrrad- und ÖPNV-Nutzung , 2010/01
[BMVBS12q] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Nationaler Radverkehrsplan 2020, Berlin, 2012/10
Glossar
Bike & Ride Prinzip der Verkehrslenkung durch Bereitstellung von Fahrradständern oder -boxen in der Nähe von Haltestellen des öffentlichen Verkehrs bereits im Außenbereich von Ballungsräumen, um damit einen Umstieg auf den öffentlichen Verkehr zu ermöglichen mit dem Ziel den motorisierten Individualverkehr zu verringern
ÖV
Der öffentliche Verkehr (ÖV) ist sowohl im Personen-, Güter- sowie Nachrichtenverkehr für jeden Nutzer in einer Volkswirtschaft öffentlich zugänglich. Dazu zählen sowohl die öffentliche Personenbeförderung, der öffentliche Gütertransport als auch die öffentlichen Telekommunikations- und Postdienste. Der ÖV wird dabei von Verkehrsunternehmen nach festgelegten Routen, Preisen und Zeiten durchgeführt. Der ÖV ist somit im Gegensatz zum Individualverkehr (IV) örtlich und zeitlich gebunden.
Vor dem Hintergrund der verkehrspolitisch geförderten Multimodalität wird der ÖV zunehmend breiter definiert, indem auch alternative Bedienformen, Taxen bis hin zu öffentlichen Fahrrädern und öffentlichen Autos als Teil eines neuen individualisierten ÖV gesehen werden.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?57839

Gedruckt am Donnerstag, 24. September 2020 06:34:24