Forschungsinformationssystem des BMVI

zurück Zur Startseite FIS

Kundenprofil beim Carsharing

Erstellt am: 24.09.2003 | Stand des Wissens: 27.09.2018
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Die typischen Carsharing-Nutzer in Deutschland lassen sich wie folgt charakterisieren:
  • sind - je nach Studie - durchschnittlich zwischen 34 bis 45 Jahre alt. Free-Floating Nutzer sind jünger. Als Ursache für die überdurchschnittliche starke Nutzung der 25- bis 34-Jährigen von Free-Floating Carsharing seien die Technologieaffinität dieser Altersgruppe und der Wunsch nach Flexibilität zu nennen [Boge16; ifmo16b].
  • sind überwiegend männlich [Witz16],
  • sind überdurchschnittlich gebildet [Witz16]; 73 Prozent der stationsbasierten Carsharing-Nutzer und 61 Prozent der Free-Floating-Nutzer verfügen über einen Hochschulabschluss [ifmo16b],
  • sind vielfach berufstätig [Pete95, ifmo16b],
  • verfügen dementsprechend über ein mittleres bis höheres Einkommen [KrSa01; Stutz01, ifmo16b],
  • leben mit 2,1 (Free Floating) / 2,2 (stationsbasiert) Personen pro Haushalt [ifmo16b],
  • leben hauptsächlich im städtischen Bereich [VoTs00a, ifmo16b],
  • Stationsbasierte Nutzer sind häufig "umweltbewusst" und zeigen Interesse an Mobilität [ifmo16b],
  • sehen das Auto nicht als Statussymbol [Stutz01], sondern nutzen das Auto stark aus rationalen und pragmatischen Gründen (Transport von Gegenständen, Zeit, Bequemlichkeit und Flexibilität) [Pete95].
Durch das vielfältigere Carsharing-Angebot werden die Carsharing-Nutzer zunehmend auch heterogener [ifmo16b].
Das Carsharing-Konzept bietet sich vor allem für "Wenigfahrer" (weniger als 10.000 Kilometer pro Jahr) als Alternative zum Pkw an, sowie als Ersatz von Zweit- und Dienstwagen an [UBA17c, bcs17b]. Je größer das Auto, desto sinnvoller wäre aus ökonomischer Sicht ein Umstieg auf Carsharing-Fahrzeuge [ifmo16b, S. 45]
41 Prozent der stationsbasierten-Nutzer haben einen Pkw nach dem Carsharing-Beitritt abgeschafft, bei den Free-Floating-Nutzern trifft das nur auf ein Drittel der Befragten zu [ifmo16b].
Der demografische Wandel könnte Auswirkungen auf die Nutzerpotenziale des Carsharing haben, denn der Anteil der Menschen im Alter von 60 und mehr Jahren wird von 2014 (27 Prozent) bis 2050 (38 Prozent) stark ansteigen [Dest16h]. In Zukunft sollten zielgruppenorientierte Konzepte für ältere Menschen erarbeitet werden, die derzeit kaum Carsharing-Nutzer sind [ADAC14].
Das Interesse an Carsharing ist auch vermehrt bei Unternehmen, Verwaltungen, Institutionen, Freiberuflern und Vereinen sichtbar [bcs17g].

Wissenslandkarten

Glossar
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Carsharing (Stand des Wissens: 12.11.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?56435
Literatur
[ADAC14] Allgemeiner Deutscher Automobil-Club e. V. (ADAC) (Hrsg.) Mobilität wird für Senioren auf dem Land zum Problem, 2014/04/14
[bcs17b] bcs - Bundesverband CarSharing e.V. (Hrsg.) Bis zu einer Fahrleistung von 10.000 Kilometern ist CarSharing auf jeden Fall günstiger, 2017/01
[bcs17g] bcs - Bundesverband CarSharing e.V. (Hrsg.) CarSharing für gewerbliche Kunden, 2017/03
[Boge16] Bogenberger, K., Müller, J., Schmöller, S., Weikl, S., , Entwicklung und Nutzungsstruktur von Carsharing-Systemen in Deutschland, 2016
[Dest16h] Statistisches Bundesamt (Hrsg.) Ältere Menschen in Deutschland und der EU, 2016
[ifmo16b] Institut für Mobilitätsforschung (Hrsg.) Carsharing 2025 Nische oder Mainstream?, 2016
[KrSa01] Krämer, Christine , Saretzki, Ute Das "öffentliche" Auto Kooperationen zwischen ÖPNV und CarSharing, 2001
[Pete95] Markus Petersen Ökonomische Analyse des Car-Sharing, Wiesbaden, 1995
[Stutz01] Stutzbach , Raabe , Pfriem , Becker Machbarkeitsstudie zum Forschungsvorhaben "Carsharing in der Fläche", Oldenburg/Dresden, 2001
[UBA17c] Umweltbundesamt (Hrsg.) Carsharing nutzen, 2017/09/20
[VoTs00a] Vonarburg, Christian , Tschanen-Suess Monika Mobility CarSharing-der schweizerische Standard erobert Europa, veröffentlicht in Schnittstellen im Mobilitätsmanagement, Ausgabe/Auflage 6, Dortmunder Vertrieb für Bau- und Planungsliteratur, 2000, ISBN/ISSN 3-929797-60-7
[Witz16] Witzke, Sarah Carsharing und die Gesellschaft von Morgen. Ein umweltbewusster Umgang mit Automobilität? , Springer Gabler, 2016, ISBN/ISSN 978-3-658-11841-9
Weiterführende Literatur
[BAST04b] Loose, Willi , Mohr, Mario , Nobis, Claudia , et al. Bestandsaufnahme und Möglichkeiten der Weiterentwicklung von Car-Sharing, veröffentlicht in Berichte der Bundesanstalt für Straßenwesen, Ausgabe/Auflage Verkehrstechnik Heft V 114, Wirtschaftsverlag NW, Bergisch Gladbach, 2004/07, ISBN/ISSN 3-86509-144-X
[Krie03] Krietemeyer, Hartmut, Dr. Effekte der Kooperation von Verbund und Car-Sharing-Organisation, veröffentlicht in Der Nahverkehr, Ausgabe/Auflage 9, alba-Verlag, Düsseldorf, 2003
[Huwe03] Huwer, Ulrike Synthese des Umweltverbundes - Kombinierte Mobilität mit ÖPNV und Car-Sharing, veröffentlicht in Der Nahverkehr, Ausgabe/Auflage 3, Kaiserslautern, 2003
Glossar
Carsharing
Der Begriff CarSharing stammt aus dem Englischen (car= Auto, to share= teilen) und kann sinngemäß mit der Bedeutung "Auto teilen" übersetzt werden. Er beschreibt die organisierte, gemeinschaftliche Nutzung von Kraftfahrzeugen, die meist von Unternehmen gegen Gebühr bereitgestellt werden.
Durch einen Rahmenvertrag oder eine Vereinsmitgliedschaft erhalten Kunden flexiblen Zugriff auf alle Kfz eines Anbieters. Die Fahrzeuge können über eine Webseite oder über eine Smartphone-App gebucht werden. Geöffnet werden sie in der Regel mit Hilfe von Chipkarten oder durch ein Zugangscode vermittelt über die Smartphone-App.
Bei dem System des stationsbasierten CarSharing stehen die Fahrzeuge auf reservierten Stellplätzen und werden nach der Nutzung auch wieder dorthin zurückgebracht. Ein anderes Modell ist das free-floating CarSharing. Hier stehen die Fahrzeuge in einem definierten Operationsgebiert verteilt. Sie können per Smartphone geortet werden und nach der Nutzung auf einem beliebigen Stellplatz innerhalb des Operationsgebiets zurückgegeben werden.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?57581

Gedruckt am Freitag, 5. Juni 2020 01:51:17