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Deutsche Seehäfen im Überblick

Erstellt am: 24.09.2003 | Stand des Wissens: 04.02.2021
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn

Die umschlagstärksten deutschen Seehäfen sind an der Nordsee die Häfen Hamburg, Bremerhaven, Wilhelmshaven, Bremen, Brunsbüttel, Brake, Stade, Emden Cuxhaven und Nordenham und an der Ostsee die Häfen Rostock, Lübeck, Kiel, Puttgarden/Fehmarn, Wismar und Sassnitz [StBu21a, Blatt 1.3].

Nach ihrer geographischen Lage an der Nordsee als Randmeer des atlantischen Ozeans oder der Ostsee als Binnenmeer weisen die deutschen Seehäfen differenzierte Profile auf. Die großen deutschen Nordseehäfen sind geprägt durch den Überseeverkehr, wobei in Hamburg und Bremen/Bremerhaven der Containerverkehr einen bedeutenden Teil ausmacht und in Wilhelmshaven zusätzlich der Ölimport einen hohen Stellenwert hat. Die deutschen Ostseehäfen sind geprägt vom ostseeinternen Fähr- und Ro/Ro-Verkehr beziehungsweise regionalem Verkehr mit Massengütern.
Guterumschlag DE.pngAbb. 1: Güterverkehr der deutschen Seehäfen von 2004 bis 2018 (eigene Darstellung nach [dest21b])
Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Seehäfen wird dadurch deutlich, dass Deutschland etwa 60 Prozent seines Exports über den Seeweg abwickelt und als rohstoffarmes Land fast 100 Prozent der benötigten Rohstoffe über den Seetransport erhält [BMWi11d, S.11]. Die regionalwirtschaftliche Bedeutung der Seehäfen ergibt sich aus den direkten und indirekten Effekten in Form von Beschäftigungs-, Einkommens- und Steuerwirkungen [BMVBW04d, S. 7 u. S. 13; Prog06, S.93f.].

Um die Stellung der deutschen Seehäfen im internationalen Wettbewerb zu sichern und zu verbessern, haben Bund und Länder eine Reihe von Fördermaßnahmen ergriffen. Grundsätze dafür sind in den Leitlinien der Bundesregierung zur Förderung der maritimen Wirtschaft niedergelegt, in denen den Seehäfen ein eigener Abschnitt gewidmet ist, und in der Gemeinsamen Plattform des Bundes und der Küstenländer zur deutschen Seehafenpolitik, die 1999 verabschiedet wurde. Diesem folgte das im Juni 2009 verabschiedete Nationale Hafenkonzept für die See und Binnenhäfen [BMVBS09]. Das aktuelle, überarbeitete Nationale Hafenkonzept wurde 2015 beschlossen [BReg15].
Außerdem werden gezielt Forschungsvorhaben gefördert, welche Innovationen in deutschen Seehäfen vorantreiben sollen. Unter anderem wurden im Rahmen von ISETEC II innovative Technologien für die deutschen Seehäfen beziehungsweise Hinterlandanbindungen untersucht und entwickelt, um dem Trend des wachsenden Transportvolumens in deutschen Seehäfen begegnen zu können [BMWi11e]. Dazu zählte etwa die Entwicklung einer magnetbasierten Umschlagstechnologie für Stahlbleche. Sie erhöht nicht nur Umschlagseffizienz und -leistung, sondern dient auch der Verringerung von Schäden an Material und Mitarbeitern [BLGC12, S. 17]. Ein weiteres Projekt prüfte den Einsatz von automatischen Positions- und Statuserfassungssystemen für die mobilen Ladungsträger auf RoRo-Terminals. Durch eine bessere Positionserfassung der Ladungsträger können beispielsweise Suchfahrten nach falsch abgestellten Ladungsträgern vermieden werden [BLGL13]. Eine Weiterführung der Forschung besteht in dem 2016 angelaufenen ISETEC III Paket. Im Jahr 2018 hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie  die Maritime Forschungsstrategie 2025 vorgelegt. Sie besteht aus den beiden Fördermaßnahmen "Maritimes Forschungsprogramm", das das gesamte Technologiespektrum der Branche abdeckt, und "Echtzeittechnologien für maritime Sicherheit", welches die zivile maritime Sicherheit durch innovative echtzeitfähige Systeme erhöhen soll [BMWi18].
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Seehäfen (Stand des Wissens: 27.09.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?50780
Literatur
[BLGC12] BLG Cargo Logistics GmbH & Co. KG , BIBA Bremer Institut für Produktion und Logistik GmbH, ThyssenKrupp MillServices & Systems GmbH, Universität Bremen (IALB), Thyssenkrupp Schulte GmbH (Hrsg.) Innovative Seehafentechnologien ISETEC II - Innovative Stau und Umschlagstechnologien für Stahlprodukte ISUS, 2012
[BLGL13] BLG Logistics Group AG & Co. KG, BLG AutoTerminal Bremerhaven GmbH & Co. KG, BLG Automobile Logistics GmbH & Co. KG, BIBA Bremer Institut für Produktion und Logistik, EUROGATE Container Terminal Bremerhaven GmbH, Lübecker Hafen-Gesellschaft mbH (Hrsg.) Innovative Seehafentechnologien ISETEC II - Einsatz innovativer IuK-Technologien zur Prozess-Kontrolle im Ladungs- und Ladungsträgermanagement von Seehäfen ProKon, 2013/01/31
[BMVBS09] o.A. Nationales Hafenkonzept für die See- und Binnenhäfen, 2009/06/17
[BMVBW04d] o.A. Antwort der Bundesregierung auf die Große Anfrage zur Zukunftsfähigkeit deutscher Häfen, 2004/05/27
[BMWi11d] Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz Maritime Technologien der nächsten Generation. Das Forschungsprogramm für Schiffbau, Schifffahrt und Meerestechnik 2011 - 2015, 2011/05
[BMWi11e] Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz ISETEC II - Zielstellung der Projekte, 2011
[BMWi18] Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (Hrsg.) Maritime Forschungsstrategie 2025, 2018
[BReg15] Die Bundesregierung (Hrsg.) Nationales Hafenkonzept für
die See- und Binnenhäfen
2015, 2015
[dest21b] Statistisches Bundesamt Umgeschlagene Güter (Seeverkehr): Deutschland, Jahre,
Flagge des Schiffes, 2021
[Prog06] Matthes, U., Leypoldt, P., Weyand, E., Peppel, C., Winkler, C., Arndt, O., Rautenberg, R. Nachhaltigkeitsaspekte der nationalen Seehafenkonzeption, Basel, 2006/06/15
[StBu21a] Statistisches Bundesamt Seeschiffahrt: Fachserie 8 Reihe 5, Ausgabe/Auflage Fachserie 8, Reihe 5, Wiesbaden, 2021/01/20
Weiterführende Literatur
[Heit98] Heitmann, Klaus Lage und Perspektiven der deutschen Seehäfen, veröffentlicht in Zukunftsperspektiven der deutschen maritimen Wirtschaft, Schriftenreihe der Deutschen Verkehrswissenschaftlichen Gesellschaft B 219, Ausgabe/Auflage B 219, Bergisch Gladbach, 1998, ISBN/ISSN 3-933392-19-5
Glossar
Rollende Landstraße
Die Rollende Landstraße (RoLa) ist ein Produkt im Bereich des Schienengüterverkehrs. Sie stellt eine spezifische Form des begleiteten Kombinierten Verkehrs dar. Dabei werden Lastkraftwagen bzw. Sattelzüge mit Hilfe der Roll-On/Roll-Off-Technik auf einen Güterzug aus durchgehenden Niederflurwagen verladen und über eine bestimmte Strecke transportiert. Die Fahrer begleiten ihre Fahrzeuge i. d. R. in einem mitgeführten Reisezugwagen. In Europa wird die RoLa z. B. für alpenquerende Verkehre angeboten. Sie kann eine betriebswirtschaftliche und/oder ökologische Alternative zum Straßengütertransport sein.
Ro/Ro Abkürzung für "Roll on/Roll off" - beschreibt im Seeverkehr den rollenden Ladungsumschlag über schiffseigene und/oder landseitige Rampen; im Kombinierten Verkehr die horizontale Verladung rollender oder rollbar gemachter Ladeeinheiten.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?57420

Gedruckt am Freitag, 9. Dezember 2022 13:49:58