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Das deutsche Seelotswesen

Erstellt am: 24.09.2003 | Stand des Wissens: 02.03.2021
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Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn

Die Gesetzgebungskompetenz für ein einheitliches Seelotswesen in Deutschland liegt gemäß der Artikel 72 Abs. 2 und 74 Nr. 21 GG beim Bund. Grundlage für die Ordnung und Verwaltung des Seelotswesens in Deutschland ist das Seelotsgesetz [SeeLG]. Auf der Grundlage des Seelotsgesetzes hat das BMVI die Lotsverordnung [LotsV] und die Lotstarifordnung [LTO] erlassen. Als dem BMVI nachgeordnete Verwaltungsbehörde ist die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (WSV) Aufsichtsbehörde für das deutsche Seelotswesen.

Die Verwaltung und Ordnung der Seelotsreviere erfolgt auf der Grundlage von Revierlotsverordnungen, die von der zuständigen Wasser- und Schifffahrtsdirektionen (WSD) erlassen werden. Nach den Erfordernissen und Navigationsverhältnissen in den Ansteuerungen regeln die Revierlotsverordnungen, wann und unter welchen Bedingungen ein Schiff einen Seelotsen annehmen muss. Deutschlands einziger Hafen ohne Lotsenannahmepflicht ist der Küstenhafen Sassnitz-Mukran. Die WSD Nordwest ist zuständig für die Seelotsreviere Ems, Weser I und Weser II / Jade [WSV13e]. Die WSD Nord ist zuständig für die Seelotsreviere Elbe, Nord-Ostsee-Kanal I, Nord-Ostsee-Kanal II / Kieler Förde / Trave / Flensburger Förde und Wismar / Rostock / Stralsund [WSV13f].

Die Selbstverwaltung des Seelotswesens in den Seelotsrevieren obliegt den Lotsenbrüderschaften. Diese sind Körperschaften des öffentlichen Rechts. Die Seelotsen, die ihre Tätigkeit als freien, nicht gewerblichen Beruf ausüben, sind Zwangsmitglieder der Brüderschaften ihres Reviers. Die Lotsenbrüderschaften zusammen bilden die Bundeslotsenkammer.

Ein eigenes Hafenlotswesen haben nur die Seehäfen Hamburg und Bremerhaven. In allen anderen Seehäfen sind die Aufgaben des Hafenlotswesens durch Verwaltungsvereinbarungen dem Bund übertragen worden, der sie durch die Seelotsen der angrenzenden Reviere wahrnehmen lässt [Hinr01].

Interessenvertretungen der Seelotsen sind auf europäischer Ebene die European Maritime Pilot's Association (EMPA) und auf internationaler Ebene die International Maritime Pilots' Association (IMPA).

Um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Seehäfen zu verbessern und die Schifffahrt von Kosten zu entlasten, sind schrittweise Reformen des Seelotswesen eingeleitet worden oder beabsichtigt. In diesem Zusammenhang sind folgende Gesichtspunkte zu nennen:
  • Tarifierungssystems für das Lotsgeld,
  • Berufszugangsqualifikation,
  • Modernisierung der Lotsversetzeinrichtungen,
  • Lotsenannahmepflicht,
  • Nutzung von Landradaranlagen,
  • Zusammenarbeit zwischen Lotsen und VTS-Zentralen (Verkehrssicherung),
  • Wettbewerb [ISL00, S. 2-30 f.].
Entgegen des Vorschlages der EU-Kommission, im Rahmen des Port Package III unter anderem eine befristete Vergabe von Konzessionen für Schlepperdienstleistungen und Lotsendienste einzuführen, ist das Lotsenwesen nicht von diesen Regulierungen betroffen. Lediglich Auflagen zur finanziellen Transparenz betreffen auch das Lotsenwesen [Jarz02, MCfD16]. Im Vorfeld kritisierte der Bundesrat den Einbezug der Lotsendienste in den Verordnungsvorschlag des Port Package III zur Schaffung eines Rahmens für den Zugang zum Markt für Hafendienste und für die finanzielle Transparenz. Eine Gleichstellung der Lotsendienste mit anderen Hafendienstleistungen sei nicht sinnvoll, da diese nicht rein nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten erbracht werden, sondern Sicherheitsaspekte eine große Rolle spielen [BURA13, S. 3].
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Das deutsche Seelotswesen (Stand des Wissens: 02.03.2021)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?57139
Literatur
[BURA13] Bundesrat (Hrsg.) Beschluss des Bundesrats über COM(2013) 296 final , Ausgabe/Auflage Drucksacke 439/13, 2013/09/20
[Hinr01] Hinrichs, Thorsten Seelotswesen, Aurich, 2001/06/15
[ISL00] o.A., Entwicklungstendenzen der deutschen Nordseehäfen bis zum Jahre 2015 , Bremen, 2000/10
[Jarz02] Jarzembowski, Georg, Dr. Europäische Regeln für Seehäfen, veröffentlicht in Hansa: international maritime journal, Ausgabe/Auflage 10/2002, Schiffahrts-Verlag / Hamburg, 2002/10, ISBN/ISSN 0017-7504
[MCfD16] Mehr Container für Deutschland (Hrsg.) Port Package 3: Deutsche Hafenwirtschaft kritisiert EU-Beschluss, 2016/12/23
[WSV13e] Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (Hrsg.) Seelotswesen WSD Nordwest, 2013
[WSV13f] Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes (Hrsg.) Lotswesen WSD Nord, 2013
Rechtsvorschriften
[LotsV] Allgemeine Lotsverordnung
[LTO] Tarifordnung für die Seelotsreviere
[LT - WIROST] Tarifordnung für die Seelotsreviere Wismar/Rostock/Stralsund
[SeeLG] Seelotsgesetz
Glossar
BMDV
Bundesministerium für Digitales und Verkehr (bis 10/2005 BMVBW, bis 12/2013 BMVBS und bis 11/2021 BMVI)

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?57370

Gedruckt am Dienstag, 4. Oktober 2022 05:25:12