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Der Betreiberhafen als Form der Hafenorganisation

Erstellt am: 24.09.2003 | Stand des Wissens: 04.02.2021
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn

Als Betreiberhäfen werden Häfen bezeichnet, in denen der Eigentümer der Infra- und Suprastruktur des Hafens auch den eigentlichen Umschlagbetrieb durchführt. Dies ist bei Public Service Ports und bei Private Service Ports der Fall.
In Public Service Ports werden die Entwicklung von Infra- und Suprastruktur und die Umschlagoperationen von der gleichen Organisation verantwortet. Dadurch ist eine enge Abstimmung zwischen Angebot und Nachfrage möglich. Der private Sektor spielt nur eine begrenzte Rolle beim Umschlag und der interne Wettbewerb ist beschränkt [World07, S. 81f.]. Beispiele für diese Art von Betreiberhäfen in Deutschland sind die Häfen Lübeck, Wismar und Stralsund.
Private Service Ports sind Werkhäfen. Private Unternehmen und Investoren übernehmen die Funktionen und Eigentumsrechte des Staates. Dadurch soll eine flexible und marktorientierte Planung des Betriebs gewährleistet werden. Mögliche Nachteile sind eine Marktkonzentration und der Verlust staatlicher Einflussnahme [HUB14, S. 124]. Häufig dienen sie großen Industrieunternehmen zum Rohstoff- und Produktenumschlag. In Werkhäfen werden häufig Massengüter wie Öl und Ölprodukte oder Eisenerze umgeschlagen. Der Fährhafen Puttgarden ist ein Beispiel für einen Werkhafen mit überregionaler Bedeutung.
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Seehäfen (Stand des Wissens: 27.09.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?50780
Literatur
[HUB14] Huber, Thomas "Global Ports" in der maritimen Transportwirtschaft - Akteurbasierende Bewertung des weltweiten Netzwerks von Hafenstandorten, Regensburg, 2014
[World07] o.A. World Bank Port Reform Tool Kit, Ausgabe/Auflage 2.Auflage, o.O., 2007, ISBN/ISSN 978-0-8213-6607-3
Weiterführende Literatur
[Nask04] Naski, Kimmo Eigentums und Organisationsstrukturen von Ostseehäfen - Gemeinsamkeiten und Unterschiede in Marktwirtschafts- und Transformationsländern, Universität Turku, Centre for Maritime Studies / Turku, 2004, ISBN/ISSN 951-29-2697-0
[Holo02a] Holocher, Klaus Harald, Prof. Dr. Organisationsmodelle einer effizienten Hafenverwaltung in Wilhelmshaven, veröffentlicht in Elsflether Schriften zur Seeverkehrs- und Hafenwirtschaft, Ausgabe/Auflage Band 2, Elsfleth, 2002, ISBN/ISSN 0949-3530
[Broo04a] Brooks, M. The Governance Structure of Ports, veröffentlicht in Review of Network Economics, Ausgabe/Auflage Vol.3, Issue 2, 2004/06
Glossar
Suprastruktur
Gegenbegriff zu Infrastruktur. Die Suprastruktur umfasst alle Einrichtungen, die für Transport-, Umschlag- und Lager- sowie Beschaffungs- und Verarbeitungsprozesse innerhalb einer Verkehrsanlage, wie einem Seehafen, nötig sind. In einem Hafen gehören zur Suprastruktur beispielsweise Kräne, Lager- und Kühlhäuser sowie Bürokomplexe. Im Gegensatz zur Infrastruktur wird die Suprastruktur häufig nicht von der öffentlichen Hand finanziert, sondern von den Betreibergesellschaften beschafft, gewartet und entsorgt.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?57353

Gedruckt am Sonntag, 4. Dezember 2022 19:10:00