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Hafenentwicklungsplanung

Erstellt am: 23.09.2003 | Stand des Wissens: 25.02.2021
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn

Eine Hafenentwicklungsplanung beschreibt auf Basis von Verkehrsprognosen sowie Art, Anzahl und Größe künftig zu erwartender Schiffe den daraus resultierenden Bedarf an Hafenfazilitäten. Da der Hafenausbau einen relativ langen zeitlichen Vorlauf erfordert, erstreckt sich die Hafenentwicklungsplanung auf mindestens zehn bis fünfundzwanzig Jahre. Ankaufsverhandlungen von Grundstücken, die Durchführung von Planfeststellungsverfahren sowie die Errichtung der Hafeninfra- und Hafensuprastrukturanlagen müssen geplant werden. Neben den wirtschaftlichen Interessen fließen auch ökologische Kriterien in die Hafenentwicklungsplanung ein. Erklärtes Ziel der Hafenentwicklungsplanung sind der Erhalt beziehungsweise die Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit [Oppe02, S. 13-14].
Der Hafenentwicklungsplan fasst die Ergebnisse der Hafenentwicklungsplanung zusammen und wird durch die Eigentümer der Hafeninfrastruktur aufgestellt. Für die deutschen Nord- und Ostseehäfen sind dies in der Regel die Länder und/oder Kommunen. Mit dem Hafenentwicklungsplan soll allen unmittelbar und mittelbar Beteiligten, darunter auch privaten Investoren, eine fundierte Entscheidungshilfe gegeben werden. Diese können sich so auf das angestrebte,  Handeln der staatlichen Institutionen einstellen und entsprechend ihr eigenes Agieren darauf abstimmen [Hans98, S. 13].
Eine wichtige Komponente der Hafenentwicklungsplanung ist eine vorausschauende Flächenvorsorge. Diese umfasst die für die Hafenentwicklung erforderliche dauernde Bereitstellung für Hafenzwecke nutzbarer Flächen, den Erwerb des Eigentums an Grundstücken des Hafengebietes und die Ausweisung der Hafenerweiterungsflächen. Besonders für den flächenintensiven Containerumschlag mit weiträumigen Vorstellflächen spielt die Flächenvorsorge eine wichtige Rolle.
Die Zuständigkeit für die Hafenentwicklungsplanung liegt beim jeweiligen Hafeneigentümer. Der Bund hat keine originären Kompetenzen in der Hafenplanung, er strebt aber eine enge Abstimmung mit den Ländern in hafenpolitischen Belangen an und hat unter anderem dazu 2009 erstmals ein Nationales Hafenentwicklungskonzept der Bundesregierung verabschiedet, das zuletzt 2016 aktualisiert wurde [BMVBS09, S.20f.; BReg15]. Auf Landesebene wird die Hafenentwicklungsplanung unterschiedlich gehandhabt. In Niedersachsen wurden im Jahr 2007 Leitlinien zur Entwicklung der niedersächsischen Häfen veröffentlicht. Ein Landeshafenkonzept für die See- und Binnenhäfen wurde 2007 verabschiedet [NMWAV07]. Als Beispiel sei in diesem Zusammenhang außerdem der Hafenentwicklungsplan der Stadt Wilhelmshaven genannt, der bereits 2004 als integralen Bestandteil die Entwicklung des JadeWeserPorts als einzigen deutschen Tiefwasserhafen für Containerumschlag beinhaltete und seitdem kontinuierlich aktualisiert wird [NiPo04].
In Bremen wurde im November 2014 das aktuelle Hafenkonzept für 2020/25 vorgestellt. In Hamburg wurde der aktuelle Hafenentwicklungsplan 2012 veröffentlicht [HPA12a]. Die Hamburger CDU reichte jedoch im Jahr 2019 einen Antrag auf einen neuen Hafenentwicklungsplan ein, da die in 2012 getroffenen Annahmen sich als nicht zutreffend erwiesen haben. Um sich Konkurrenzhäfen wie Rotterdam und Antwerpen anpassen zu können, sei ein neues Konzept unabdinglich [Welt19]. In Schleswig-Holstein wurde 2013 das Hafenentwicklungskonzept verabschiedet. Für Lübeck existiert ein eigenständiger Hafenentwicklungsplan. In Mecklenburg-Vorpommern wird die Hafenentwicklungsplanung von den Städten in Zusammenarbeit mit dem Land im Rahmen der Miteigentümerfunktion in Rostock, Wismar und Sassnitz betrieben [Holo05].
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Seehäfen (Stand des Wissens: 27.09.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?50780
Literatur
[BMVBS09] o.A. Nationales Hafenkonzept für die See- und Binnenhäfen, 2009/06/17
[BReg15] Die Bundesregierung (Hrsg.) Nationales Hafenkonzept für
die See- und Binnenhäfen
2015, 2015
[Hans98] o.A. Hafenentwicklungsplan der Hansestadt Lübeck, veröffentlicht in Lübeck plant und baut, Ausgabe/Auflage Heft 65 / Juli 1998, Lübeck, 1998/07, ISBN/ISSN 0933-193x
[HPA12a] Hamburg Port Authority Hamburg hält Kurs. Der Hafenentwicklungsplan bis 2025, Hamburg, 2012
[NiPo04] o.A. Hafenentwicklungsplan Wilhelmshaven, Wilhelmshaven, 2004/12
[NMWAV07] k.A. Hafenkonzept Niedersachsen, Hannover, 2007/02/20
[Oppe02] Oppel, Jens-Albert Strategische Hafenplanung. Analyse, Strategie und Investitionsprogramm für einen Fährhafenbetrieb am Beispiel des Lübecker Hafens, Bremen, 2002, ISBN/ISSN 0174-5727
[Welt19] Welt (Hrsg.) Hamburger CDU fordert neuen Hafenentwicklungsplan, 2019/02/09
Weiterführende Literatur
[Holo05] Holocher, Klaus Harald, Prof. Dr. Die Entwicklung der Seehafenpolitik der deutschen Küstenländer, veröffentlicht in Märkte im Wandel - mehr Mut zu Wettbewerb : Festschrift zum 65. Geburtstag von Rolf W. Stuchtey, Ausgabe/Auflage 1, Peter Lang / Frankfurt a.M., 2005, ISBN/ISSN 3-631-52943-0
[Thor06] Thoresen, C.A. Port Designer's Handbook: Recommendations and Guidelines, Ausgabe/Auflage 2nd edition, Telford / London, 2006
[Bri05] Brinkmann, B. Seehäfen - Planung und Entwurf, Springer / Berlin, 2005, ISBN/ISSN 3-540-20587-X
[Güld99] Güldenberg, Eckart, Dr.-Ing. Strukturwandel der Hafenwirtschaft als Chance für die Stadtentwicklung? Beispiel Kiel, Kiel, 1999
Glossar
Vor- und Nachlauf Unter Vor- und Nachlauf sind im Kombinierten Verkehr Transporte der Ladeeinheit vom Versender zum Umschlagpunkt oder von dort zum Empfänger zu verstehen. Am Umschlagpunkt wechselt die Ladeeinheit das Verkehrsmittel. Der Transport zwischen zwei Umschlagpunkten wird als Hauptlauf bezeichnet.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?57331

Gedruckt am Montag, 28. November 2022 18:30:57