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Die Straße im System der Hinterlandanbindungen der Seehäfen

Erstellt am: 23.09.2003 | Stand des Wissens: 21.02.2021
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn

Die Hinterlandanbindungen der Seehäfen über die Straße erfüllen die beiden Funktionen (1) Verteilung des lokalen und regionalen Güteraufkommens, (2) Bedienung von Stückgutverkehren auf mittlere und lange Entfernungen. Die Vorteile der Straße im System der Hinterlandanbindungen der Seehäfen liegen in der hohen Flexibilität und Netzbildungsfähigkeit. Der Direktverkehr mit dem Lkw ist flächendeckend und jederzeit verfügbar. Nachteile liegen in dem im Vergleich zu anderen Verkehrsträgern höheren Energieverbrauch und in der geringen Massenleistungsfähigkeit. Handelt es sich bei den Straßen der Hinterlandanbindungen der Seehäfen um Bundesautobahnen und Bundesfernverkehrsstraßen, so liegt die Zuständigkeit für den Erhalt und den Ausbau der Anbindungen beim Bund.
Die wichtigsten deutschen Seehäfen verfügen im Allgemeinen über gute Straßenanbindungen. Die Anteile des Straßentransport belaufen sich beispielhaft für den Hamburger Hafen im Jahr 2019 auf 51,3 Prozent im Container-Hinterlandverkehr [HHM20]. In den Bremischen Häfen betrug der Anteil des Container-Hinterlandverkehrs im gleichen Jahr 49,4 Prozent  [BP20, S. 40]. Der Rückgang des Lkw am Modal Split des Containerhinterlandverkehrs in Hamburg um 5 Prozent zugunsten der Schiene, der im Jahr 2012 für das Jahr 2025 erwartet wurde, wurde bereits 2015 erreicht [HPA12a; S.24, HPA17a]. Allerdings stiegen die Anteile des Straßentransportes im Hinterlandverkehr sowohl in Hamburg als auch in den Bremischen Häfen in den letzten beiden Jahren wieder leicht an.
Als laufende Projekte für die Hinterlandanbindung der deutschen Seehäfen wurden im Nationalen Hafenkonzept von den Bundesländern die folgenden Straßenprojekte definiert [BReg15]:

Straße:
  • Ausbau der A 7 südlich der Elbe
  • Ausbau der A 7 nördlich der Elbe (HH)
  • Neubau der A 14 Schwerin Magdeburg
  • Neubau der A 26 Ost
  • Neubau der A 26 von Stade bis Hamburg
  • Neubau der A 281 Eckverbindung Bremen
  • Neubau der A 20 Nordwestumfahrung Hamburg
  • Neubau der A 20 Küstenautobahn
  • Weiterbau der A 21
  • Neubau der A 39 Lüneburg Wolfsburg
  • Ausbau der B 96 in MV
  • 6-spuriger Ausbau der A 57 zwischen Kreuz Meerbusch und dem Kreuz Kamp-Lintfort 
  • B 44 Instandsetzung/Erneuerung der Hochstraße-Nord in Ludwigshafen 
  • Leistungsfähige Rheinquerung Wörth-Karlsruhe 
  • A 64 AS Trier (B 51) - Trier/Ehrang (B 52) 
  • B 44, OU Gernsheim/Kleinrohrheim 
  • B 47, OU Lampertheim/Rosengarten B 47, vierstreifiger Ausbau der OU Bürstadt 
  • A 5 AK Heidelberg AK Walldorf 
  • A 8 AS Pforzheim/Nord AS Wurmberg (Enztalquerung) 
  • A 3 AK Regensburg AS Rosenhof mit 2 Teilabschnitten 
  • A 6 AK Nürnberg/S AK Nürnberg/Ost 
  • B 8 Abfahrtsrampe Passau- Auerbach 
  • B 299 OU Mühlhausen mit Anbindungsspange zum Binnenhafen
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Hinterlandanbindung der Seehäfen (Stand des Wissens: 21.02.2021)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?57131
Literatur
[BP20] BremenPorts GmbH & Co. KG, , Die Senatorin für Wissenschaft und Häfen (Hrsg.) Hafenspiegel - Bremische Häfen 2019, 2020/03
[BReg15] Die Bundesregierung (Hrsg.) Nationales Hafenkonzept für
die See- und Binnenhäfen
2015, 2015
[HHM20] Hafen Hamburg Marketing e.V. (Hrsg.) Hafen Hamburg - Modal-Split im Container-Hinterlandverkehr, 2020
[HPA12a] Hamburg Port Authority Hamburg hält Kurs. Der Hafenentwicklungsplan bis 2025, Hamburg, 2012
[HPA17a] Hamburg Port Authority (Hrsg.) Der Hamburger Hafen 2017 - Daten und Fakten, 2017
Weiterführende Literatur
[Unic98] Wendrich, Günter, Dipl.-Kfm., Ordemann, Frank, Dr., Plociennik, Wolfgang, Dipl.-Ing. oec., Hopf, Herbert Attraktivitätssteigerung der deutschen Seehäfen durch Verbesserung der Hinterlandanbindung, Hamburg, 1998/01/28
[BAG05a] Bundesamt für Güterverkehr (BAG) Marktbeobachtung Güterverkehr - Sonderbericht zum Seehafen-Hinterlandverkehr, 2005/04
Glossar
Erneuerung Im Kontext der Straßenerhaltung bezeichnet der Begriff "Erneuerung" die vollständige Wiederherstellung einer Verkehrsflächenbefestigung oder von Teilen davon, sofern mehr als die Deckschicht betroffen ist. Bei der Bauwerkserhaltung beschreibt der Begriff den Ersatz von Bauteilen oder Bauteilgruppen.
Lkw Lastkraftwagen (Lkw) sind Kraftfahrzeuge, die laut Richtlinie 1997/27/EG überwiegend oder sogar ausschließlich für die Beförderung von Gütern und Waren bestimmt sind. Oftmals handelt es sich dabei um Fahrzeuge mit einer zulässigen Gesamtmasse zwischen 3,5 und 12 Tonnen. In Einzelfällen kann die zulässige Gesamtmasse diese Werte jedoch auch unter- beziehungsweise überschreiten, sofern das Kriterium der Güterbeförderung gegeben ist. Lastkraftwagen können auch einen Anhänger ziehen.
Automatische Kupplung Die automatische Kupplung (AK) ist eine selbsttätige Vorrichtung zum Verbinden von Schienenfahrzeugen. Man unterscheidet dabei halbautomatische Kupplungen, mit denen nur selbsttätiges Kuppeln (verbinden zweier Wagen) möglich ist, von den vollautomatischen Kupplungen. Letztere können selbsttätig sowohl kuppeln als auch entkuppeln. Bei AK ist zusätzlich auch das [ent]kuppeln der Brems- und Steuerleitung möglich.
Modal Split
Modal Split wird in der Verkehrsstatistik die prozentuale Verteilung des Personen- und Güterverkehrs auf verschiedene Verkehrsmittel (Modi) genannt. Der Modal Split ist Folge des Mobilitätsverhaltens der Menschen und der wirtschaftlichen, insbesondere der verkehrlichen Entscheidungen von Unternehmen.
Instandsetzung
Im Kontext der Straßenerhaltung versteht man unter "Instandsetzung" bauliche Maßnahmen zur Substanzerhaltung oder zur Verbesserung von Oberflächeneigenschaften von Verkehrsflächen, die auf zusammenhängenden Flächen in der Regel in Fahrstreifenbreite bis zu einer Dicke von 4 cm ausgeführt werden. Bei der Bauwerkserhaltung beschreibt der Begriff diejenigen Erhaltungsmaßnahmen an Bauteilen oder Bauteilgruppen, die keine Erneuerungsmaßnahmen sind.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?57313

Gedruckt am Freitag, 9. Dezember 2022 14:56:23