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Hinterlandanbindung der Seehäfen

Erstellt am: 23.09.2003 | Stand des Wissens: 25.06.2019
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn

Die Hinterlandanbindungen der Seehäfen verbinden die Häfen mit dem Binnenland und dienen der Abwicklung des Seehafenhinterlandverkehrs. Als Seehafenhinterlandverkehr wird im Allgemeinen der Zu- und Ablaufverkehr der Seehäfen mit den Verkehrsträgern Straße, Schiene und Binnen- bzw. Küstenschiff zu den Wirtschaftszentren im Binnenland bezeichnet [Lieb97, S. 931-932]. Mit der zunehmenden Bedeutung von Containerfeederverkehren werden aber auch diese als Hinterlandverkehr angesehen [Nott98, S.48].

Die Straßen- und Schienennetze im Hafen und ihre Anbindung an die überregionalen Netze wie auch die Anbindung an die Binnenwasserstraßen sind Bestandteil der öffentlich vorgehaltenen Hafeninfrastruktur als allgemeiner Infrastruktur. Die so verstandene Hafeninfrastruktur greift weit über den Hafen selbst hinaus, was seinen Niederschlag in den entsprechenden Hafenentwicklungsplänen findet [vgl. HPA05, S. 50f.].

Im Hafenwettbewerb spielt die Qualität der Hinterlandanbindungen eine wichtige Rolle. Sie ist bestimmend für das Einzugsgebiet eines Hafens. Die Hinterlandanbindungen und ihre Attraktivität beeinflussen die Entscheidung von Linienreedereien, ob und mit welchen Schiffen der einzelne Hafen angelaufen wird, sowie die Hafenwahl des Verladers von Massen- und Massenstückgütern [Unic98; HUB14, S.66; WisB19, S. 4].
Die Bewertung der Hinterlandanbindung eines Seehafens ist durch die Betrachtung der geografischen und ökonomischen Erreichbarkeit möglich. Grundsätzlich ist hierbei eine verkehrsträgerspezifische Differenzierung notwendig. Die geografische Erreichbarkeit ist durch die räumlichen und zeitlichen Entfernungen zum Seehafen und die qualitative Wertigkeit der Hinterlandverkehre definiert [WisB19, S. 3]. Die ökonomische Erreichbarkeit ist definiert als die verkehrsträgerspezifische ökonomische Entfernung, also die Raumüberwindungskosten eines Verkehrsträgers vom Seehafen in die Hinterlandregion und umgekehrt [Lieb97, S.931-32].
Um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Seehäfen zu sichern und zu stärken, nahm der Ausbau der Hinterlandanbindungen im Bundesverkehrswegeplan 2030 mit dem Sofortprogramm Seehafen-Hinterlandverkehr (SHHV) eine wichtige Stellung ein. Im SHHV wurden bisher hauptsächliche kleinere Maßnahmen im Schienenverkehr zur Erhöhung der Kapazität erfolgreich durchgeführt. Das Programm wird daher als SHHV II bis 2020 fortgesetzt [BMVI16d].
Nachdem Binnenhäfen zum ersten Mal im Nationalen Hafenkonzept des Bundes im Jahr 2009 als Teil der Gesamtstrategie genannt wurden, wird ihr Erhalt und Ausbau auch im aktuellen Hafenkonzept 2015 als wichtige Maßnahme im Bemühen um die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der nationalen Seehäfen priorisiert [BReg15].
Durch den Einsatz von Verkehrstelematik können Effizienzgewinne bei den Akteuren durch Generierung, Übertragung, Darstellung und Nutzung von Informationen erzielt werden. Dabei konnte auf die in den Häfen zum Teil bereits vorhandenen (Hamburg, Bremerhaven) ausgefeilten Telematikanwendungen aufgebaut werden. Die Bemühungen gingen dahin, die Einzelprozesse der Verkehrsträger zu integrieren. Die Inkompatibilität der Kommunikationsplattformen bildet dabei ein Problem [PlKK07, S.3f.].  Dieses Problem kann mit dem Fortschritt der Technologien immer besser überwunden werden. Ziel des Bundes ist es, die Vernetzung und Digitalisierung in Basisinfrastrukturen weiter voranzutreiben [BReg15].
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Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Hinterlandanbindung der Seehäfen (Stand des Wissens: 25.06.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?57131
Literatur
[BMVI16d] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (Hrsg.) Bundesverkehrswegeplan 2030, Ausgabe/Auflage März 2016, Berlin, 2016/03
[BReg15] Die Bundesregierung (Hrsg.) Nationales Hafenkonzept für
die See- und Binnenhäfen
2015, 2015
[HPA05] o.A. Im Focus dynamischer Wachstumsmärkte Chancen und Entwicklungspotentiale des Hamburger Hafens, Hamburg, 2005
[HUB14] Huber, Thomas "Global Ports" in der maritimen Transportwirtschaft - Akteurbasierende Bewertung des weltweiten Netzwerks von Hafenstandorten, Regensburg, 2014
[Lieb97] Lieb, T. Seehafenhinterlandverkehr, veröffentlicht in Vahlens großes Logistiklexikon, Beck / München, 1997, ISBN/ISSN 3-8006-2020-0
[Nott98] Notteboom, T. Spatial and Functional Integration of Container Port systems and Hinterland Networks in Europe, veröffentlicht in Land Access to Sea Ports, ECMT Round Table 113, Paris, 1998/12/10, ISBN/ISSN 92-821-1359-0
[PlKK07] Kessel + Partner Transport Consultants, PLANCO Consulting GmbH, Kühne-Institut für Logistik, Universität St. Gallen Telematikeinsatz für die Hinterlandanbindung der deutschen Nordseehäfen, Essen, 2007/01
[Unic98] Wendrich, Günter, Dipl.-Kfm., Ordemann, Frank, Dr., Plociennik, Wolfgang, Dipl.-Ing. oec., Hopf, Herbert Attraktivitätssteigerung der deutschen Seehäfen durch Verbesserung der Hinterlandanbindung, Hamburg, 1998/01/28
[WisB19] Wissenschaftlicher Beirat Internationales Verkehrswesen (Hrsg.) Chancen der Digitalisierung für die deutschen Seehäfen nutzen und Investitionen in die Infrastruktur optimieren
, Trialog Publishers Verlagsgesellschaft, Baiersbronn, 2019/01
Weiterführende Literatur
[Wölb07] Wölbeling, J.H. Gemeinsame Anstrengungen nötig, veröffentlicht in Internationales Verkehrswesen, Ausgabe/Auflage Nr.7+8, DVV Media Group, 2007, ISBN/ISSN 0020-9511
[Reyn98] Reynaud, C. Land Access to Ports: New Methods of Operation and Organisation for Container Transport, veröffentlicht in Land Access to Sea Ports, ECMT Roundtable 113, Paris, 1998/12/10, ISBN/ISSN 92-821-1359-0
[BAG05a] Bundesamt für Güterverkehr (BAG) Marktbeobachtung Güterverkehr - Sonderbericht zum Seehafen-Hinterlandverkehr, 2005/04
[Klin98] Klink, A. van Optimisation of Land Access to Sea Ports: Beyond Infrastructure, veröffentlicht in Land Access to Sea Ports, ECMT Roundtable 113, Ausgabe/Auflage 113, 1998/12/10, ISBN/ISSN 92-821-1359-0
[Planco07] PLANCO Consulting GmbH Prognose der deutschlandweiten Verkehrsverflechtung 2025 - Seeverkehrsprognose - Los 3, Essen, 2007/04
[Brei97] Breitzmann, Karl-Heinz, Prof. Dr. Seehafen, veröffentlicht in Vahlens großes Logistiklexikon , Beck / München, 1997, ISBN/ISSN 3-8006-2020-0
[HoSt01a] Stemmler, Lars, Holocher, Klaus Harald, Prof. Dr. Seehäfen im Pällman-Bericht, veröffentlicht in Hansa: international maritime journal, Ausgabe/Auflage 2/2001, Schiffahrts-Verlag / Hamburg, 2001/02, ISBN/ISSN 0017-7504
[Sich03] Sichelschmidt, Henning Wettbewerbspolitik und Infrastrukturprojekte in den deutschen Seehäfen, veröffentlicht in Internationales Verkehrswesen, Ausgabe/Auflage 01+02/2003, Deutscher Verkehrs-Verlag / Hamburg, 2003/01, ISBN/ISSN 0020-9511
Glossar
Seehafenhinterlandverkehr Als Seehafenhinterlandverkehr werden im Allgemeinen der Zu- und Ablaufverkehr der Seehäfen mit den Verkehrsträgern Straße, Schiene und Binnen- bzw. Küstenschiff zu den Wirtschaftszentren im Binnenland bezeichnet.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?57305

Gedruckt am Dienstag, 4. August 2020 08:24:58