Forschungsinformationssystem des BMVI

zurück Zur Startseite FIS

Personenverkehr

Erstellt am: 19.09.2019 | Stand des Wissens: 22.10.2019
Ansprechpartner
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch

Der Schienenverkehr erreicht auch im intermodalen Vergleich der Personenverkehrsmittel sehr geringe Werte bezüglich der Luftschadstoffemissionen (Abbildung 1). Allein der Bus kann - bei aggregierter Betrachtung von Linien- und Reisebusverkehren - mit der Schiene konkurrieren.
Transportleistungsspezifische Luftschadstoffemissionen des PersonenverkehrsAbb. 1: Transportleistungsspezifische Luftschadstoffemissionen des Personenverkehrs in Gramm pro Personenkilometer (g/Pkm) (Bezugsjahr: 2012, Well-to-Wheel-Betrachtung, eigene Darstellung nach [IFEU13e; IFEU13f; IFEU13g]) (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)
Obwohl die dargestellten Messwerte auf einen deutlichen Umweltvorteil des Verkehrsträgers Schiene hinweisen, ist eine differenzierte Betrachtung der eingesetzten Traktionsart notwendig. So haben Dieseltriebfahrzeuge in Deutschland mittlerweile einen relativ geringen Anteil an der erbrachten Betriebsleistung. Der Deutsche Bahn AG Konzern (DB AG) verweist bspw. für das Jahr 2012 auf einen Wert von unter zehn Prozent. Im europäischen Durchschnitt liegt der Anteil von nicht elektrifizierten Strecken jedoch bei etwa 49 Prozent, sodass die Dieseltraktion weiterhin von Bedeutung ist [DBAG13y]. Im Vergleich zur Elektrotraktion ist diese bei Regionalzügen für einen 15 Prozent höheren und bei Güterzügen für einen 68 Prozent höheren spezifischen Kohlenstoffdioxid-Ausstoß verantwortlich [IFEU13b; IFEU13e].

Wie bei den übrigen Verkehrsmitteln bildet der jeweilige Auslastungsgrad eine entscheidende Stellgröße zur Verbesserung spezifischer Schadstoffausstoß- und Energieverbrauchswerte. Mit einer 50-prozentigen Belegung im Schienenpersonenfernverkehr und lediglich 21 Prozent Auslastung im Personennahverkehr ergibt sich dabei speziell hinsichtlich der Eisenbahn ein vielversprechender Handlungsspielraum, der im Rahmen einer Verkehrsverlagerung zugunsten der Schiene dazu beitragen könnte, die Kohlenstoffdioxid-Emissions- sowie Energiekonsumbilanz des gesamten Transportsektors zu entlasten [DBAG15b; BSL13]. Insofern erscheint es opportun, potenzielle Nutzer offensiv mit den umweltbezogenen Auswirkungen ihrer Verkehrsmittelwahlentscheidung zu konfrontieren, um vor oder während entsprechender Entscheidungsprozesse hieraus resultierende externe Effekte aufzeigen und etwaige Präferenzmodifikationen herbeiführen zu können. Die DB AG hat vor diesem Hintergrund zwei internetgestützte Informationsdienste etabliert, die sowohl Schienenpersonen- als auch Schienengüterverkehrskunden relationsspezifisch und in einem verkehrsträgerübergreifenden Vergleich über die jeweiligen Umweltbelastungen aufklärt [Seif10].
Ansprechpartner
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Effizienzpotenziale im Schienenverkehr (Stand des Wissens: 17.09.2020)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?487371
Literatur
[BSL13] BSL Transportation Consultants GmbH & Co. KG Marktreport SPNV 2013, 2013/06
[DBAG13y] o. A. Nachhaltigkeitsbericht 2012, Berlin, 2013/07
[DBAG15b] o.A. Deutsche Bahn Integrierter Bericht, Berlin, 2015
[IFEU13b] Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH Datenbank Umwelt & Verkehr
2000/2012 - Deutschland - Güterverkehr - Emissionskategorie: WTW - Komponente: CO2, 2013/11/19
[IFEU13e] Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH Datenbank Umwelt & Verkehr
2000/2012 - Deutschland - Personenverkehr - Emissionskategorie: WTW - Komponente: CO2, 2013/11/19
[IFEU13f] Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH Datenbank Umwelt & Verkehr
2012 - Deutschland - Personenverkehr - Emissionskategorie: WTW - Komponente: NOx, 2013/11/19
[IFEU13g] Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH Datenbank Umwelt & Verkehr
2012 - Deutschland - Personenverkehr - Emissionskategorie: WTW - Komponente: SO2, 2013/11/19
[Seif10] Seifert, Arno Nachweis der Energieeffizienz der Bahn, veröffentlicht in Deine Bahn, Ausgabe/Auflage 02/2010, Bahn Fachverlag GmbH / Berlin , 2010/02, ISBN/ISSN 0948-7263
Glossar
Personenkilometer
Die Einheit Personenkilometer [Pkm] beschreibt die im Rahmen einer Personenbeförderung erbrachte Verkehrsarbeit. Diese definiert sich als Produkt der Verkehrsmenge (Summe der beförderten Personen) und der von dieser dabei zurückgelegten Wegstrecke in km.
Verkehrsarbeit [Pkm] = Verkehrsmenge [P] * Wegstrecke [km]
Traktion Unter Traktion versteht man im Schienenverkehrsbereich die kraftgetriebene Fortbewegung von Triebfahrzeugen. Bei der Art des Antriebssystems unterscheidet man heutzutage i. d. R. Triebfahrzeuge mit dieselelektrischen oder -hydraulischen bzw. rein elektrischen Aggregaten zur Kraftübertragung (auch: Diesel- bzw. Elektrotraktion).  Die Traktionsart Dampf wird hierzulande nur noch im Bereich von Museumsbahnen eingesetzt. Mehrere gekoppelte Triebfahrzeuge bilden eine sog. Mehrfachtraktion. Üblicherweise werden diese nach der Anzahl der eingesetzten Triebfahrzeuge benannt (z. B. Doppel- oder Dreifachtraktion).
Betriebsleistung
Die Betriebsleistung ist eine Kennzahl für den Umfang eines bestehenden Schienenverkehrsangebots bezogen auf eine bestimmte Bezugsperiode (z. B. ein Jahr). Sie definiert sich als Produkt einer Verkehrsmenge (Summe eingesetzter Züge, Wagen, Fahrzeuge oder Sitzplätze) und der von ihr zurückgelegten Wegstrecke in km je betrachteter Zeiteinheit.
Betriebsleistung = (Verkehrsmenge * Wegstrecke) / Bezugsperiode
Gebräuchliche Einheiten für die Betriebsleistung sind Zugkilometer [Zugkm], Fahrzeugkilometer [Fzgkm] oder Sitzplatzkilometer pro Jahr (z. B. [Zugkm/a]).
Schienenpersonenfernverkehr
Der Schienenpersonenfernverkehr (SPFV) ist die Beförderung von Reisenden mit Eisenbahnzügen über längere Strecken mit mehr als einer Stunde Fahrzeit oder 50 km Entfernung. Im Gegenzug zum Schienenpersonennahverkehr (SPNV) bzw. dem Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) wird der SPFV eigenwirtschaftlich betrieben und muss sich betriebsökonomisch selbst tragen.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?504173

Gedruckt am Mittwoch, 23. September 2020 11:05:23