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Rahmenbedingungen des automatisierten und vernetzten Fahrens

Erstellt am: 12.08.2019 | Stand des Wissens: 26.04.2022
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig

Auf die Entwicklung des automatisierten und vernetzten Fahrens (AVF) wirken verschiedene Einflussfaktoren und Akteure ein. Diese beeinflussen die Richtung und Dynamik von Innovationsprozessen sowie die Entwicklung neuer Technologien des AVF. Insbesondere sicherheitsrelevante Vorgaben, die verkehrlichen Gegebenheiten und die technischen Möglichkeiten beeinflussen die Entwicklung des AVF erheblich.

Der Straßenverkehr soll durch das AVF nicht nur komfortabler, sondern auch sicherer, effizienter und umweltverträglicher werden. Die Technologien der Fahrerassistenzsysteme bieten das Potenzial, das Aufkommen von Staus um rund ein Fünftel zu verringern und somit den Verkehrsfluss zu optimieren [VDA16a]. Auch die Anzahl der Unfälle soll verringert werden, sodass eine höhere Verkehrssicherheit erreicht werden kann. Hier wird vermutet, dass die Anzahl der Unfälle um 10 Prozent reduziert werden kann [KE18d]. Wie hoch das Potenzial zur Vermeidung von Unfällen durch das AVF sein kann, variiert jedoch in Abhängigkeit von Nutzfahrzeug oder privatem Fahrzeug noch stark [BGV12b; Scho15].

Die vernetzten Informations- und Kommunikationssysteme sollen zu ähnlichen Wirkungen wie die Unfallreduktion führen, indem durch die Kommunikation zwischen Fahrzeugen sowie zwischen Fahrzeug und Infrastruktur beispielsweise Grünphasen der Lichtsignalanlagen besser genutzt und auf plötzliche Phasenwechsel unmittelbar, noch bevor das menschliche Augen diese sieht, reagiert werden kann. Auch ein Drittel des durch Parkplatzsuche im urbanen Raum verursachten Verkehrs könnte durch das vernetzte Fahren vermieden werden. Diese Optimierungen im Straßenverkehr würden bei einer Realisierung ihrerseits zu einer Verminderung von CO2-Emissionen und somit zu einer Verringerung der externen Kosten im Straßenverkehr führen [VDA16a]. Mit dem automatisierten Fahren soll eine Einsparung der Emissionen von 7,6 Prozent pro Jahr möglich sein. Dies entspricht 7,8 Megatonnen Kohlendioxid [Kress19].

Im Personenverkehr soll zudem die Flächeninanspruchnahme durch Pkw insbesondere in urbanen Gebieten reduziert werden. Es soll zu einer Reduzierung des Privatbesitzes von Pkw, zu einer dynamischen Verteilung der Fahrzeuge und zu einem optimierten Parkraummanagement kommen [Hein16]. Parallel sollen Flexibilität und Individualität im Personenverkehr gesteigert werden. Im Güterverkehr erhofft man sich eine Erhöhung der Produktivität, Zuverlässigkeit und Flexibilität durch automatisierte, vernetzte und dezentralisierte Lösungen [Frae17].
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Verkehrs- und Umweltwirkungen des automatisierten und vernetzten Fahrens im Straßenverkehr (Stand des Wissens: 15.08.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?503150
Literatur
[BGV12b] BG Verkehr (Hrsg.) Resümee der wissenschaftlichen Begleitung der Aktion ''Sicher. Für Dich. Für Mich'', 2012
[Frae17] Eva Fraedrich, Lars Kröger, Francisco Bahamonde-Birke, Ina Frenzel, Gernot Liedtke, Stefan Trommer, Barbara Lenz, Dirk Heinrichs Automatisiertes Fahren im Personen- und Güterverkehr
Auswirkungen auf den Modal-Split, das Verkehrssystem und die Siedlungsstrukturen, Stuttgart, 2017
[Hein16] Dirk Heinrichs Autonomes Fahren und Stadtstruktur, veröffentlicht in Autonomes Fahren - Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte, Springer Vieweg, 2016, ISBN/ISSN 978-3-662-45853-2
[KE18d] Esser, Dr. Klaus, Kurte, Dr. Judith Autonomes Fahren - Aktueller Stand, Potentiale und Auswirkungsanalyse, 2018/04
[Kress19] Kresser, Thomas Weniger Kohlendioxid-Ausstoß durch autonomes Fahren, 2019/03/01
[Scho15] Schoettle, Brandon, Sivak, Michael, A Preliminary Analysis of Real-World Crashes Involving Self-Driving Vehicles, 2015/10
[VDA16a] Verband der Automobilindustrie e.V. (Hrsg.) Automatisiertes Fahren, 2016
Glossar
Verkehrsfluss
Unter Verkehrsfluss versteht man die Anzahl der Fahrzeuge, die eine vordefinierte Verkehrs(quer)fläche pro Zeiteinheit durchfährt.
Externe Kosten Kosten, die nicht vom eigentlichen Verursacher, sondern von der Allgemeinheit getragen werden und deshalb nicht in den Marktpreisen enthalten sind, werden als externe Kosten bezeichnet.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?502733

Gedruckt am Donnerstag, 7. Juli 2022 10:10:40