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Internationale Erfahrungen mit Building-Information-Modeling und Vergleich zu Deutschland

Erstellt am: 09.08.2019 | Stand des Wissens: 08.01.2021
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig

Die Idee, durch digitale Modelle geometrische Formen beziehungsweise Bauelemente mit weiteren Informationen zu verknüpfen, geht bis in die 1970er-Jahre zurück. In den 1980er-/1990er-Jahren folgte die Definition von Standards für den Datenaustausch und die Implementierung des Begriffes Building-Information-Modeling (BIM). Zum Ende der 1990er-Jahre sammelten erste Baufirmen Erfahrungen in der Anwendung von BIM [HaLi16a]. Dabei sind die skandinavischen Länder als Vorreiter in der Anwendung zu identifizieren, hier werden sowohl ein Großteil der öffentlichen als auch zahlreiche private Bauprojekte mit BIM realisiert. Ebenso in Singapur und Südkorea kommt BIM nahezu flächendeckend zur Anwendung, in den USA sehr häufig bei Großprojekten [HaLi16a]. Diese Staaten nehmen bis heute die Vorreiterrolle im Einsatz von BIM ein. Dabei ist häufig die öffentliche Hand aktiver Treiber der Einführung, sei es durch die Verpflichtung zur Verwendung digitaler Gebäudemodelle bei staatlichen Aufträgen (Singapur ab 2004, Finnland ab 2007, USA ab 2007) oder die Definition von Standards und vertraglichen Vereinbarungen [BoKö15]. Im Jahr 2007 begann Großbritannien mit der staatlich initiierten Einführung von BIM. Das Ziel der britischen Bauwirtschaft ist es Kosteneinsparungen zu erreichen und die internationale Wettbewerbsfähigkeit deutlich zu erhöhen. Zu diesem Zweck wurden zunächst einheitliche Standards in Form von Normen geschaffen (zum Beispiel die öffentlich verfügbare Spezifikation Publicly Available Specification (PAS) 1192-2) und ab 2016 der Einsatz von BIM Level 2 für alle öffentlichen Bauvorhaben verbindlich vorgeschrieben [Tree16a].
Seit dem Jahr 2010 folgen weitere europäische Staaten und schaffen Rahmenbedingungen sowie Vorgaben für die Anwendung von BIM, zumindest bei öffentlichen Bauvorhaben. Im Jahr 2014 beschloss das Europäische Parlament Änderungen der Beschaffungsrichtlinie, die es den öffentlichen Auftraggebern nun ermöglicht, digitale Modelle in der Planungs- und Ausführungsphase vom Auftragnehmer zu fordern. Zugleich wurden die entscheidenden internationalen Normen ISO 16739 und ISO 29481 in europäische Normen übernommen und sind somit von allen Mitgliedstaaten verpflichtend in nationales Recht zu überführen [BoKö15].
Während einzelne Unternehmen der Bauwirtschaft in Deutschland bereits intensiv mit BIM arbeiten und mehrjährige Erfahrung gesammelt haben, verlief die Einführung von BIM im privaten und öffentlichen Sektor zunächst zögerlich. Ende des Jahres 2015 wurde mit dem Stufenplan Digitales Planen und Bauen durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) eine Agenda formuliert, mit der BIM insbesondere im Infrastrukturbau etabliert werden soll. Bis 2017 sollten in einer ersten vorbereitenden Phase die Rahmenbedingungen, etwa die Definition von Standards, geschaffen werden. In der zweiten Phase von 2017 bis 2020 werden anhand von vier großen Pilotprojekten Erfahrungen in der Anwendung von BIM gesammelt. In der dritten Stufe soll BIM ab dem Jahr 2020 für Neubauprojekte im Verantwortungsbereich des BMVI regelmäßig zur Anwendung kommen [BMVI15t].
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Effizientere Fahrwege mittels Bauwerksdatenmodellierung und Anwendung der Methode des Building-Information-Modeling (Stand des Wissens: 11.01.2021)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?502813
Literatur
[BMVI15t] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (Hrsg.) Digitales Planen und Bauen - Stufenplan zur Einführung von Building Information Modeling (BIM). Erst virtuell, dann real bauen!, 2015
[BoKö15] Borrmann, A., König, M., Koch, C., Beetz, J. Building Information Modeling - Technologische Grundlagen und industrielle Praxis, Springer Vieweg/Wiesbaden, 2015
[HaLi16a] Hausknecht, Kerstin, Liebich, Thomas BIM-Kompendium - Building Information Modeling als neue Planungsmethode, Fraunhofer IRB Verlag / Stuttgart, 2016
[Tree16a] van Treeck, C. Building Information Modeling, veröffentlicht in Gebäude. Technik. Digital. - Building Information Modeling, Springer / Berlin, Heidelberg, 2016
Glossar
BMVI Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (bis 10/2005 auch BMVBW und bis 12/2013 BMVBS)

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?502607

Gedruckt am Dienstag, 19. Oktober 2021 22:39:34