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Schienenverkehr im Flughafen

Erstellt am: 15.07.2019 | Stand des Wissens: 15.07.2019
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Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Sogenannte Peoplemover - zu Deutsch: Personenbeförderer - finden in Deutschland immer häufiger Anwendung. Vor allem in Flughäfen werden sie häufig eingesetzt, da es dort oft für viele Fluggäste gilt, verhältnismäßig weite Strecken zu Fuß zurückzulegen, beispielsweise, wenn ein anderes Terminal, ein Parkhaus oder der Bahnhof erreicht werden muss. Schienengebundene Verkehrsmittel bieten dort oft eine gute Beförderungsmöglichkeit auf kurzen Strecken zwischen solchen Punkten, da sie einen sicheren Betrieb gewährleisten bei einer hohen Beförderungsleistung. Die technische Bandbreite reicht vom klassischen Rad-Schiene-Prinzip über gummibereifte zweispurige Bahnen bis zu Monorail-Bahnen, Hängebahnen und Standseilbahnen. Zudem gibt es vom Fahrer gesteuerte Fahrzeuge sowie Systeme, bei denen der gesamte Betrieb automatisiert abläuft. Als weiteres Klassierungsmerkmal gibt es die Unterscheindung zwischen Bahnen im öffentlichen Betrieb und solchen, die nur Flugpassagieren oder Kunden eines anderen bestimmten Services zustehen.

Am Frankfurter Flughafen kommt der SkyLine eine besondere Rolle zu. Sie ist mit der Eröffnung 1994 das erste Personentransportsystem ihrer Art und verbindet seitdem das neugebaute Terminal 2 mit dem Terminal 1, seit 2017 mit einer zusätzlichen Haltestelle auch den Abfertigungsbereich C. Die Wagen fahren elektrisch mit Gummireifen über eine Betonfahrbahn und werden komplett automatisch gesteuert. In Frankfurt können sowohl Passagiere aus dem Transitbereich als auch Gäste und Personen aus dem Schengen-Raum mit der SkyLine fahren. Da die Fahrgäste diese Bereiche nicht wechseln sollen, öffnet sich ein Wagen der jeweils zwei, aus denen ein Zug besteht, für den einen Bereich, der zweite Wagen für den anderen Bereich. Die Nutzung der SkyLine ist kostenlos und steht den Passagieren und Gäste ganztägig zur Verfügung [FASW14] [FASW19].

2023 soll ein weiteres Terminal im Süden des Frankfurter Flughafens durch das Personentransportsystem Airval angebunden werden. Dieses ist ebenfalls ein gummibereiftes, zweispuriges, elektrisches System und arbeitet fahrerlos. Wie die SkyLine soll es ebenfalls kostenlos und täglich 24 Stunden zur Verfügung stehen. In Spitzenstunden können bis zu 4.000 Passagiere je Richtung auf der 5,6 Kilometer langen Strecke transportiert werden [RB18].

In Düsseldorf verbindet der vollautomatisch fahrende "Sky Train" seit 2002 den Flughafen mit dem 2,5 Kilometer entfernten Fernbahnhof mit einem Zwischenhalt am Parkahaus P4/P5 sowie an den Terminals A/B und C. Der Sky Train ist eine elektrisch angetriebene Hängebahn, die in 5 bis 25 Metern Höhe fährt. Die Kabinenbahn steht allen Gästen und Passagieren zur Verfügung. Die Nutzung kostet allerdings ein Entgelt. Akzeptiert werden neben den Rail&Fly-Tickets unter anderem auch Fahrkarten des örtlichen Verkehrsverbundes [DUS19b].

2008 wurde die Nürnberger U-Bahn-Linie U2 auf den automatischen Betrieb umgestellt. Die Linie verkehrt von Röthenbach über das Stadtzentrum zum Flughafen. Eine Besonderheit stellt dabei die gemeinsame Streckennutzung über sechs Haltestellen mit der Linie U3 dar, welche nicht automatisiert ist, sodass auf diesem Abschnitt ein Mischbetrieb stattfindet, was weltweit ein Novum war [BR15].

In München wurde im April 2016 ein neues Satellitenterminal eröffnet. Um es zu erreichen, müssen Passagiere eine gummibereifte Kabinenbahn nutzen, welche unterirdisch zwischen Hauptgebäude und dem neuen Terminal 2 fährt. Zwischen den beiden Betonfahrbahnen für die Räder der Wagen verläuft eine Stromschiene, die zugleich als Linienführung dient. In weniger als einer Minute gelangt man so durch den 400 Meter langen Tunnel zum jeweils andere Gebäude. Die fahrerlosen Züge bestehen aus je vier Wagen, die aneinandergehangen sind [SZ16b].

Insgesamt ist festzustellen, dass Personentransportsysteme aufgrund ihrer positiven Eigenschaften immer öfter an Flughäfen eingesetzt werden und vor allem automatische Systeme bevorzugt gebaut werden. So können Kosten eingespart und ein besonders dichter Takt gefahren werden, ohne Einbußen in der Sicherheit hinnehmen zu müssen.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Verknüpfung Schiene und Luft (Stand des Wissens: 17.07.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?289095
Literatur
[BR15] Bayerischer Rundfunk (Hrsg.) Die fahrerlose U-Bahn in Nürnberg , 2015
[DUS19b] Flughafen Düsseldorf GmbH (Hrsg.) SkyTrain, 2019
[FASW14] Frankfurt Airport Services Worldwide (Hrsg.) Von Terminal zu Terminal, 2014
[FASW19] Frankfurt Airport Services Worldwide (Hrsg.) Die SkyLine verbindet Terminal 1 und 2 , 2019
[RB18] Redaktion Bahnblogstelle (Hrsg.) Siemens liefert vollautomatischen People Mover für Flughafen Frankfurt, 2018
[SZ16b] Süddeutsche Zeitung GmbH (Hrsg.) Fahrerlose Mini-U-Bahn nimmt Probebetrieb auf , 2016/02/22
Glossar
Mischbetrieb
Als Mischbetrieb (auch: Mischverkehr, gemischter Verkehr) wird der Betrieb mit unterschiedlichen Fahrzeugen auf demselben Fahrweg bzw. im selben Verkehrsraum bezeichnet. Beispielhaft kann hier die gemeinsamen Nutzung von Eisenbahnstrecken durch Reise- und Güterzüge oder auch des Straßenraums durch Straßenbahnen und Kfz genannt werden.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?500923

Gedruckt am Montag, 4. Juli 2022 13:39:36