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Typische Herausforderungen bei Einrichtung und Betrieb von Radschnellwegen

Erstellt am: 03.06.2019 | Stand des Wissens: 14.12.2023
Synthesebericht gehört zu:

Die Akzeptanz und künftige Nutzungsintensität von Radschnellverbindungen hängen von einer Vielzahl von Gesichtspunkten ab. Neben den Aspekten der Verkehrssicherheit stellen auch der gegenüber konventionellen Radverkehrsanlagen vergleichsweise hohe Flächenbedarf und mögliche Nutzungskonflikte typische Herausforderungen bei der Einrichtung von Radschnellverbindungen dar.
Dabei ist neben den rein technischen und baulichen Gesichtspunkten auch der lokale Umgang mit Bürgerinnen und Bürgern, Gewerbetreibenden, Trägern öffentlicher Belange, Umweltverbänden und anderen Interessenvertretern sowie den politischen Entscheidungsträgern eine Herausforderung bei der Anlage von Radschnellverbindungen. Ein sinnvolles Beteiligungskonzept und Öffentlichkeitsarbeit sind für die Anlage von Radschnellwegen ebenso von zentraler Bedeutung wie ein zielgerichtetes Marketing an die späteren Nutzenden, Anlieger, Gegner und finanzierenden Stellen. Spezifische Aspekte der lokalen Mobilitätskultur sind dabei von großer Bedeutung und lassen es nicht zu, allgemeingültige Aussagen zur Partizipation und Öffentlichkeitsarbeit zu treffen. Die Radschnellverbindung als Marke zu etablieren und Identität zu schaffen, stellt somit eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar. In der Regel kann dieser Markengedanke nur durch kontinuierliche Beteiligung wichtiger Akteure und eine ständige Prozessevaluation entwickelt und durch professionelle Marketingstrategien gestützt werden (siehe auch [FGSV14a]).
Die Entwicklung eines individuellen Kommunikationskonzeptes ist deshalb von großer Bedeutung. Bereits im Vorfeld der Planung gilt es, das Bauprojekt sowie den wirtschaftlichen und gesamtgesellschaftlichen Mehrwert von Radschnellverbindungen in Verwaltung und Politik der beteiligten Kommunen zu kommunizieren. Indem individuelle Eigenschaften des Projektes und des Planungsraumes hervorgehoben werden, lässt sich der Bau leichter legitimieren. Ebenso entscheidend für die erfolgreiche Umsetzung des Bauvorhabens ist der Einbezug der Bürgerschaft. Die Betonung des verkehrlichen Nutzens für alle kann hier eine gemeinsame Basis schaffen, während eine prozessbegleitende öffentliche Berichterstattung transparente Prozesse suggeriert und für eine breite Akzeptanz sorgen kann. Diese ist besonders wichtig, wenn Teile der zu bauenden Infrastruktur auf Privatgrundstücke fallen. Hier ist die Einwilligung der Eigentümer nötig, eine respektvolle, offene und verständnisvolle Kommunikation zwischen Entscheidungsträgern, Planern und Anwohnern demnach unabdingbar. [AGFS15]
Ansprechpartner
Institut für Mobilitäts- und Stadtplanung, Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr.-Ing. Dirk Wittowsky
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Einsatz von Radschnellwegen (Stand des Wissens: 14.12.2023)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?499833
Literatur
[AGFS15] Arbeitsgemeinschaft fußgänger- und fahrradfreundlicher Städte, Gemeinden und Kreise in Nordrhein-Westfalen (AGFS) (Hrsg.) Radschnellwege: Leitfaden für die Planung, 2015/05
[FGSV14a] Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. (Hrsg.) Arbeitspapier Einsatz und Gestaltung von Radschnellverbindungen [FGSV-Nr. 284/1], FGSV Verlag GmbH 50999 Köln Wesselinger Straße 17, 2014, ISBN/ISSN ISBN 978-3-86446-082-1

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?499446

Gedruckt am Samstag, 13. Juli 2024 15:00:00