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Unterhaltung und Betrieb von Radschnellwegen

Erstellt am: 03.06.2019 | Stand des Wissens: 03.06.2019
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Radverkehrsanlagen können von Nutzenden nur dann sicher und komfortabel genutzt werden, wenn die Oberfläche stets einen baulichen Zustand aufweist, der möglichst sauber, eben, griffig und arm an Schlaglöchern und Rissen ist. Daher kommt der Kontrolle und Unterhaltung gerade derart hochwertiger Verkehrsanlagen wie Radschnellverbindungen eine besondere Bedeutung auch im Hinblick auf eine hohe Nutzerakzeptanz zu. Als Verkehrsanlagen unterliegen diese der Verkehrssicherungspflicht. Daher sollte die Kontrolle regemäßig erfolgen (nach [FGSV14a] mindestens zweimal jährlich).
Dazu muss auch die durchgängige Befahrbarkeit für Unterhaltungsfahrzeuge, Fahrzeuge des Betriebsdienstes und Notfallfahrzeuge (inklusive notwendiger Durchfahrtshöhen) unter anderem für Grünpflege, Reinigung, Schneeräumung sichergestellt werden. Demnach ist aus den Erfordernissen des Betriebsdienstes eine Breite von mindestens 2,5 Metern (auch an Engstellen) zu gewährleisten [Uhli18].

Die Reinigung unterliegt den landesspezifischen Regelungen der Straßengesetze. Durch die Funktion von Radschnellwegen als wesentliche Hauptrouten ist auch der Winterdienst auf Verbindungen zu gewährleisten. Im Einzelfall (zum Beispiel bei Führung auf Wald-, Forst- oder Wirtschaftswegen) sind Regelungen des Winterdienstes mit den jeweiligen Eigentümern zu vereinbaren (beispielsweise durch Gestattungsverträge). Gerade auf landwirtschaftlichen Wegen gibt es ein erhöhtes Verschmutzungsrisiko, weshalb hier bei Nutzung dieser Strecken als Radschnellwege besondere vertragliche Regelungen zur Reinigung getroffen werden sollten [BaWü17]. In diesem Zusammenhang sollten die Bundesländer den Widmungstatbestand "Radschnellverbindung" in die jeweiligen Straßen- und Wegegesetze einbringen und damit einhergehend auch die typischen Konflikte unterschiedlicher Nutzungszwecke auf Betriebswegen beziehungsweise Wald-, Forst und Wirtschaftswegen rechtlich auflösen [Spap15].

Zum Betrieb von Radschnellwegen gehört auch die Frage einer ortsfesten Beleuchtung. Innerorts sind nach [FGSV14a] ortsfeste Beleuchtungen immer vorzusehen. Außerorts wäre eine Einrichtung von Beleuchtung wünschenswert, um den Verlauf und die Begrenzung der Wege zu erkennen. Gerade außerorts wird das Thema Beleuchtung jedoch durchaus kontrovers diskutiert. Einerseits erhöhen ortsfeste Beleuchtungen im Falle nichtanstehender Medien (zum Beispiel bereits verlegte Stromleitungen entlang der Trasse zur Speisung der ortsfesten Beleuchtung) die Kosten deutlich. Andererseits treten auch Zielkonflikte auf, wenn künstlich beleuchtete Radschnellwege durch umweltsensible Bereiche (zum Beispiel Schutzgebiete) geführt werden sollen. Deshalb sind auch Fragen des Dimmens im Falle der Nichtnutzung oder gegebenenfalls Nachtabschaltung in Erwägung zu ziehen.

Weitere Fragen des Betriebes betreffen eine erforderliche Ausstattung mit IT-Infrastruktur beispielsweise zum Bereitstellen von Online-Informationen zur Streckenführung [TUHH17].
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Einsatz von Radschnellwegen (Stand des Wissens: 24.06.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?499833
Literatur
[BaWü17] Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg (Hrsg.) Qualitätsstandards für Radschnellverbindungen in Baden-Württemberg, 2017/08
[FGSV14a] Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. (Hrsg.) Arbeitspapier Einsatz und Gestaltung von Radschnellverbindungen [FGSV-Nr. 284/1], FGSV Verlag GmbH 50999 Köln Wesselinger Straße 17, 2014, ISBN/ISSN ISBN 978-3-86446-082-1
[Spap15] Spapé, I.,, Breda, CJ.,, Fuchs, C.,, Gerlach, J. Status quo und Erfahrungen mit der Planung und dem Betrieb von Radschnellwegen in den Niederlanden, Dänemark, Großbritannien und Deutschland, veröffentlicht in Themenheft Radschnellwege, Straßenverkehrstechnik 10, Ausgabe/Auflage 59. Jahrgang, Oktober 2015, Kirschbaum Verlag, Bonn, 2015/10
[TUHH17] Metropolregion Hamburg, Alter Steinweg 4, 20459 Hamburg (Hrsg.) Potenzialanalyse für Radschnellwege (Metropolregion Hamburg), 2017/02
[Uhli18] PTV Transport Consult GmbH, Dipl.-Ing. Jörg Uhlig, Dipl.-Ing. Birgit Uhlig, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, TU Dresden, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike, PD Dr.-Ing. habil. Rico Wittwer, Professur für Gestaltung von Straßenverkehrsanlagen, TU Dresden, Prof. Dr.-Ing. Christian Lippold, Dipl.-Ing. Odette Busch Erstellung einer Radschnellwegekonzeption für den Freistaat Sachsen, 2018/10/26
Weiterführende Literatur
[Gwia15] Gwiasda, P., Erler, L. Gestaltung von Radschnellwegen in Deutschland - eine Herausforderung?, veröffentlicht in Themenheft Radschnellwege, Straßenverkehrstechnik 10, Ausgabe/Auflage 59. Jahrgang, Oktober 2015, Kirschbaum Verlag, Bonn, 2015/10

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?499433

Gedruckt am Mittwoch, 23. September 2020 14:39:14