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Identifikation von Korridoren von Radschnellwegen

Erstellt am: 28.05.2019 | Stand des Wissens: 28.05.2019
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Bei den Überlegungen zur Umsetzung von Radschnellverbindungen kommt der sachgerechten Identifikation geeigneter Korridore ein besonderer Stellenwert zu. Dazu werden in der Planungspraxis Potenzialanalysen durchgeführt. Dabei sind in der Regel zunächst räumliche Verkehrsbeziehungen im Idealfall unter Berücksichtigung sämtlicher Verkehrsmittel, die Erreichbarkeit öffentlicher Verkehrsmittel sowie Pendlerverflechtungen Ausgangspunkt für das Auffinden möglicher Korridore. Für die Identifikation von Korridoren sind zunächst noch nicht zwangsläufig konkrete Trassenüberlegungen erforderlich. Trassenüberlegungen und der Vergleich von Trassenalternativen erfolgen häufig in einem zweiten Schritt im Rahmen von Machbarkeitsstudien [Uhli18].

Eine bereits etablierte oder sogar standardisierte Methodik zur Ermittlung von Potenzialen im spezifischen Kontext von Radschnellverbindungen liegt gegenwärtig noch nicht vor. Jedoch gibt es in den verkehrs- und wirtschaftswissenschaftlichen Fachrichtungen verschiedene Ansätze und Verfahren, die bei der Beurteilung von Potenzialen möglicher Radschnellverbindungen übertragen werden können.

Aufgrund der hohen Dynamik des Themas Radverkehr ab etwa 2010 sind in vielen Bundesländern Potenzialanalysen und Machbarkeitsstudien zu Radschnellverbindungen durchgeführt worden. Eine der ersten Potenzialanalysen war die Konzeptstudie "Radschnellweg Ruhr" [Stei11] in Nordrhein-Westfalen, aus deren weiterführenden Überlegungen sich der RS1 als erster Radschnellweg in der Bundesrepublik Deutschland entwickelte. Überlegungen zu Radschnellverbindungen werden strategisch teilweise auf Bundeslandebene angestellt, wie beispielsweise in Baden-Württemberg [Bend18], Rheinland-Pfalz [Gutb14] und Sachsen [Uhli18]. Zum anderen gibt es Überlegungen auf Regions- oder Agglomerationsebene, wie unter anderem in München [PVWM15] und Hamburg [TUHH17], bis hin zu innerstädtischen Analysen wie für Berlin [Sena18] oder Rostock [PTV16].

Das Ergebnis von Potenzialanalysen sind üblicherweise Korridore, im innerstädtischen Bereich teilweise jedoch auch schon Trassenkorridore, die dann in einem weiteren Schritt in Machbarkeitsstudien auf Realisierbarkeit geprüft werden. Trassenkorridore sind hierbei bereits deutlich an das vorhandene Straßennetz angelehnt wohingegen Korridore zunächst erst einmal abstrakte Einzugsbereiche darstellen. Dies erfolgt in der Regel in der Form, dass mögliche Trassenverläufe zunächst identifiziert und anschließend vergleichend beurteilt werden. In der Phase von Machbarkeitsstudien werden üblicherweise überschlägige Kostenschätzungen vorgenommen. Hierzu wird zum überwiegenden Teil auf bewährte Verfahren wie Kosten-Nutzen-Analysen zurückgegriffen (siehe dazu auch die Wissenslandkarte "Verkehrsprognosen" hier im Forschungs-Informations-System).
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Einsatz von Radschnellwegen (Stand des Wissens: 24.06.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?499833
Literatur
[Bend18] Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg (Hrsg.) Potenzialanalyse für Radschnellverbindungen in Baden-Württemberg, 2018/03/09
[Gutb14] Grontmij GmbH, Koblenz (Hrsg.) Potenzialbetrachtung Radschnellverbindungen in Rheinland-Pfalz, 2014/03
[PTV16] PTV Planung Transport Verkehr AG (Hrsg.) Hansestadt Rostock, Potenzialanalyse für das geplante Radschnellwegkonzept, 2016/08/31
[PVWM15] Planungsverband Äußerer Wirtschaftsraum München (Hrsg.) Radschnellverbindungen in München und Umland, 2015/05
[Sena18] Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz Berlin (Hrsg.) Radschnellverbindungen im Berliner Stadtgebiet - Endbericht - Potenzialanalyse, 2018/03
[Stei11] Planersocietät - Stadtplanung, Verkehrsplanung, Kommunikation (Hrsg.) Konzeptstudie Radschnellweg Ruhr, 2011/12
[TUHH17] Metropolregion Hamburg, Alter Steinweg 4, 20459 Hamburg (Hrsg.) Potenzialanalyse für Radschnellwege (Metropolregion Hamburg), 2017/02
[Uhli18] PTV Transport Consult GmbH, Dipl.-Ing. Jörg Uhlig, Dipl.-Ing. Birgit Uhlig, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, TU Dresden, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike, PD Dr.-Ing. habil. Rico Wittwer, Professur für Gestaltung von Straßenverkehrsanlagen, TU Dresden, Prof. Dr.-Ing. Christian Lippold, Dipl.-Ing. Odette Busch Erstellung einer Radschnellwegekonzeption für den Freistaat Sachsen, 2018/10/26
Weiterführende Literatur
[Sena18c] Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz Berlin (Hrsg.) Radschnellverbindungen im Berliner Stadtgebiet Endbericht, Anhang, 2018/02

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?499195

Gedruckt am Donnerstag, 24. September 2020 07:16:56