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Verkehrlicher Bedarf nach Radschnellwegen

Erstellt am: 25.05.2019 | Stand des Wissens: 25.05.2019
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Radschnellverbindungen sind in Deutschland ein neues Infrastrukturelement, für das Praxiserfahrungen bislang nur in sehr eingeschränktem Maße vorliegen.

Radschnellverbindungen sind mittlerweile eine Art Hoffnungsträger für die Verkehrs- und Umweltpolitik geworden. Aufgrund der Tatsache, dass sich höhere Reisegeschwindigkeiten auch auf größeren Distanzen realisieren lassen, sind derartige Infrastrukturen auch besonders interessant und relevant für zukunftsweisende Verkehrsmittel mit Elektroantrieb (vor allem E-Bikes und Pedelecs), allerdings auch nicht ausschließlich. Weiterhin bieten Radschnellwege auch einen höheren Fahrkomfort, sollen besonders sicher sein und sind in ihrer Anlage ein sehr netzwirksames Element. Durch die zusätzliche Vernetzung mit dem Schienenpersonennahverkehr lassen sich selbst regionale Radverkehre auf längeren Distanzen als Alternative zum motorisierten Individualverkehr etablieren. Da dieses Infrastrukturelement als Premiumprodukt in der öffentlichen Wahrnehmung noch vergleichsweise unbekannt ist, benötigt es in besonderem Maße eine aktive Begleitung im Realisierungsprozess durch Öffentlichkeitsarbeit [RVSO18].

Die Diskussionen von verschiedenen Akteuren (Politik, Planung, Interessenvertretungen, Medien) zu Radschnellverbindungen zeigen, dass für die kostenintensive und baulich aufwändige Einrichtung von Radschnellwegen eine sich an der Nachfrage orientierende Planung vorgeschlagen wird. Dazu werden spezifische verkehrliche und technische Anforderungen formuliert.

Die Fahrradflotte wächst in Deutschland kontinuierlich. Mittlerweile gibt es etwa 75 Millionen funktionstüchtige Fahrräder, wovon mehr als vier Millionen bereits über eine elektrische Unterstützung verfügen. Aktuelle Erhebungen für Deutschland zeigen, dass bereits in acht Prozent aller Haushalte ein Elektrofahrrad verfügbar ist [Foll19] und davon auszugehen ist, dass die Flotte weiterhin wächst.

Personenbezogen besitzt demnach ein Großteil der deutschen Bevölkerung, etwa vier von fünf Deutschen (Grundgesamtheit der Befragung waren deutschsprachige Haushalte), ein konventionelles oder mittlerweile eben sogar ein elektrounterstütztes Fahrrad. Damit sind auch Großteile der Bevölkerung potenziell Radfahrende. Immer mehr Menschen erkennen die Vorteile des Fahrrads (Gesundheit, Umwelt, Kosten) und zunehmend wird offensichtlich auch die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Verkehrsmitteln wahrgenommen [VCD15].

Diese Entwicklung auf Seite der Verkehrsmittel können Radschnellverbindungen auf Seite der Infrastruktur in besonderem Maße unterstützen. Die Notwendigkeit, sicher, konfliktarm, komfortabel, schnell und bequem auch über längere Distanzen Rad zu fahren ergibt sich insbesondere auch aus der hohen Verkehrsnachfrage wiederkehrender und regelmäßiger Nutzungszwecke im Alltagsverkehr, vor allem dem berufs- und ausbildungsbedingten Pendeln.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Einsatz von Radschnellwegen (Stand des Wissens: 24.06.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?499833
Literatur
[Foll19] Follmer, R.,, Gruschwitz, D Mobilität in Deutschland (MiD Kurzreport) Verkehrsaufkommen - Struktur - Trends, Ausgabe/Auflage Ausgabe Februar 2019, 2019/09
[RVSO18] Regionalverband Südlicher Oberrhein (Hrsg.) Radschnellwege Südlicher Oberrhein , 2018/08
[VCD15] Karlsruher Institut für Technologie, Verkehrsclub Deutschland (VCD) e. V., Ministerium für Verkehr Baden-Württemberg, VCD-Landesverband Baden-Württemberg (Hrsg.) Mehrwert von Radschnellverbindungen, Ausgabe/Auflage Faktenblatt RSV-03, 2015
Glossar
Motorisierter Individualverkehr Als motorisierter Individualverkehr (MIV) wird die Nutzung von Pkw und Krafträdern im Personenverkehr bezeichnet. Der MIV, als eine Art des Individualverkehrs (IV), eignet sich besonders für größere Distanzen und alle Arten von Quelle-Ziel-Beziehungen, da dieser zeitlich als auch räumlich eine hohe Verfügbarkeit aufweist. Verkehrsmittel des MIV werden von einer einzelnen Person oder einem beschränkten Personenkreis eingesetzt. Der Nutzer ist bezüglich der Bestimmung von Fahrweg, Ziel und Zeit frei (örtliche, zeitliche Ungebundenheit des MIV).
Schienenpersonennahverkehr
Gemäß Regionalisierungsgesetz (RegG) § 2 handelt es sich bei einer auf der Schiene erbrachten Beförderungsdienstleistung um ein Angebot des Nahverkehrs, "wenn in der Mehrzahl der Beförderungsfälle [...] die gesamte Reiseweite 50 Kilometer oder die gesamte Reisezeit eine Stunde nicht übersteigt" [RegG, § 2]. Zur Erfüllung der Daseinsvorsorge wird der Schienenpersonennahverkehr (SPNV) von den Ländern bestellt und unterstützt. Der SPNV ist eine Sonderform des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Der ÖPNV ist juristisch im Personenbeförderungsgesetz (PBefG) definiert, der SPNV zusätzlich noch im Allgemeinen Eisenbahngesetz (AEG).

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?499056

Gedruckt am Dienstag, 20. Oktober 2020 19:01:21