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Alternative Bedienformen und umgesetzte Anwendungsbeispiele

Erstellt am: 11.03.2019 | Stand des Wissens: 20.12.2019
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TU Dresden, Professur für Kommunikationswirtschaft, Prof. Dr. Ulrike Stopka

Die Hälfte aller Bürgerbusvereine ist in Nordrhein-Westfalen zu finden, aber auch im Gebiet der neuen Bundesländer etabliert sich das Konzept zunehmend. So auch in der Gemeinde Arzberg, wo der Bürgerbus seit Februar 2017 zur Ergänzung des ÖPNV bei Anruf von Haustür zu Haustür fährt. Förderer des Projekts ist der Landkreis Nordsachsen, der auch den Minibus finanzierte. [Jans17] Ebenso fahren ehrenamtliche Fahrer Bewohner ihrer Gemeinde beispielsweise in dem Bürgerbus Neukirch e.V. oder dem ULiBus, dem Bürgerbus der Stadt Uhingen.
Dass das Konzept Carsharing auch im ländlichen Raum funktioniert, kann mit Blick in den Bayrischen Wald auf das Unternehmen E-Wald festgestellt werden. Zudem setzt das Unternehmen bezüglich des Fuhrparks gänzlich auf Elektroautos. Gemeinsam mit Energieversorgern generiert das Unternehmen eine lokale Wertschöpfungskette für nachhaltigen Strom. Ziel ist es, Kohlendioxid neutrale Mobilität mittels Elektro-Carsharing zu ermöglichen. [EWALD17] Ein weiteres Konzept weist die Gemeinde Rödelsee vor. Hier kann ein Gemeindebus für Ausflüge, Einkäufe und Urlaube nach Anmeldung geliehen werden. [AhHe12, S. 33] Darüber hinaus wird das Gemeindebus-Sharing auch für regelmäßige Fahrten zum Arzt und Friedhof genutzt. [AhHe12, S. 33).]
In der Gemeinde Wiesloch hat sich ein Zusteige-Mitnahme-System etabliert, dessen Mitfahrerzentrale aus 800 registrierten Autofahrern und 200 Mitfahrern innerhalb von zwei Jahren besteht. Zudem ist eine weitere Kooperation mit flinc geplant. [AhHe12, S. 34.]
Mitnahme durch Fahrdienste, wie der KombiBus aus der Uckermark, verbindet Post- und Paketdienstleistungen mit dem traditionellen Personenlinienverkehr. [KÜPP11, S. 164] Der KombiBus wirbt mit taggleicher Zustellung, unkomplizierter Abwicklung und einem weit verzweigtem Transportnetz mit dem Ziel, Ressourcen und Kapazitäten in dünn besiedelten Räumen zu binden. [Uck12]
Praktische Beispiele für mobile Dienstleistungen sind der rollende Supermarkt in Rische, der zwei Mal wöchentlich mit Waren des täglichen Bedarfs die Grundversorgung deckt, oder die mobile Bank in Euskirchen, die in einem umgebauten Lastkraftwagen Bankdienstleistungen vor Ort vornimmt. Im Elbe-Elster Kreis bietet eine Fahrbibliothek mit einem festen Fahrplan einmal im Monat eine mobile Bibliothek an. [AhHe12, S. 28 ff.]
Im Tante Emma Bus des DRK Kreisverbands Heinsberg können Bürger auf dem Land sich mit Produkten des täglichen Bedarfs versorgen. Ähnlich funktioniert auch der rollende Supermarkt im Landkreis Erding, der frische Lebensmittel zu den Bürgern raus aufs Land bringt.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Kommunikationswirtschaft, Prof. Dr. Ulrike Stopka
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Sicherstellung der öffentlichen Mobilität im ländlichen Raum (Stand des Wissens: 20.12.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?507678
Literatur
[AhHe12] Ahrend, Christine, Herget, Melanie Umwelt- und familienfreundliche Mobilität im ländlichen Raum
Handbuch für nachhaltige Regionalentwicklung , 2012
[EWALD17] E-WALD GmbH (Hrsg.) E-WALD - eCarsharing, 2017/09
[Jans17] Dr. Holger Jansen Bürgerbus Arzberg, 2017/02/21
[KÜPP11] Küpper, Patrick Auf dem Weg zu einem Grundangebot von
Mobilität in ländlichen Räumen: Probleme, Ursachen und Handlungsoptionen, veröffentlicht in Schneller, öfter, weiter? Perspektiven der Raumentwicklung in der Mobilitätsgesellschaft, Verlag der ARL, Hannover, 2011, Online-Referenz http://hdl.handle.net/10419/60213, ISBN/ISSN 978-3-88838-371-7
[Uck12] Uckermärkische Verkehrsgesellschaft mbH (Hrsg.) Meine Fracht auf der Erfolgsspur mit dem UVG KombiBus, 2012
Glossar
Carsharing
Der Begriff CarSharing stammt aus dem Englischen (car= Auto, to share= teilen) und kann sinngemäß mit der Bedeutung "Auto teilen" übersetzt werden. Er beschreibt die organisierte, gemeinschaftliche Nutzung von Kraftfahrzeugen, die meist von Unternehmen gegen Gebühr bereitgestellt werden.
Durch einen Rahmenvertrag oder eine Vereinsmitgliedschaft erhalten Kunden flexiblen Zugriff auf alle Kfz eines Anbieters. Die Fahrzeuge können über eine Webseite oder über eine Smartphone-App gebucht werden. Geöffnet werden sie in der Regel mit Hilfe von Chipkarten oder durch ein Zugangscode vermittelt über die Smartphone-App.
Bei dem System des stationsbasierten CarSharing stehen die Fahrzeuge auf reservierten Stellplätzen und werden nach der Nutzung auch wieder dorthin zurückgebracht. Ein anderes Modell ist das free-floating CarSharing. Hier stehen die Fahrzeuge in einem definierten Operationsgebiert verteilt. Sie können per Smartphone geortet werden und nach der Nutzung auf einem beliebigen Stellplatz innerhalb des Operationsgebiets zurückgegeben werden.
Bürgerbus
Ein Bürgerbus kann vor allem im ländlichen Raum die Beförderung der Fahrgäste übernehmen. Dabei stellt ein Verein das Fahrzeug und die ehrenamtlich tätigen Fahrer.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?495917

Gedruckt am Sonntag, 31. Mai 2020 15:45:41