Forschungsinformationssystem des BMVI

zurück Zur Startseite FIS

Betriebliche Maßnahmen zur Erweiterung und Optimierung der Luftverkehrskapazität

Erstellt am: 04.12.2018 | Stand des Wissens: 04.12.2018
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Kapazitätserweiterungen können neben flugzeugtechnischen Maßnahmen auch durch betriebliche Maßnahmen sowohl durch veränderte Konzepte innerhalb der Flugsicherung als auch durch Umbau der Infrastruktur erzielt werden.

Kapazitätserweiterungen mit Potenzial innerhalb der Flugsicherung betrifft den Aufgabenbereich des Flugverkehrskontrolldienstes. Diese werden durch bodenseitige Konzepte und Systeme wie beispielsweise PRM (Precision Runway Monitoring), optimierten Bedingungen am Lotsenarbeitsplatz in Form von verbesserten Informationsdarstellungen, computergestützten Werkzeugen und durch Einführung einer mittelfristigen Verkehrsflussplanung angestrebt [LeCha02].

Die Vorteile verbesserter Informationsdarstellungen liegen in der Senkung der psychischen Belastung der Fluglotsen und folglich der Schaffung von Kapazitäten. Auf den Radardisplays werden zusätzliche Informationen dargestellt wie die Anzeige des Luftfahrzeug-Status und die Extended Labels (zusätzliche Darstellung von Plandaten neben Standard-Informationen). [TUB01] Der Radarschirm besitzt drei weitere Eigenschaften, die der Data Link-Kommunikation zwischen dem Piloten, den Lotsen der Nachbarsektoren und dem Multi Sektor Planer dienen:
  • Kontaktieren der Luftfahrzeuge und Lotsen der Nachbarsektoren
  • Kontaktieren des Multi Sektor Planers
  • Anweisungen der ATC an Luftfahrzeuge über Data Link
Zu den beschränkenden Faktoren im Luftverkehr zählt nicht nur die Flughafen- und Streckenkapazität, sondern insbesondere der untere Luftraum an Flughäfen. Durch ein Anflug-/Abflug-Koordinationssystem lassen sich Flugzeuge im Wechsel vom Strecken- zum Landeanflug optimal staffeln.
Das zentrale Element des neuen ATM-Konzeptes (Air Traffic Management) ist ein Multi-Sektor-Planer, dessen Funktion die Optimierung des Verkehrsflusses über bestehende Sektorgrenzen hinweg umfasst. Mit reduzierten Vertikalstaffelungen ist ein Kapazitätsgewinn im oberen Luftraum verbunden.
Die Flughafenkapazität lässt sich neben Konzepten der Flugsicherung in erster Linie durch den Bau von Start- und Landebahn, Schnellabrollwegen, Abfertigungspositionen, Passagierwarteräumen, Check-In-Schaltern und Frachtabfertigungsanlagen erweitern. Jedoch ist der Ausbau des Rollbahnsystems durch Verlängerung oder Neubau, sowie Ausbau des Vorfeldes auf den meisten Flughäfen durch bauliche Beschränkungen und Umweltauflagen in Europa insbesondere in Deutschland ausgeschöpft.

Die oben genannten kapazitätserweiternden Maßnahmen lassen sich beispielsweise, am Frankfurter Flughafen belegen. So konnte zunächst im Jahr 2011 die Kapazität des Flughafens durch die Eröffnung einer neuen Landebahn am 21.Oktober erweitert werden [Frap18]. Am 5. Oktober 2005 konnte nach langjähriger Planung (Beginn 1997) mit dem Bau eines dritten Terminals begonnen werden. Dieses soll 14 Millionen Reisende aufnehmen können, die an insgesamt 24 Gates, verteilt auf 2 Flugsteige mit jeweils 1000 Meter Länge, abfliegen sollen. Mit einer voraussichtlichen Inbetriebnahme 2023, ist jedoch eine weitere kurzfristigere kapazitätserweiternde Maßnahme notwendig, da bereits 2021 die Kapazität der Terminals 1 und 2 überschritten sein wird. Im Frühjahr 2019 wird daher begonnen, den Flugsteig G zu bauen (an sich 3. Flugsteig des Terminal 3). Dieser soll zum Sommerflugplan 2021 in Betrieb gehen und zunächst 4-5 Millionen Passagiere aufnehmen, welche an 9 Gates abfliegen [Frap18a].
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Kapazitätsengpässe im Luftverkehr (Stand des Wissens: 04.12.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?42946
Literatur
[Frap18] Fraport AG - Frankfurt Airport Services Worldwide (Hrsg.) Flughafenausbau [Frankfurt - Landebahn Nordwest], 2018
[Frap18a] Fraport AG - Frankfurt Airport Services Worldwide (Hrsg.) [Flughafen Frankfurt -] Terminal 3, 2018
[LeCha02] Chad E. Leqve (Manager - MAC Aviation Noise and Satellite Programs) Precision Runway Monitoring (PRM), 2002/11
[TUB01] k.A. Mensch-Maschine-Interaktion in kooperativen Systemen der Flugsicherung und Flugführung, 2001/06
Weiterführende Literatur
[ECTR00b] k. A. Airport Operations Strategy Volume 1, Eurocontrol, Brüssel, Belgien, 2000/07/31
[ECTR01g] k. A. Airport Operations Strategy Volume 2, Eurocontrol. Brüssel, Belgien, 2001/09/10
[HenO03] Borys, Bernd-Burkhard, Gudehus, Thomas C., Hengstenberg, Oliver Kooperativer Flughafenbetrieb, Ausgabe/Auflage IMAT-Bericht MMS-20, University Press GmbH / Kassel, 2003, ISBN/ISSN 3-89958-026-5
Glossar
Luftverkehrskapazität Kapazität im Luftverkehr bezeichnet generell ein Maximum an Bewegungen (FZ, Pax) oder Nutzlast, was innerhalb eines angegebenen Zeitintervalls und festgelegter Qualität transportiert werden kann. (Falls anderweitig nicht erwähnt, wird die Kapazität in Zusammenhang mit FZ-Bewegungen als Standardwert verwendet. Die Kapazitätseinheit ist dann die Anzahl von FZ pro Zeitintervall.)
Flughafenkapazität Dieser Begriff bezeichnet die maximale Zahl von Ereignissen auf einem Flughafen, die sicher und mit zumutbarer Beanspruchung des Personals erreicht werden kann. Diese Ereignisse können Starts, Landungen, Flugzeugbewegungen, abgefertigte Passagiere oder ggf. die Anzahl verfügbarer Standplätze für Flugzeuge auf dem Flughafen umfassen, dessen geringster Wert für die Flughafenkapazität ausschlaggebend ist.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?493108

Gedruckt am Montag, 26. August 2019 00:33:19