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Akteurslandschaft der Sektorkopplung

Erstellt am: 19.10.2018 | Stand des Wissens: 19.10.2018
Ansprechpartner
Technische Universität Berlin, Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) - Prof. Dr. v. Hirschhausen, Prof. Dr. Beckers

Entsprechend dem breiten und tiefgreifenden Einfluss der Energiewende auf Wirtschaft und Gesellschaft ist die für die Sektorkopplung relevante Akteurslandschaft ausgesprochen vielschichtig und in ihren Zielsetzungen divers. Sie kann hier nur durch eine Einordnung wichtiger Gruppen von Stakeholdern anhand beispielhafter Institutionen beschrieben werden. Dem Trialog Sektorkopplung von der Stromwende zur Energiewende der Humboldt-Viadrina Governance Platform vom 11. Juli 2016 folgend, der eine Vielzahl wichtiger Akteure zum Austausch zusammenbrachte, lassen sich Stakeholder in vier wesentlichen Bereichen identifizieren:
  • Politik
  • Wissenschaft
  • Wirtschaft
  • Zivilgesellschaft
Abbildung 1 verdeutlicht, daß diese Einordnung nicht überschneidungsfrei ist.
Trialog_Akteurslandschaft_klein.pngAbb. 1: Akteurslandschaft zur Sektorkopplung (Quelle: STH16)
Institutionen der Bundes- und Landespolitik nehmen bei der Sektorkopplung eine Schlüsselstellung ein. Ministerien wie das Bundesministerum für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), das Bundesministerum für Wirtschaft und Energie (BMWi) und das Bundesministerum für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) einschließlich ihrer nachgeordneten Behörden wie Umweltbundesamt (UBA) und Bundesnetzagentur (BNetzA) sind verantwortlich für Gesetzesvorhaben, Regulierungs- und Umsetzungsfragen. Bislang fallen die Sektoren Strom, Wärme, Industrie und Verkehr zumeist unter verschiedene gesetzliche Regelungen, und die instiutionellen Zuständigkeiten sind auf unterschiedliche Akteure verteilt, vgl. etwa [Wiet18, S. 19]. Das erschwert die Schaffung eines adäquaten Regulierungsrahmens.
Über ihre Regulierungskompetenzen hinaus sind die Ministerien wichtige Auftraggeber für wissenschaftliche Forschung zur Sektorkopplung durch Dritte; die ihnen nachgeordneten Behörden beauftragen ebenfalls Forschungsvorhaben zum Thema und betreiben selbst Ressortforschung. Beispielhaft sei auf die Studien [ISI17] und  [ISI17a] im Auftrag des BMWi, [ISI17b] für das BMVI und [UBA14d] verwiesen.
Wissenschaftliche Institutionen und gelegentlich auch Einzelpersonen wie [Quas16] stehen vor der Aufgabe, denkbare Wege zu einem verkoppelten System für andere Stakeholder aufzuzeigen. Zur Sektorkopplung forschen öffentlich-rechtliche Körperschaften, z.B. Universitätsinstitute, eingetragene Vereine wie die verschiedenen Zweige der Fraunhofer Gesellschaft e.V., gemeinnützige GmbHs wie Agora Energiewende und Agora Verkehrswende und rein privatwirtschaftliche Organisationen wie die Prognos AG, Frontier Economics oder die enervis GmbH. Kennzeichnend für umfangreichere Untersuchungen zur Sektorkopplung sind Kooperationen zwischen verschiedenen Forschungsinstitutionen, um die relevanten Fragestellungen in aller thematischen Breite und Tiefe abzudecken.
Auch die Wirtschaft hat ein vitales Interesse am Thema der Sektorkopplung. Ohne die Unternehmen aus den Sektoren Energie, (z.B. Energieerzeuger und -versorger, Netzbetreiber, Hersteller von Windturbinen und Solarpanels), Wärme (etwa Immobiliengesellschaften und Stadtwerke), Mobilität (beispielsweise aus der Automobilindustrie) und Chemie ist das angestrebte Ziel einer engeren Verkopplung dieser Sektoren nicht umzusetzen. Als Interessenvertretung der Unternehmen fungieren oft Verbände wie der Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHK), der Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI) sowie zahlreiche kleinere Verbände wie der Bundesverband Kraft-Wärme-Kopplung e.V. (B.KWK), der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. (BDEW) und der Mineralölwirtschaftsverband e.V. (MWV). Diese Interessenvertretungen geben auch einschlägige Forschungsarbeiten in Auftrag, wie der BDI die Studie  [BCPr18] und der MWV als einer der Mittelgeber für die Untersuchung [PrUD18].
Die gesamtgesellschaftliche Akzeptanz spielt eine zentrale Rolle für das Gelingen einer verstärkten Sektorkopplung. Konkret wird das z.B. in der umfangreichen Beteiligung der Öffentlichkeit an den Ausbauplanungen der Bundesnetzagentur für Energienetze. Zu den relevanten Akteuren aus der organisierten Zivilgesellschaft zählen auch Verbraucherzentralen, Gewerkschaften, Stiftungen mit einschlägigen Zielsetzungen wie die Mercator-Stiftung, Vereine wie das Forum für Ökologische Marktwirtschaft e.V. und Umweltschutzorganisationen wie der BUND und der NABU. Nur unter Mitwirkung derartiger Organisationen kann die Ausgestaltung der Sektorkopplung dem Anspruch gerecht werden, Rücksicht auf wesentliche Interessenlagen der Bevölkerung zu nehmen.
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Technische Universität Berlin, Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) - Prof. Dr. v. Hirschhausen, Prof. Dr. Beckers
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Ökonomische Herausforderungen der Sektorkopplung (Stand des Wissens: 06.10.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?490049
Literatur
[BCPr18] BCG - The Boston Consulting Group, Prognos, , Studie im Auftrag des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI). (Hrsg.) Klimapfade für Deutschland, 2018/09/24
[ISI17] Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung, Prof. Dr. M. Wietschel , Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH, Technische Universität Wien, Consentec GmbH, M-Five, TEP Energy GmbH (Hrsg.) Langfristszenarien für die Transformation des Energiesystems in Deutschland. Modul 0: Zentrale Ergebnisse und Schlussfolgerungen, 2017/09
[ISI17a] Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung, Prof. Dr. M. Wietschel , Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH, Technische Universität Wien, Consentec GmbH, M-Five, TEP Energy GmbH (Hrsg.) Langfristszenarien für die Transformation des Energiesystems in Deutschland. Modul 10.a: Reduktion der Treibhausgasemissionen Deutschlands um 95% bis 2050., 2017/05
[ISI17b] Fraunhofer Institut Materialfluss und Logistik (IML), Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung, Prof. Dr. M. Wietschel , PTV Planung Transport Verkehr AG, TU Hamburg-Harburg - IUE, M-Five (Hrsg.) Machbarkeitsstudie zur Ermittlung der Potentiale des Hybrid-Oberleitungs-Lkw. Studie im Rahmen der wissenschaftlichen Beratung des BMVI zur Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie der Bundesregierung, 2017/02
[PrUD18] Prognos AG, UMSICHT - Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik , DBFZ- Deutsches Biomasseforschungszentrum (Hrsg.) Status und Perspektiven flüssiger Energieträger in der Energiewende, 2018/05
[Quas16] Quaschning, Volker Sektorkopplung durch die Energiewende: Anforderungen an den Ausbau erneuerbarer Energien zum Erreichen der Pariser Klimaschutzziele unter Berücksichtigung der Sektorkopplung, 2016/06/20
[STH16] Schwan, Gesine, Treichel, Katja, Höh, Anne Sektorkopplung - von der Stromwende zur Energiewende, 2016/07/11
[UBA14d] Umweltbundesamt (Hrsg.) Treibhausgasneutrales Deutschland im Jahr 2050, 2014/04
[Wiet18] Wietschel, M., Plötz, P. , Pfluger, B. , Klobasa, M. , Eßer, A. , Haendel, M., Müller-Kirchenbauer, J., Kochems, J., Hermann, L., Grosse, B., Nacken, L. / , Küster, M., Pacem, J., Naumann, D., Kost, C., Kohrs, R., Fahl, U., Schäfer-Stradowsky, S., Timmermann, D., Albert, D. Sektorkopplung - Definition, Chancen und Herausforderungen, 2018
Glossar
Stakeholder Stakeholders sind alle internen und externen Personengruppen, die von den unternehmerischen Tätigkeiten gegenwärtig oder in Zukunft direkt oder indirekt betroffen sind. Gemäß Stakeholder-Ansatz wird ihnen - zusätzlich zu den Eigentümern (Shareholders) - das Recht zugesprochen, ihre Interessen gegenüber der Unternehmung geltend zu machen. Eine erfolgreiche Unternehmungsführung muss die Interessen aller Anspruchsgruppen bei ihren Entscheidungen berücksichtigen.
BMVI Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (bis 10/2005 auch BMVBW und bis 12/2013 BMVBS)
BMUB Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (bis 2013 Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, BMU)
BMWi Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie erarbeitet Rahmenbedingungen zur Stärkung der Robustheit und Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland.
UBA Umweltbundesamt

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?490407

Gedruckt am Montag, 20. Mai 2019 00:43:34