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Umsetzung des betrieblichen Mobilitätsmanagements

Erstellt am: 29.08.2018 | Stand des Wissens: 29.08.2018
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Für die Umsetzung des Betrieblichen Mobilitätsmanagements (BMM) gibt es heute bereits zahlreiche Beispiele. Als besonders förderlich für den Erfolg des BMM hat es sich erwiesen, wenn betriebsinterne Mobilitätskoordinatoren externe Unterstützung erhalten. So entwickeln zum Beispiel in den Niederlanden spezialisierte Büros in Zusammenarbeit mit den Betriebsräten, den Geschäftsführungen, den Verkehrsunternehmen, den Stadtverwaltungen und Mobilitätsberatern einen Handlungsleitfaden (Mobilitätsplan) für die Reduzierung des firmenbezogenen Verkehrs (vgl. [FiWi99], S. 34). Im Zusammenhang mit dem MOSAIC-Projekt (vgl. [MOSA99]) ist es in der Stadt Nottingham gelungen, ein regionales Gremium zu installieren, in dem Betriebe gemeinsam konkrete Maßnahmen erarbeiten. Im Rahmen des Projekts "Stadtentwicklung und Stadtverkehr: Schwerpunkt "Mobilitätskonzepte/Mobilitätsmanagement" wurde in Dresden ein ähnliches Vorgehen erprobt (vgl. [PGN03]).

Die Stadt München hat, nach erfolgreicher Durchführung eines Pilotförderprogramms "Betriebliches Mobilitätsmanagement für Münchener Unternehmen" 2001 bis 2003, ein Förderprogramm beschlossen, welches Unternehmen von 50 Prozent der Kosten für eine Mobilitätsberatung freistellt. Von vornherein werden bei jedem Teilnehmer individuelle Schwerpunkte festgelegt. Zudem wird das Programm durch eine Workshop-Reihe begleitet, die den Erfahrungsaustausch zwischen den Unternehmen fördern soll. Für ehemalige Teilnehmer des Förderprogramms wurde im Jahr 2008 ein BMM-Klub gegründet. Mit zwei kostenlosen Workshops im Jahr wird versucht, Kontakt zu den Unternehmen zu halten, sie für das Thema BMM weiter zu interessieren, neue Entwicklungen in diesem Bereich aufzuzeigen sowie Effekte des BMM besser verfolgen und dokumentieren zu können (vgl. [HöMü12], S. 75). Im Jahr 2013 haben neun Firmen am Förderprogramm teilgenommen. Die Unternehmen mit insgesamt 7.100 Beschäftigten haben verschiedene Maßnahmen des BMM umgesetzt und im Ergebnis sparen sie gemeinsam pro Jahr ca. 214 Tonnen CO2 und 105.200 Liter Treibstoff. Als wichtigste Erfolgsfaktoren werden nach [LHMUC13] von den teilnehmenden Unternehmen vor allem die Unterstützung durch die Geschäftsleitung, die Einbindung relevanter Akteure und die Mitarbeiterinformation/Öffentlichkeitsarbeit genannt.

Ein weiterer überbetrieblicher Ansatz mit wachsender Teilnehmerzahl ist die Initiative "Mit dem Rad zur Arbeit" vom Allgemeinen Deutschen FahrradClub (ADFC) und den Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK). Die Aktion ermutigt Pendler über die Sommermonate regelmäßig mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren. In einem Online-Tool trägt jeder Teilnehmer seine Radfahrtage ein. Zwischen April und September muss an mindestens 20 Tagen geradelt werden. Anschließend werden attraktive Preise verlost. "Um Mitarbeiter für die Nutzung von Fahrrädern auf ihren täglichen Arbeitswegen zu motivieren," hat das Unternehmen Sympatex, das Hightech-Funktionsmaterialien in Unterföhring bei München produziert, im Jahr 2015 an der AOKAktion teilgenommen. "Bei Sympatex stieß der Wettbewerb auf großes Interesse. Der Anteil der Radfahrer hat sich in den Sommermonaten verdoppelt" (vgl. [DIHK16], S. 13).
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Literatur
[DIHK16] DIHK Service GmbH (Hrsg.) Praxisleitfaden Betriebliches Mobilitätsmanagement, 2016
[FiWi99] Finke, Timo, Dipl.-Ing., Witte, Andreas, Dr. Mobilitätsmanagement - Konzepte und Erfahrungen im Rahmen des europäischen Forschungsprojektes MOSAIC, veröffentlicht in Stadt Region Land - Heft 67 , Institut für Stadtbauwesen und Stadtverkehr / Aachen, 1999, ISBN/ISSN 3-88354-128-1
[HöMü12] Roland Hösl, Ulfried Müller Betriebliches Mobilitätsmanagement der Landeshauptstadt München, veröffentlicht in Klimaschutz und Unternehmen. Praktische Ansätze der Kommunen zur Förderung nachhaltigen Wirtschaftens, 2012
[LHMUC13] Roland Hösl Betriebliches Mobilitätsmanagement München 2013, 2013
[MOSA99] Institut für Stadtbauwesen und Stadtverkehr, RWTH Aachen MOSAIC - MObility Strategy Applications In the Community, Ausgabe/Auflage 1, 1999, ISBN/ISSN ISBN 92-828-7721-3
[PGN03] Planungsgruppe Nord GbR (Hrsg.) Neue Wege in der Mobilität für Unternehmen
Chancen für Stadtverkehr und Stadtentwicklung durch Kooperationen zwischen Betrieben,Verkehrsunternehmen und öffentlicher Verwaltung in Dresden, 2003
Glossar
ADFC Der ADFC ist ein bundesweiter, gemeinnütziger Verein, der die Interessen von Alltags- und Freizeitfahrern vertritt. Arbeitsschwerpunkte liegen unter anderem in der Verkehrsplanung, der Verkehrspolitik, dem Tourismus, dem Umweltschutz, der Technik/Sicherheit, dem Fahrraddiebstahlschutz sowie der Fahrradmitnahme in Öffentlichen Verkehrsmitteln. Dabei überprüft der ADFC beispielsweise auch die Qualität von Produkten der Fahrradindustrie und fördert den Radverkehr durch Zusammenarbeit mit Institutionen, Vereinen sowie Organisationen, die sich für mehr Sicherheit und Umweltschutz im Straßenverkehr einsetzen. Des Weiteren bietet der ADFC vor Ort Dienstleistungen wie Radtouren, Technikkurse, Kaufberatung als auch Verkehrsaktionen an.
CO
= Kohlenstoffmonoxid. CO ist eine chemische Verbindung aus Kohlenstoff und Sauerstoff und gehört damit neben Kohlenstoffdioxid zur Gruppe der Kohlenstoffoxide. Es ist ein farb-, geruch- und geschmackloses Gas. Kohlenstoffmonoxid beeinträchtigt die Sauerstoffaufnahme von Menschen und Tieren. Schon kleine Mengen dieses Atemgiftes haben Auswirkungen auf das Zentralnervensystem.
Es entsteht bei der unvollständigen Oxidation von kohlenstoffhaltigen Substanzen. Dies erfolgt zum Beispiel beim Verbrennen dieser Stoffe, wenn nicht genügend Sauerstoff zur Verfügung steht oder die Verbrennung bei hohen Temperaturen stattfindet. Kohlenstoffmonoxid selbst ist brennbar und verbrennt mit Sauerstoff zu Kohlenstoffdioxid. Hauptquelle für die CO-Belastung der Luft ist der Kfz-Verkehr.
Mobilitätsplan
Der Mobilitätsplan ist das Planungsinstrument für die Einführung von Mobilitätsmanagement an bestimmten Standorten (zum Beispiel in Betrieben, Verwaltungen, Schulen). Manchmal wird er auch Betriebsverkehrsplan genannt.
Im Mobilitätsplan werden im Sinne eines Businessplanes Zeithorizonte, Zielsetzungen, Verantwortlichkeiten (betriebsintern und extern) und Ablauf der Umsetzung festgesetzt. 
Ziel ist die Umsetzung eines maßgeschneiderten Mobilitätskonzeptes für den Standort. Dazu bedarf es nicht notwendigerweise umfangreicher Pläne, sondern viel mehr eines strukturierten Herangehens. Der Mobilitätsplan schafft Transparenz für alle Beteiligten und hat eine koordinierende Funktion.
In abgeänderter Form kann ein Mobilitätsplan auch für ein ganzes Quartier oder bestimmte Zielgruppen aufgestellt werden.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?488488

Gedruckt am Dienstag, 29. November 2022 05:13:09