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Aktuere bei Taxiangeboten

Erstellt am: 24.04.2018 | Stand des Wissens: 10.07.2019
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Kommunikationswirtschaft, Prof. Dr. Ulrike Stopka

Die durch Funk vorgenommene Vermittlung von Taxifahrten für angeschlossene Taxis koordiniert die Taxizentrale. Sie wenden sich zum einen an die angeschlossenen Taxiunternehmen beziehungsweise -unternehmer, deren Aufträge unabhängig vom konkreten Standort innerhalb des Funkbereichs angeboten werden und zum anderen an den Kunden, der in der Regel möglichst schnell ein Taxi am gewünschten Ort sucht. [Moln16, S. 13] Während ihrer Wartezeit stehen Taxen meist auf speziell für sie angelegte Stellflächen. Für die Ermittlung des Bedarfs eines Taxistands ist in der Regel, ähnlich wie bei Parkierungsanlagen zur Vernetzung, die Kommune zuständig. [INZELL09]
Darüber hinaus ermöglichen neue Informations- und Kommunikationstechnologien und -anwendungen neue Geschäftsmodellen und neuen Wettbewerbern. Im Zuge dessen halten immer mehr Betreiber von Taxi-Apps oder Online-Vermittlungsdiensten Einzug in den Markt. Diese können dabei in echte und unechte Taxi-Apps/-dienste gegliedert werden. Beispielsweise handelt es sich bei myTaxi um eine echte Taxi-App, da der Kunde einen Beförderungsvertrag mit dem jeweiligen Fahrer und nicht mit dem vorgeschalteten Vermittler (zum Beispiel dem Betreiber der App) schließt und das Entgelt unmittelbar dem Taxifahrer zahlt. Diese Form der Apps steht grundsätzlich in zulässiger Weise im Wettbewerb mit den Taxizentralen. Durch die App können anfallende Beiträge, die mit der Anbindung an eine Taxizentrale einhergehen, eingespart werden. Um eine unechte Taxi-App handelt es sich beispielsweise bei UberPop. Hier kommt der Beförderungsvertrag nicht mit dem Fahrer sondern mit dem Vermittler zustande. In diesem Fall wird das Entgelt dem Vermittler meist mit Kreditkarte gezahlt. Der Konsument gibt in der App seinen individuellen Beförderungswunsch mit dem Fahrtziel an und die App übermittelt den Beförderungswunsch an die registrierten Partner-Fahrer. Die Betreiber von unechten Taxi-Apps stehen somit in direktem Wettbewerb mit den Taxiunternehmen beziehungsweise -unternehmern. [Moln16, S. 15]
Die Kunden sind als Konsumenten eines Taxiangebots die wichtigsten Akteure. Sie können dabei zwischen den verschiedenen Anbietern der Personenbeförderung, wie Funk-/Ruftaxen, dem Heranwinken am Straßenrand, dem Taxistand oder den Taxi-Apps wählen. Die Nachfrage und das nachfrageverhalten bestimmen daher maßgeblich das Taxi-Angebot in der jeweiligen Region. [PaWe14, S. 4]
Innerhalb Deutschlands gilt für den Taxiverkehr ein rechtlich verbindlicher Rahmen, der vor allem durch das Personenbeförderungsgesetz bestimmt wird. So ist das Taxigewerbe beispielsweise als Ergänzung des öffentlichen Linien- und Straßenverkehrs in Deutschland genehmigungspflichtig. Eine örtliche, von der Landesregierung bestimmte Behörde ist dabei für die Lizenzvergabe zuständig. Jedoch kann die Genehmigung der Konzession, selbst bei Erfüllung der Zulassungsvoraussetzungen, versagt werden, wenn durch die Ausübung des beantragten Verkehrs das örtliche Taxengewerbe in seiner Funktionsfähigkeit eingeschränkt wird. Darüber hinaus müssen Fahrzeuge und Fahrer qualitative Mindestanforderungen erfüllen. Fahrer benötigen einen Personenbeförderungsschein, der eine dreijährige vorherige Fahrpraxis oder eine schriftliche und mündliche Ortskunde vorsieht. Darüber hinaus müssen Fahrzeuge jährlich einer Fahrzeugtauglichkeitsuntersuchung unterzogen werden. [PaWe14, S. 2 f.]
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Kommunikationswirtschaft, Prof. Dr. Ulrike Stopka
Literatur
[INZELL09] Arbeitskreis Park & Ride regional (Hrsg.) P+R Anlagen - Planen, Bauen und Betreiben. Ein Praxis-Leitfaden der Inzell-Initiative, Ausgabe/Auflage 1. Auflage, München, 2009
[Moln16] Molnar, Akos Wettbewerbsrecht im Taxigewerbe, 2016/11
[PaWe14] Pape, Annika, Wein, Thomas Der deutsche Taximarkt: Das letzte (Kollektiv-)Monopol im Sturm der "neuen Zeit", veröffentlicht in University of Lüneburg Working Paper Series in Economics, Ausgabe/Auflage 317, 2014/11, ISBN/ISSN 1860 - 5508
Glossar
App
Ist eine Abkürzung für den Fachbegriff Applikation (App) und bezeichnet eine Anwendungssoftware, die für mobile Endgeräte, wie Smartphone oder Tablet-PC entwickelt wurde. Apps können als Zusatzsoftware auf mobilen Endgeräten installiert werden und erweitern dadurch deren Funktionsumfang. Je nach Betriebssystem kann der Nutzer auf eine Vielzahl von mobilen Applikationen auf dem vom Betriebssystem bereitgestellten Marktplatz kostenpflichtig oder kostenlos zugreifen.
Personenbeförderungsgesetz
Das Personenbeförderungsgesetz (PBefG) regelt die entgeltliche oder geschäftsmäßige Beförderung von Personen mit Straßenbahnen, Oberleitungsbussen (Obusse) oder Kraftfahrzeugen im Linien- beziehungsweise Gelegenheitsverkehr. Die Novelle des PBefG schafft einen Rechtsrahmen für neue digitale Mobilitätsangebote und berücksichtigt stärker die Belange des Klimaschutzes, der Verkehrseffizienz und die Erreichbarkeit im Sinne gleichwertiger Lebensverhältnisse. Des Weiteren sind im PbefG Vorgaben zur Wahrung von sozialen Standards zugunsten der Beschäftigten verankert.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?482996

Gedruckt am Sonntag, 19. September 2021 07:23:00