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Flughäfen

Erstellt am: 06.02.2018 | Stand des Wissens: 11.05.2019
Ansprechpartner
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch

Es wird zwischen den folgenden Flughafenkategorien unterschieden: Hub-Flughäfen (Drehkreuze), Sekundärflughäfen und Regionalflughäfen. Eine Liste der größten Flughäfen der Welt zeigt Tabelle 1. Der weltgrößte Flughafen, gemessen am Passagieraufkommen im Jahr 2016, befindet sich in Atlanta im US-amerikanischen Bundesstaat Georgia. Der Flughafen ist Heimatflughafen (Hub) von Delta Airlines und wird vor allem als Zwischenstopp für Flüge innerhalb der USA genutzt, wodurch sich die hohen Passagierzahlen ergeben. Der größte Flughafen Europas ist London-Heathrow, der international den siebten Rang einnimmt. Deutschlands größter Flughafen in Frankfurt am Main befindet sich auf Platz 14. Eine Übersicht der 12 deutschen Flughäfen von "besonderem Bundesinteresse" findet sich im Deutschen Luftverkehrskonzept von 2017 [BMVI17aj, S.21].

Tabelle Flughaefen.PNGTabelle 1: Die größten Passagierflughäfen der Welt nach Passagieraufkommen 2016 [PANY16]

Die Leistungen der Flughäfen werden entweder dem luftseitigen (Aviation) oder dem landseitigen (Non-Aviation) Bereich zugeordnet. Zum Aviation-Bereich gehören alle Leistungen, die für die adäquate Abwicklung von Passagier- und/oder Frachtverkehr unmittelbar notwendig sind. Dies sind im Wesentlichen der Flugbetrieb auf den Flugbetriebsflächen und in den Flughafenterminals, die Bodenabfertigung sowie die zentrale (Betriebs-)Infrastruktur. Die Nachfrager des Aviation-Bereichs sind primär die Fluggesellschaften, welche Zeitfenster und Dienste zum Starten und Landen nachfragen [Knip12]. Hierfür haben sie Gebühren an die Flughafengesellschaft zu entrichten. Diese Flughafengebühren stellen eine Haupteinnahmequelle der Flughäfen dar.

Der Non-Aviation-Bereich umfasst die übrigen Leistungen, wie Vermietung / Verpachtung von Einzelhandels- und Gastronomieflächen, Parkplätze für Autos und Werbung. Der Umsatz im Non-Aviation-Bereich hängt von der Entwicklung des Aviation-Bereichs ab. Je mehr Passagiere den Flughafen nutzen, desto stärker werden die dazu komplementären Einrichtungen wie Gastronomie am Flughafen genutzt. Mit Beginn der Deregulierung des Luftverkehrs seit 1971 hat der Non-Aviation-Bereich für die Flughäfen an finanzieller Bedeutung stark zugenommen. So liegt der Umsatzanteil des Non-Aviation-Bereichs bei vielen großen Flughäfen bei 50 Prozent. Deshalb investieren Flughäfen verstärkt in diesen Bereich der Terminalinfrastruktur.

Einige besonders wichtige Flughäfen - insbesondere die großen internationalen Flughäfen - stellen ein natürliches Monopol dar und unterliegen daher bei der Festlegung ihrer Flughafengebühren einer Regulierung [Neus08]. Hingegen sind kleine Regionalflughäfen oft betriebswirtschaftlich unprofitabel, wie beispielsweise der Flughafen Kassel-Calden [FrRu16]. Da argumentiert wird, dass auch Regionalflughäfen volkswirtschaftlichen Nutzen generieren, werden die Verluste durch die Gesellschafter der Flughäfen, die öffentliche Hand, mittels Subventionierung ausgeglichen. Im Kontext des nationalen und internationalen Flughafenwettbewerbs wirft dies jedoch die beihilferechtliche Problematik auf. Diese besagt, dass Unternehmen keine staatlichen Förderungen erhalten dürfen, da diese wettbewerbsschädigend wären. Ab dem Jahr 2024 werden nach EU-Recht grundsätzlich keine Subventionen für die laufenden Kosten der Flughäfen mehr zulässig sein [EuKom14d].

Eng verbunden mit der Frage der Flughafengebühren ist die Frage der Bewirtschaftung knapper Kapazitäten auf den wichtigen internationalen Flughäfen. Ein Airport-Slot ist das Recht einer Fluggesellschaft, zu einem bestimmten Zeitpunkt die Start- und Landebahn eines Flughafens zu nutzen. Es wird vom Flughafenkoordinator vergeben und ist für eine bestimmte Flugplanperiode gültig. Auch wenn Slots an einem Flughafen knapp werden, werden sie in der Regel nicht versteigert oder anderweitig am Markt handelbar, sondern den bisherigen Nutzern weiterhin unentgeltlich zur Verfügung gestellt (sogenannte "Großvaterrechte"). Dies stabilisiert langfristige Kooperationen zwischen Fluggesellschaften und ihren Heimatflughäfen, doch zementiert es auch die Marktmacht der großen nationalen Fluggesellschaften.

Im Zuge des Luftverkehrswachstums hat der Bedarf an Infrastruktur zugenommen. Gleichzeitig hat der Druck der Fluggesellschaften auf die Flughäfen zugenommen, einen kostengünstigen Flughafenbetrieb anzubieten. Um den wachsenden Infrastruktur- und damit auch Investitionsbedarf decken zu können, wird zunehmend privates Kapital benötigt. Aus diesem Grund werden Flughäfen in unterschiedlichem Maße und unter Verwendung unterschiedlicher Privatisierungsmodelle (teil-)privatisiert. Neben der öffentlichen Hand beteiligen sich beispielsweise auch spezialisierte Infrastrukturunternehmen (Hochtief am Flughafen Hamburg) oder sogar Fluggesellschaften (Deutsche Lufthansa am Flughafen Frankfurt/Main) als Gesellschafter und stellen privates Kapital für Infrastrukturmaßnahmen zur Verfügung. Im Jahr 2017 wurde der Flughafen Hahn (Rheinland-Pfalz) zu 82,5 Prozent an einen chinesischen Investor verkauft [HHN19]. Darüber hinaus beteiligen sich Flughafengesellschaften an anderen Flughäfen. So kaufte beispielsweise im Jahr 2014 die Fraport AG, der Betreiber des Flughafens Frankfurt, 14 Flughäfen in Griechenland [TaSp15].

Wissenslandkarten

Glossar
Ansprechpartner
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Luftverkehrsmarkt (Stand des Wissens: 11.05.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?116938
Literatur
[BMVI17aj] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (Hrsg.) Luftverkehrskonzept des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur, 2017/05/03
[EuKom14d] Europäische Kommission (Hrsg.) Leitlinien für staatliche Beihilfe für Flughäfen und Luftverkehrsgesellschaften, 2014
[FrRu16] Frankfurter Rundschau (Hrsg.) Millionenverlust für Kassel-Calden, 2016/01/07
[HHN19] Über uns - Internetauftritt des Flughafens Frankfurt-Hahn GmbH, 2019
[Knip12] Ute Knippenberger Regionale Governance des Funktionswandels von Flughäfen. Eine Analyse am Beispiel der "Airport City" Frankfurt am Main, VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2012
[Neus08] Neuscheler, T. Flughäfen zwischen Regulierung und Wettbewerb - Eine netzökonomische Analyse, Nomos Baden-Baden, 2008
[PANY16] The Port Authority of NY & NJ (Hrsg.) Air Traffic Report 2016, 2016
[TaSp15] Tagesspiegel (Hrsg.) Fraport kauft 14 Regionalflughäfen, 2015/08/18
Glossar
Hub Der Begriff Hub kommt vom englischen Begriff "Hub and Spoke", was im Deutschen "Nabe und Speiche" entspricht. Der Hub dient als Sammel- und Knotenpunkt für Hauptverkehrswegen für den Umschlag und die Zusammenfassung von Warenströmen in alle Richtungen, d.h. zur Warenübergabe an regionale Verteiler. Im Postwesen handelt es sich bei Hubs häufig um Paketzentren. Die Transportmittel zur weiteren Beförderung der Sendungen variieren (Schiffe, Flugzeuge, Lkw).

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?479017

Gedruckt am Mittwoch, 1. April 2020 20:59:16