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Auswirkungen von "Nine-Eleven"

Erstellt am: 06.02.2018 | Stand des Wissens: 13.05.2019
Ansprechpartner
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch

Am 11. September 2001 wurden vier Großraumflugzeuge auf inneramerikanischen Flügen von Terroristen der Al-Kaida entführt, um sie als "Bomben" auf große Gebäude einzusetzen. Dabei wurden die beiden "Twin Tower" des World Trade Centers in New York City zum Einsturz gebracht und ein Flügel des Pentagon-Gebäudes in Washington, D.C. beschädigt. Als unmittelbare Reaktion wurde der amerikanische Luftraum für vier Tage gesperrt. Auch in den folgenden Wochen kam es zu einem Einbruch der Passagierzahlen [AEA02].
Auswirkungen 9_11.PNGAbb. 1: Darstellung des Rückgangs der Passagierzahlen infolge der Anschläge des 11. September 2001 nach Verkehrsregionen, Abbildung nach [AEA02]
Aufgrund der Verwendung von Luftfahrzeugen hatten die Terrorangriffe eine unmittelbare Auswirkung auf die Versicherungen der Luftverkehrsunternehmen. Für die Deckung des Kriegs- beziehungsweise Terrorrisikos innerhalb einer Schadenshaftpflichtversicherung für das Luftverkehrsgeschäft stiegen die Prämien drastisch an. Weltweit reagierten die Staaten mit einer Verschärfung der Sicherheitsvorkehrungen, die zu einer weiteren Erhöhung der Kosten im Luftverkehr führten. Während Handgepäck auf Flügen innerhalb der USA vor den Anschlägen nur stichprobenartig geprüft wurde, musste nun für einige Zeit jedes Gepäckstück manuell geprüft werden. Auch bauliche Veränderungen an den Flugzeugen wurden vorgenommen, so sind nun die Cockpittüren extra gesichert und müssen während des Fluges geschlossen gehalten werden. Generell wurden die Sicherheitsvorschriften verschärft. In Europa kam es zu einer ersten Reaktion im Jahr 2002, dann überarbeitet 2008 und schließlich nochmals überarbeitet im Jahr 2010 mit der Verordnung (EU) Nr. 185/2010 [VOEU185/2010]. Auch die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) nahm Anpassungen vor (im Annex 17 des Luftverkehrsabkommens, der der Luftverkehrssicherheit gewidmet ist). Durch all diese Entwicklungen wurden die Luftverkehrsgesellschaften insbesondere in den USA hart getroffen. Die Einbußen der ersten vier Tage nach den Anschlägen werden auf 850 Millionen bis 1,1 Milliarden Dollar geschätzt. Sie liegen jedoch etwas geringer, wenn man die bereits vor den Anschlägen angenommenen Verluste für den Monat September in Höhe von rund 500 Millionen Dollar in Rechnung stellt [JEC01].
Als Maßnahmen der schnellen Kostenreduktion kam es zu vorübergehenden Flottenstilllegungen, Verzögerung von Auslieferungsterminen neuer Flugzeuge oder der Annullierung von Bestellungen. Um die Auswirkungen abzufangen unterzeichnete der damalige amerikanische Präsident George W. Bush am 22. September 2001 den Air Transportation Safety and System Stabilization Act, umgangssprachlich als "Airline Bill" bezeichnet, der fünf Milliarden Dollar als Notunterstützung für in Schwierigkeiten geratene Unternehmen bereitstellte. Zusätzlich waren Darlehen in Höhe von zehn Milliarden Dollar vorgesehen [JEC01]. Der Verteilungsschlüssel der staatlichen Beihilfen orientierte sich an den Sitzkilometern, die von den Fluglinien vor den Anschlägen angeboten worden waren. Es wird davon ausgegangen, dass mit diesen Mitteln rund drei Viertel der angegebenen Verluste bei nahezu allen amerikanischen Fluglinien ausgeglichen worden sind. Bei einigen Fluglinien wurden die ausgewiesenen Verluste in vollem Umfang ersetzt [GAO03].

Wissenslandkarten

Glossar
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Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Luftverkehrsmarkt (Stand des Wissens: 11.05.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?116938
Literatur
[AEA02] k.A. AEA Yearbook 2002, 2003/01
[GAO03] k.A. Aviation Assistance:Information on Payments Made Under the Disaster Relief and Insurance Reimbursements Programs, 2003/09/30
[JEC01] k.A. Assessing Losses for the Airline Industry and Its Workers in the Aftermath of the Terrorist Attacks, 2001/10/03
Rechtsvorschriften
[VOEU185/2010] Verordnung (EU) Nr. 185/2010
Glossar
City Der in der Stadtforschung und im allgemeinen Sprachgebrauch für die Kennzeichnung des Stadtzentrums meist größerer Städte verwendete Begriff City ist nicht eindeutig, da er im Englischen eine völlig andere Bedeutung hat. Im englischen Sprachgebrauch kann der Begriff City für drei verschiedene Varianten stehen:
  1. allgemein für eine Großstadt,
  2. für eine historische Stadt mit Bischofssitz und Kathedrale,
  3. für eine Stadt mit königlicher Urkunde und zeremoniellen Privilegien.
Der deutsch Begriff der City leitet sich aus der frühen Konzentration von Bürofunktionen in der historischen City of London ab, da sich dort bereits im 18. Jahrhundert mit dem aufkommenden und rasch entfaltenden Banken- und Versicherungswesen der neue Typ des Bürohauses herausbildete, der den Prozess der Citybildung enorm beschleunigte. In erster Linie ist City ein Funktionsbegriff. Die City ist der zentralst gelegene Teilraum einer größeren Stadt mit einer räumlichen Konzentration hochrangiger zentraler Funktionen des tertiären und quartären Sektors.
ICAO
Die International Civil Aviation Organization (ICAO) ist die Internationale Zivilluftfahrtorganisation zur Vereinheitlichung und Regelung der Zivilluftfahrt durch Veröffentlichungen von Richtlinien und Empfehlungen.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?478957

Gedruckt am Donnerstag, 19. September 2019 01:58:04