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Deutsches Luftverkehrskonzept

Erstellt am: 06.02.2018 | Stand des Wissens: 07.05.2019
Ansprechpartner
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch

Nachdem in der Politik Bedarf für ein nationales Luftverkehrskonzepts gesehen wurde, wurde ein Beraterkonsortium mit der Erarbeitung einer Konzeptstudie beauftragt, die im Jahr 2016 vorgelegt wurde [DIWE16, S.51ff]. Die dieser Studie entnommene Abbildung 1 zeigt die Ziele und die zu lösenden Problemstellungen des Luftverkehrskonzepts. Der Bedarf für ein solches Luftverkehrskonzept wurde vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) mit dem grundlegenden weltweiten Strukturwandel begründet. Insbesondere sieht das BMVI die Notwendigkeit, die deutsche Luftverkehrsindustrie vor erstarkender Konkurrenz aus Asien und dem Mittleren Osten zu schützen [BMVI17ai].
ZieleProblemeMassnahmen.PNGAbb. 1: Ziele und die zu lösenden Problemstellungen des Luftverkehrskonzepts [DIWE16, S.51ff]
Am 3.5.2017 wurde das Luftverkehrskonzept des BMVI vorgestellt. Wesentliche Bestandteile sind:
  • Zuschüsse zur Deutschen Flugsicherung (DFS): Das Eigenkapital der DFS soll bis zum Jahr 2019 um weitere 102 Millionen Euro aufgestockt werden (zusätzlich zu einer schon vorher beschlossenen Erhöhung um 500 Millionen Euro). Zudem werden jährlich Kostenbestandteile im Volumen von 111 Millionen Euro (2017) vom Bund übernommen.
  • Teilweise Finanzierung von Maßnahmen zur Luftsicherheit, zum Beispiel für Sicherheitskontrollen an Flughäfen, aus öffentlichen Mitteln.
  • Der Einstieg zum Ausstieg aus der Luftverkehrssteuer [Dobr17a]
  • Kapazitätserweiterungen an deutschen Flughäfen
Für die in Abbildung 2 dargestellten 12 Flughäfen wurde ein besonderes Bundesinteresse konstatiert. Neben den zentralen Hubs Frankfurt und München und mehreren Landesflughäfen wurden mit den Flughäfen Braunschweig und Oberpfaffenhofen auch zwei Verkehrsflughäfen als bedeutsam klassifiziert, an denen insbesondere industrielle und militärische Forschungs- und Entwicklungsaufgaben wahrgenommen werden.

Flughaefenvon besonderemInteresse.pngAbb. 2: Flughäfen von besonderem Interesse [GoMa19]
Kapazitätsengpässe und zu ihrer Behebung geplante Maßnahmen werden in der Studie für die Flughäfen Berlin-Brandenburg (BER, in Bau), Düsseldorf, Frankfurt und München konstatiert. Für die anderen deutschen Flughäfen wurde festgestellt, dass sie über ausreichend freie Kapazitäten verfügen [DIWE16, S.51ff].
Der Koalitionsvertrags der Großen Koalition aus dem Jahr 2018 nimmt mehrere Punkte des Luftverkehrskonzepts auf: Der Staat soll mehr strukturelle Verantwortung und Anteile der in den letzten Jahren gestiegenen Kosten für die Sicherheit der Menschen beim Fliegen übernehmen. Die Zusammenarbeit zwischen Bund, Länder und der Luftfahrtindustrie soll durch regelmäßige Bund-Länder-Konferenzen gestärkt werden. Es soll weiterhin am BER (Berlin Airport) festgehalten werden. Die Luftfracht soll durch schnellere Genehmigung von ad-hoc-Frachtchartern und erweiterte Landerechte am Flughafen Leipzig-Halle gestärkt werden [DeBu18a, S.80].
Zudem werden im Koalitionsvertrag innovative Verkehrstechnologien und in Folge auch die Einführung des Klimaschutzprogramms CORSIA (Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation) durch die Internationale Zivilluftfahrtorganisation ab dem Jahr 2020 unterstützt.

Wissenslandkarten

Glossar
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Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Luftverkehrspolitik (Stand des Wissens: 06.05.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?184144
Literatur
[BMVI17ai] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (Hrsg.) Luftverkehrskonzept des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur, 2017/03
[DeBu18a] Bundesregierung (Hrsg.) Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD 19. Legislaturperiode, 2018
[DIWE16] Technische Universität Darmstadt, UNICONSULT Universal Transport Consulting GmbH (Hrsg.) Grundlagenermittlung für ein Luftverkehrskonzept der Bundesregierung, 2016
[Dobr17a] Alexander Dobrindt Luftverkehrskonzept: Pressekonferenz mit BM Dobrindt vom 3.5.2017, 2017/05/03
[GoMa19] Google Maps, Zusammenstellung deutscher Flughäfen, 2019
Glossar
BMVI Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (bis 10/2005 auch BMVBW und bis 12/2013 BMVBS)
Hub Der Begriff Hub kommt vom englischen Begriff "Hub and Spoke", was im Deutschen "Nabe und Speiche" entspricht. Der Hub dient als Sammel- und Knotenpunkt für Hauptverkehrswegen für den Umschlag und die Zusammenfassung von Warenströmen in alle Richtungen, d.h. zur Warenübergabe an regionale Verteiler. Im Postwesen handelt es sich bei Hubs häufig um Paketzentren. Die Transportmittel zur weiteren Beförderung der Sendungen variieren (Schiffe, Flugzeuge, Lkw).

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?478878

Gedruckt am Dienstag, 12. November 2019 09:58:42