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Logistische Anwendungsfelder digitaler Vernetzung

Erstellt am: 12.01.2018 | Stand des Wissens: 05.04.2019
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig

Die digitale Vernetzung findet in Güterverkehr und Logistik in den unterschiedlichen Stufen der Logistikkette Anwendung: Von der Beschaffung über die Produktion hin zur Distribution auf der Straße und im Unternehmen. Schwerpunkt hierbei ist die Vernetzung von und zwischen Objekten, welche als "Internet der Dinge" bezeichnet wird [Haus14]. Objekte können neben Fahrzeugen gleichermaßen Güter oder Maschinen sein.
Innerhalb der Logistikkette werden Waren und Güter von einem Versender mithilfe eines Spediteurs und Transporteurs zu einem Empfänger geliefert. Entscheidend ist hierbei der Servicegrad, den es zu optimieren gilt [ArIs08].

Im Bereich der Distributions- und Beschaffungslogistik können vom Versender und vom Empfänger Transportmanagementsysteme eingesetzt werden, mit deren Hilfe die Waren und ihr Zustand vor, während und nach dem Transport überwacht werden. Auf diesem Weg kann zudem der Standort des Transportfahrzeuges laufend überprüft werden. Mithilfe dieser Systeme ist es dem Versender und dem Empfänger möglich, eine exakte Prozessplanung durchzuführen, da die beteiligten Akteure über die Ankunft der Waren, aber auch über mögliche Verzögerungen und die zeitliche Dauer des Transportes informiert sind. Die digitale Vernetzung ermöglicht dem Transporteur und Spediteur eine Echtzeit-genaue Berichterstattung über die Lenkzeiten und Störungen sowie über das Verhalten des Fahrers während der Fahrt. Diese zusätzlichen Informationen erlauben dem Transportunternehmen eine optimale Einteilung seines Personals [HeHeUl11].

Innerhalb der Produktion dient die intelligente Vernetzung zum einen der Überwachung des Standortes und der Produktionsstufe der Waren, zum anderen zur Abstimmung der Maschinen und Fahrzeuge innerhalb der Produktionsstätte. Fahrerlose Transportfahrzeuge können miteinander kommunizieren und sich gegenseitig ihren Standort, ihre Herkunft, ihr Ziel sowie ihre Fracht übermitteln, wodurch ein reibungsloser Ablauf innerhalb der Produktion gewährleistet werden kann . Eine Etikettierung der auslieferbereiten Waren mithilfe von RFID erlaubt es dem Empfänger, die Waren und ihren Standort während der Auslieferung zu verfolgen [Haus14].

Der Transport zwischen den Prozessstufen kann ebenfalls umfassend vernetzt werden. Den Fahrzeugen ist es mithilfe der digitalen Vernetzung möglich, sowohl mit anderen Fahrzeugen (V2V = Vehicle-to-Vehicle) als auch mit der Infrastruktur (V2I = Vehicle-to-Infrastructure), wie Schildern oder Signalanlagen, Informationen auszutauschen. Der Austausch von Echtzeitinformationen bietet nicht nur Potenzial für eine Verbesserung des Verkehrsflusses, sondern führt darüber hinaus zu einer besseren Planbarkeit und Reaktionsfähigkeit für Unternehmen. Beispielsweise können Störungen auf Straßen sofort erfasst und übermittelt werden, wodurch eine alternative Routenplanung eingesetzt werden kann und Wartezeiten durch Stau vermieden werden. Insgesamt kann eine Steigerung der Gesamteffizienz des Güterverkehrssystems erreicht werden [JoMi15b].
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Verkehrsplanung und Logistik, Prof. Dr.-Ing. H. Flämig
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Nutzen und Herausforderungen der digitalen Vernetzung in Güterverkehr und Logistik (Stand des Wissens: 05.04.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?478030
Literatur
[ArIs08] Arnold, D., Isermann, H., Kuhn, A., Furmans, K., Tempelmeier, H. Handbuch Logistik, Ausgabe/Auflage 3., neu bearbeitete Auflage, Springer-Verlag / Berlin Heidelberg, 2008, ISBN/ISSN 3540729283
[Haus14] Hausladen, Iris IT-gestützte Logistik: Systeme - Prozesse - Anwendungen, Springer Gabler / Wiesbaden, 2014
[HeHeUl11] Heiserich, Otto-Ernst, Helbig, Klaus, Ullmann, Werner Logistik: eine praxisorientierte Einführung, Gabler / Wiesbaden, 2011
[JoMi15b] Johanning, Volker, Mildner, Roman Car IT kompakt: das Auto der Zukunft -- vernetzt und autonom fahren, Springer Vieweg / Wiesbaden, 2015
Glossar
Versender Versender (auch Verlader genannt) sind Unternehmen, die Transportleistungen und verwandte logistische Dienstleistungen für ihre Sendungen nachfragen.
RFID RFID steht für 'Radio-frequency identification'. Mit der Hilfe von elektromagnetischen Wellen ermöglicht RFID die automatische Identifizierung und Lokalisierung von Gegenständen und Lebewesen. Dadurch ist es möglich Daten erheblich einfacher zu erfassen und zu speichern.
Spediteur Spediteure fungieren als Intermediäre zwischen Versender und Transporteur bzw. Frachtführer. Sie „besorgen” den Transport. Hierunter fallen insbesondere die Festlegung auf Verkehrsmittel und die Beauftragung ausführender Unternehmen.
Transporteur Transporteure (auch Frachtführer genannt) führen den physischen Transport aus.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?477997

Gedruckt am Samstag, 24. August 2019 02:47:56