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Subjektive Vorbehalte gegen Elektrofahrräder

Erstellt am: 26.07.2017 | Stand des Wissens: 22.08.2017
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Trotz der Vorteile die ein Elektrofahrrad mit sich bringt, zeigt der regelmäßig stattfindende "Fahrradmonitor Deutschland" ein etwa gleichbleibendes Interesse an Elektrofahrrädern von 47 bis 49 Prozent der Befragten. Daher scheint für etwa die Hälfte der Befragten kein Bedarf an einem Elektrofahrrad zu bestehen [Sinus16]. Bei den Gründen für die Ablehnung von E-Bikes/Pedelecs spielt der hohe Preis eine wesentliche Rolle [Sinus16, ILS13]. Der durchschnittlich gezahlte Preis für ein Pedelec lag in einer Studie bei etwa 2.500 bis 3.000 Euro [ITD15]. Damit liegt der Preis etwa dreimal höher als der durchschnittliche Anschaffungspreis von 685 Euro für ein konventionelles Fahrrad [Sinus16].

Im Zusammenhang mit dem Preis steht auch der Wunsch nach sicheren Abstell- und Lademöglichkeiten für das Elektrofahrrad am Ausgangs- und Zielort. Besonders stark ausgeprägt sind diese Gründe für Nutzer im ländlichen Raum aber auch für Nutzer, welche vornehmlich ein konventionelles Fahrrad nutzen. Derzeitige Abstellanlagen sind zumeist nicht für die hochwertigen und wetteranfälligen Elektrofahrräder ausgelegt [ILS13]. Zudem wird eine flächendeckende Ladeinfrastruktur durch eine fehlende Standardisierung der Ladestecker gehemmt [Budde12].

Als weiterer Beweggrund gegen die Anschaffung eines Elektrofahrrads wird dessen Gewicht genannt [Sinus16, ILS13]. Zum Gewicht eines konventionellen Fahrrads kommt beim Elektrofahrrad zum einen das zusätzliche Gewicht des Akkus von durchschnittlich 4,5 Kilogramm hinzu. Zum anderen muss weiterhin ein Motor eingebaut werden, sodass insgesamt für alle notwendigen zusätzlichen Komponenten von einem zusätzlichen Gewicht von etwa 7,5 Kilogramm ausgegangen wird [Roet10]. Im Durchschnitt wurde ein Gesamtgewicht von etwa 26 Kilogramm für ein Pedelec ermittelt [ITD15]. Das erhöhte Gewicht spielt dann eine Rolle, wenn das Pedelec getragen werden muss, beispielsweise wenn keine ebenerdigen Abstell- beziehungsweise Auflademöglichkeiten existieren oder das Elektrofahrrad zu Transportzwecken in einen Zug oder auf den Fahrradträger am Auto getragen werden muss [Roet10]. Auch bei leerem Akku oder bei Erreichen der maximalen unterstützten Geschwindigkeit von 25 Kilometer pro Stunde fällt das deutlich höhere Gewicht auf [Jacobs15].

Mehrere Studien zeigen, dass die Nutzer von Elektrofahrrädern in der Regel älter sind bezogen auf den Bevölkerungsdurchschnitt [ITD15]. Daher verwundert es nicht, dass Elektrofahrräder das Image besitzen eher etwas für ältere Personen zu sein [ILS13, Sinus16]. In dem Zusammenhang wird auch teilweise ein Schamgefühl geäußert, wenn eine Tretunterstützung in Anspruch genommen wird. Neben der Aussage sich zu jung zu fühlen, wurde andererseits auch angegeben sich zu alt für ein Pedelec zu fühlen. Dabei spielen wiederum das Gewicht, mögliche veränderte Schwerpunktplage durch die zusätzlichen Komponenten und das veränderte Anfahren eine Rolle [Reit10]. Neuere Studien belegen jedoch, dass sich mittlerweile ein Wandel eingestellt hat und sich zunehmend Jüngere für den Kauf eines Elektrofahrrads, insbesondere im städtischen Raum, entscheiden. Im Vordergrund steht dabei der Spaß an Innovation [Zeit13a, UVEK14, ITD15]. Mittlerweile erreicht das Thema "Elektrofahrräder" die breite Öffentlichkeit und mit einem breit aufgestellten Produktspektrum werden weitere Zielgruppen angesprochen [ILS13].

Die hohe Innovationsrate bei Elektrofahrrädern, vor allem bezüglich des Akkus und Antriebs, ruft allerdings bei potentiellen Kunden auch die Befürchtung hervor unter Umständen schnell überholte Technik zu kaufen, sodass zu einem späteren Zeitpunkt die Ersatzteilbeschaffung oder Neubeschaffung eines Akkus erschwert wird [ITD15].
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Aktive Mobilität durch Elektrofahrräder (Stand des Wissens: 26.07.2017)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?355633
Literatur
[Budde12] Angela Budde, Ton Daggers, Andreas Fuchs, Thomas Lewis, Nora Manthey, Hannes Neupert, Harry F. Neumann, Annick Roetynck, Andreas Torpsch, Walter Vogt GoPedelec!, 2012
[ILS13] Claudia L. Preißner, Herbert Kemming, Dirk Wittowski, Simon Bülow, Alexander Stark Einstellungsorientierte Akzeptanzanalyse zur Elektromobilität im Fahrradverkehr, 2013/02
[ITD15] Alexander Brandies, Claudia Kämper, Julius Jöhrens, Hinrich Helms, Martina Lienhop, Dirk Thomas Pedelection - Verlagerungs- und Klimaeffekte durch Pedelec-Nutzung im Individualverkehr , 2015/09
[Jacobs15] Stefan Jacobs Vergleich zwischen Tempo 25 und 45: Wie schnell soll das E-Bike sein?, veröffentlicht in Tagesspiegel, 2015/05/11
[Reit10] Absenger, I., Reiter, K. Pedelecs for a hilly region:a first step out of a car-orientated behavioural pattern? , 2010
[Roet10] Roetynck, A. PRESTO Cycling Policy Guide Electic Bicycles, 2010/02
[Sinus16] Sinus Markt- und Sozialforschung Fahrrad-Monitor Deutschland 2015 - Ergebnis einer repräsentativen Online-Befragung, 2016
[UVEK14] Marcel Buffat, Daniela Herzog, René Neuenschwander, Bettina Nyffenegger, Tamara Bischof Verbreitung und Auswirkungen von E-Bikes in der Schweiz, 2014
[Zeit13a] Andrea Reidl Immer mehr Jüngere kaufen Elektroräde, veröffentlicht in Zeit Online, 2013
Glossar
Pedelec
Pedelec (Pedal Electric Cycle) ist ein Begriff für Elektrofahrräder, bei welchen der Fahrer vom Elektroantrieb unterstützt wird, wenn dieser in die Pedale tritt. Das Fahrrad kommt hierbei auf eine Leistung von bis zu 250 Watt, wodurch eine Geschwindigkeit von bis zu 25 Kilometer pro Stunde erreicht werden kann.
Laut § 1 Absatz 3 des Straßenverkehrsgesetztes (StVG) sind Pedelecs mit dieser Leistung einem Fahrrad rechtlich gleichgestellt.
Bei schnellen Pedelecs (S-Klasse) ist dies nicht der Fall. Diese zählen zu den Kleinkrafträdern und können bei einer maximal erlaubten Nenn-Dauerleistung von 500 Watt eine Geschwindigkeit von bis zu 45 Kilometern pro Stunde erreichen. Deshalb sind für diese eine Zulassung sowie ein Versicherungskennzeichen notwendig.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?473295

Gedruckt am Donnerstag, 9. Juli 2020 02:53:26