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Erstellt am: 11.07.2017 | Stand des Wissens: 20.04.2020
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Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck

Um die Vision des selbstfahrenden Automobils Realität werden zu lassen, müssen verschiedene Branchen ihren Anteil dazu beitragen und miteinander kooperieren. Die Verantwortlichkeiten und die Stärken der Automobilindustrie sind beispielsweise ganz andere als die der Informationstechnologie-(IT)-Hersteller, Mobilfunkanbieter oder jene des Staates; häufig sind die Grenzen nicht klar definiert. Trotz vieler gemeinsamer Ziele, wie die Zuverlässigkeit des Systems "autonomes Fahren" und das fortdauernde Ziel, Verkehrsunfälle insbesondere mit Personenschäden zu vermeiden, treffen bei der Zusammenarbeit der beteiligten Akteure auch gegensätzliche Vorstellungen aufeinander [HanBl15; HblJou15].

Es liegt im Interesse der Automobilhersteller, ihre Technologie voranzutreiben, möglichst vielen Kundenwünschen nachzugehen und sich dadurch von der Konkurrenz abzuheben, um nicht zuletzt hohe Marktanteile zu erzielen. Das ist auch ein Grund, warum zunächst die Car-2-Car Kommunikation überwiegend zwischen Fahrzeugen des gleichen Autokonzerns geregelt ist und nicht zu Fremdmarken. Dazu gehört auch, der Anforderung gerecht zu werden, wenig Angriffsfläche für mögliche Manipulationen zuzulassen, damit die Fahrzeuge tatsächlich geschützt sind und Kunden sich auch sicher fühlen [JoMi15].

Den Kundenwünschen nachgehen bedeutet aber auch, mit der IT-Branche Kompromisse zu finden, denn die Nutzer wünschen beispielsweise Smartphone-Integration mit Googles Android Auto und Apple Car Play, um sehr genaue Verkehrsinformationen über Staulänge und Verlustzeit zu erhalten [HanBl15]. Auf der anderen Seite ist zu bedenken, dass Firmen wie Google und Apple Daten vom Nutzer erfassen, die in unterschiedlicher Art und Weise durch Weiterkauf oder Einsatz in anderen Applikationen monetarisiert werden.
Die Automobilbranche ist noch sehr von den IT-Dienstleistern und Softwareherstellern abhängig, da sie bis dato nicht über das nötige Know-how und das Equipment verfügt. Die IT-Branche arbeitet an Backend-Software, die die Kommunikation innerhalb des Fahrzeugs und zwischen Transportmittel und den Providern regelt. Viele Firmen legen digitale Kundenportale und entsprechende Apps für mobile Endgeräte an, um die Kommunikation zu den Nutzern aufrechtzuerhalten [JoMi15]. Der Automobilhersteller Volkswagen hat in einer Pressemitteilung im August 2018 erklärt, ein eigenes Betriebssystem für seine Fahrzeuge entwickeln zu wollen, um nicht in Abhängigekeit von den neuen Wettbewerbern der Software- und IT-Branche zu geraten. Christian Senger, der Digital-Chef von Volkswagen, sieht dabei die Entwicklung des Autos in Richtung Smartcar als selbstverständlich [FuW20].

Die Mobilfunk- und Telekommunikationsanbieter sind hauptsächlich für eine stabile, leistungsfähige und möglichst schnelle Internetverbindung zuständig. Sie möchten allein in Deutschland bis 2025 mehr als 100 Milliarden Euro in den weiteren Auf- und Ausbau der Breitbandnetze investieren [HanBl15; JoMi15; Dobr17]. Von zentraler Bedeutung ist dabei die flächendeckende Einführung des neuen Breitbandstandards 5G, der eine Übertragung großer Datenmengen in sehr kurzer Zeit verspricht [FAZ16]. Allerdings bedarf es großer Anstrengungen, die technische Infrastruktur dafür bereitzustellen. Neben neuen Frequenzbändern, die von der Bundesnetzagentur festgelegt und versteigert werden, benötigt der 5G-Standard ein dichteres Mobilfunknetz mit entsprechend kostenintensiven neuen Sendeeinheiten [MGLW15].

Die Anforderungen an die Verkehrsinfrastruktur, die gewöhnlich in der Verantwortung der öffentlichen Hand liegt, steigen mit dem Grad an Automatisierung der Fahrzeuge. Zunächst hat die Infrastruktur dabei unterstützende Funktion, wird zunehmend aber zur notwendigen Bedingung, wenn Daten zwischen Fahrzeug und Infrastruktureinrichtungen ausgetauscht werden. Die Einrichtung des "Digitalen Testfelds Autobahn" entlang der Autobahn A9 durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und den Freistaat Bayern im Rahmen der "Strategie automatisiertes und vernetztes Fahren" der Bundesregierung war der erste wichtige Schritt, um das Zusammenspiel schneller Echtzeitkommunikation zwischen Fahrzeugen und Infrastruktur im Realbetrieb zu erproben. Insgesamt gibt es zur Zeit (Stand April 2020) 15 Testfelder in Deutschland, die die reale Erprobung sowohl in innerstädtischen als auch auf Bundes- und Landstraßen ermöglichen [DigTF].
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Security Autonomes Fahren (Stand des Wissens: 09.10.2017)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?475978
Literatur
[DigTF] Digitale Testfelder, 2018/08
[Dobr17] Eckpunkte Zukunftsoffensive Gigabit-Deutschland, 2017/03/07
[FAZ16] Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH (Hrsg.) Eine große Allianz für vernetzte Autos entsteht , 2016/09/27
[FuW20] Christian Braun Volkswagen muss zum Technologiekonzern werden, 2020/03/29
[HanBl15] Dirks, T., Das Auto der Zukunft, Von der Teststrecke auf die Straßen, veröffentlicht in Handelsblatt Journal, Ausgabe/Auflage Oktober 2015, 2015/10
[HblJou15] Zetsche, T. 01000001 01110101 01110100 01101111 00001101 00001010, veröffentlicht in Handelsblatt Journal, Ausgabe/Auflage Oktober 2015, 2015/10
[JoMi15] Johanning, Volker, Mildner, Roman Car IT kompakt
Das Auto der Zukunft - Vernetzt und autonom fahren, Springer Vieweg, Wiesbaden, 2015, ISBN/ISSN 978-3-658-09967-1
[MGLW15] Maurer, Markus, Gerdes, J. Christian, Lenz, Barbara, Winner, Hermann (Hrsg.) Autonomes Fahren
Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte, Springer Vieweg, E-Book , 2015, ISBN/ISSN 978-3-662-45854-9
Glossar
5G Als 5G wird die fünfte Generation von Mobilfunknetzen nach LTE (4G), UMTS (3G), GSM (2G) und dem analogen Mobilfunknetz bezeichnet, an der gegenwärtig geforscht wird. Innerhalb dieser Netze werden Mobilfunkgeräte innerhalb einer Funkzelle direkt miteinander kommunizieren und so die jeweilige Basisstation entlasten.
BMDV
Bundesministerium für Digitales und Verkehr (bis 10/2005 BMVBW, bis 12/2013 BMVBS und bis 11/2021 BMVI)

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?472551

Gedruckt am Dienstag, 24. Mai 2022 23:54:10