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Zuverlässigkeit des automatisierten Straßenverkehrs

Erstellt am: 09.06.2017 | Stand des Wissens: 01.06.2018
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
TU Dresden, Professur für Kommunikationswirtschaft, Prof. Dr. Ulrike Stopka

Automatisiertes Fahren wird die den Straßenverkehr bisher bestimmende Mobilität zunehmend verändern. Schon heute unterstützen Fahrerassistenzsysteme wie Geschwindigkeitsregler oder Parkassistenzsysteme in vielen Fahrzeugen den Fahrer bei seiner Fahraufgabe [Gold14]. Die aktuelle Forschung und die damit einhergehenden Entwicklungen sind durch das Vorhaben bestimmt, innovative Anwendungen bereitzustellen. Mit Hilfe der wachsenden Zahl an digitalen Komponenten und Sensoren innerhalb des Straßenverkehrs werden Fahrzeuge immer intelligenter. Als intelligent kann ein System in diesem Kontext verstanden werden, wenn es selbständig und effizient problemlösungsorientiert agiert [Main16]. Die dadurch ermöglichte Vernetzung der Fahrzeuge untereinander sowie zur notwendigen Infrastruktur und die Anbindung an das Internet [Gold14] verspricht eine erhöhte Zuverlässigkeit. Diese besteht in einer gesteigerten Leistungsfähigkeit sowie Sicherheit und soll somit letztendlich zur Minimierung von Unfällen führen [Gold14;Schl16]. Die Zielstellung des automatisierten Fahrens besteht somit hauptsächlich darin, das Fahren sicherer und komfortabler zu gestalten [BMBF15]. Es bietet aber auch Potenziale, Emissionen zu senken und einen optimierten Energieeinsatz zu erzielen [Ifmo16]. Darüber hinaus bestehen Verbesserungsmöglichkeiten in Bezug auf die Verkehrseffizienz [BMVI15r].
Der Hybridverkehr als Übergangsphase stellt hierbei die größte Herausforderung dar. Je geringer der Durchdringungsgrad automatisierter Fahrzeuge dabei im Straßenverkehr ist, desto höher sind mögliche negative Effekte ausgeprägt. Zu beachten ist auch ein sich wandelndes Verhalten beim Fahrer. [Uhr16] Je mehr Aufgaben ein Fahrer an automatisiert ablaufende Prozesse abgibt, desto weniger Kontrolle verspürt er möglicherweise über das Fahrzeug, was zu einer sinkenden Aufmerksamkeit gegenüber der jeweiligen Fahrsituation führen kann. Umso wichtiger ist es, dass auch bei Störungen der Elektronik ein sicheres Fahren zu jeder Zeit gewährleistet ist [IHP17]. Zur Sicherstellung einer fehlerminimierten Situation werden daher Kontrollinstanzen verbaut, welche prüfen, ob alle elektronischen Systeme korrekt arbeiten [VDA15].
Die Zuverlässigkeit der technischen und elektronischen Systeme bestimmt auch weitestgehend das Image und somit die Akzeptanz des automatisierten Fahrens. Ein Großteil an Personen ist eher bereit, diese Technologie langfristig und in erheblichem Umfang zu übernehmen, sobald sie keine oder nur geringe Risiken wahrnehmen. [Uhr16] Hierbei darf sich jedoch nicht ausschließlich auf die subjektive Sicht des (potentiellen) Fahrers beschränkt werden. Auch Dritte in und außerhalb des Fahrzeugs müssen für automatisierte Fahrzeuge sensibilisiert werden. Darüber hinaus müssen die Rechtslage und die notwendigen Rahmenbedingungen ausreichend und umsichtig geklärt sein [Gass16]. Auch um den Schutz persönlicher Daten zu gewährleisten [Hein16]
Durch Präzedenzfälle, wie beispielsweise der Unfall eines Tesla-Fahrzeuges im Mai 2016, bei welchem der Fahrer tödlich verunglückte, schwindet das Vertrauen in automatisiertes Fahren. Auch wenn menschliches Versagen diese Kollision hervorrief, bleiben Vorfälle wie dieser im Gedächtnis. Erfolgreiche Tests und Bemühungen werden dagegen seltener wahrgenommen. Eine weitere Herausforderung stellt dementsprechend eine geeignete Kommunikationsstrategie dar, denn im automatisierten Fahren liegt durchaus das Potenzial, Unfallzahlen zu verringern. [BMVI15r]
Die Zielstellung, das automatisierte Fahren zuverlässiger zu gestalten, verfolgen zahlreiche Forschungsprojekte wie das Forschungsteam des Projektes Emphase (unter anderem Infineon Technologies AG und Audi AG beteiligt) [IHP17]. Rund 100 Millionen Euro werden durch das Bundesforschungsministerium für Forschungszwecke in diesem Bereich bereitgestellt, sodass Deutschland im Forschungsbereich gut positioniert ist. Doch nicht ausschließlich die Forschungseinrichtungen werden gefördert, das BMBF vernetzt diese mit kleinen und großen Unternehmen. Die Wertschöpfungskette und Kompetenz des Automobilstandortes Deutschlands wird durch dieses Vorgehen angekurbelt. [BMBF17]
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TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
TU Dresden, Professur für Kommunikationswirtschaft, Prof. Dr. Ulrike Stopka
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Zuverlässigkeit und Sicherheit des automatisierten Straßenverkehrs (Stand des Wissens: 20.06.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?471810
Literatur
[BMBF15] Bundesministerium für Bildung und Forschung (Hrsg.) Mein Auto kann mehr / Forschung für das autonome elektrische Fahren, Druck-und Verlagshaus Zarbock GmbH & Co. KG, Frankfurt am Main, 2017/03
[BMBF17] Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) (Hrsg.) Mein Auto kann mehr - Forschung für das autonome elektrische Fahren , 2017
[BMVI15r] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (Hrsg.) Strategie automatisiertes und vernetztes Fahren -
Leitanbieter bleiben, Leitmarkt werden, Regelbetrieb einleiten, 2015/09
[Gass16] Tom Michael Gasser Grundlegende und spezielle Rechtsfragen für autonome Fahrzeuge, veröffentlicht in Autonomes Fahren - Technische, rechtliche und gesellschaftliche Akzeptanz, Springer Vieweg, 2016, ISBN/ISSN 978-3-662-45853-2
[Gold14] Christian Gold Automatisiertes Fahren - ohne Mensch wird alles besser?, veröffentlicht in Ergonomie aktuell, Ausgabe/Auflage 15, München, 2014
[Hein16] Dirk Heinrichs Autonomes Fahren und Stadtstruktur, veröffentlicht in Autonomes Fahren - Technische, rechtliche und gesellschaftliche Aspekte, Springer Vieweg, 2016, ISBN/ISSN 978-3-662-45853-2
[Ifmo16] Institut für Mobilitätsforschung, Stefan Trommer, Viktoriya Kolarova, Eva Fraedrich, Lars Kröger, Benjamin Kickhöfer, Tobias Kuhnimhof, Barbara Lenz, Peter Phleps Autonomous driving - The impact of vehicle automation on mobility behaviour, 2016
[IHP17] Innovations for High Perfomance Microelectronics (Hrsg.) IHP-Forschungsteam arbeitet an Lösungen zur Verbesserung der Zuverlässigkeit beim automatisierten Fahren, Frankfurt, 2017/02/22
[Main16] Klaus Mainzer Künstliche Intelligenz - Wann übernehmen die Maschinen?, Springer Verlag Berlin Heidelberg, 2016, ISBN/ISSN 2194-0770
[Schl16] Bernhard Schlag Automatisiertes Fahren im Straßenverkehr - Offene Fragen aus Sicht der Psychologie, veröffentlicht in Zeitschrift für Verkehrssicherheit, Ausgabe/Auflage 62, 2016
[Uhr16] Andrea Uhr Automatisiertes Fahren - Herausforderungen für die Verkehrssicherheit, bfu - Beratungsstelle für Unfallverhütung, Bern, 2016
[VDA15] Verband der Automobilindustrie (Hrsg.) Automatisierung - Von Fahrerassistenzsystemen zum automatisierten Fahren, 2015/09
Weiterführende Literatur
[AGFo] Runder Tisch Automatisiertes Fahren Bericht zum Forschungsbedarf
Runder Tisch Automatisiertes Fahren, 2015/07/31
Glossar
BMBF Bundesministerium für Bildung und Forschung
Verkehrseffizienz
Beurteilungskriterium, welches beschreibt, inwieweit verkehrliche Maßnahmen, wie beispielsweise Ersparnisse in Fahrzeit, Spritverbrauch und Abgasausstoß, dass vorgegebene Ziel in einer bestimmten Art und Weise erfüllen

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?471418

Gedruckt am Dienstag, 20. Oktober 2020 18:52:35