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Bürgerbus

Erstellt am: 28.04.2016 | Stand des Wissens: 15.03.2019
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Bahnverkehr, öffentlicher Stadt- und Regionalverkehr, Prof. Dr.-Ing. R. König


Die Idee eines Bürgerbusses hat sich in den letzten Jahren nicht nur weiterentwickelt, sondern fand in den ländlichen Räumen immer mehr an Bedeutung sowie Nutzer. Der Hintergedanke daran ist einfach erklärt: Ehrenamtliche Fahrer befördern die Fahrgäste, wobei diese auf einen regelmäßigen Betrieb zurückgreifen können.

Während zu den Spitzenzeiten, wie beispielsweise morgens zu Schulbeginn und nachmittags nach der Schule, die Busse meist gut ausgelastet sind, nutzen in den Nebenverkehrszeiten nur wenige Personen den Nahverkehr. Dennoch gibt es auch zu diesen Zeiten potentielle Nutzer, welche tagsüber mobil sein wollen, für die sich das Betreiben eines Busses jedoch wirtschaftlich nicht rentieren würde. Dazu gehören i.d.R. Personen ohne eigenen Führerschein oder PKW. In diesem Falle kommt der Bürgerbus in Betracht.

Meistens als Verein eingetragen und in Absprache mit Kommunen und einem Verkehrsunternehmen wird der Betrieb organisiert. Die Anforderungen an die Fahrer sind dabei gering. Sie müssen u.a. den Führerschein der Klasse B besitzen, mit dem sie bis zu acht Personen befördern dürfen. Bedingt durch diesen Aspekt hat sich bereits die Frage der Fahrzeuggröße erübrigt. Da gerade ältere und mobilitätseingeschränkte Personen die potenziellen Nutzer der Bürgerbusse sind, kann eine Anpassung der Fahrzeugausstattung von Nöten sein.
Ein entscheidendes Kriterium für die Einrichtung eines Bürgerbusses ist neben dem ehrenamtlichen Engagement die Absicherung der Kosten, denn mit dem geringen Beförderungsentgelt lässt sich der Betrieb nicht erwirtschaften. In der nachfolgenden Tabelle sind die wichtigsten Einnahmequellen sowie Ausgabeposten zu entnehmen. Die staatliche Förderung, vor allem bei der Anschaffung der Fahrzeuge, ist von den betroffenen Kommunen und Ländern abhängig.

Abb. 1: Beispiele der Finanzieungsmöglichkeiten und Ausgaben bei Bürgerbussen.

Zur gegenwärtigen Zeit stellt Nordrhein-Westfalen mit weit mehr als 100 Bürgerbussen das größte Angebot aller Bundesländer. In [PNRW11] kann man Informationen aus erster Hand erhalten.

Momentan werden in Deutschland knapp 300 Bürgerbusse betrieben. Auffallend sind die Disparitäten zwischen den einzelnen Bundesländern, vor allem zwischen den Neuen und den Alten Bundesländern (Tabelle 1).


Tab. 1: Bürgerbusse in den einzelnen Bundesländern. Entnommen aus [Nah16a]

Damit sich ein Bürgerbus auch tatsächlich rentiert, gibt es für die Anzahl der Benutzer und die erforderlichen Arbeitsstunden grobe Anhaltewerte. So sollte der Verein pro Monat etwa zwischen 300 und 3000 Fahrgäste befördern, dem etwa jährlich 4500 Arbeitsstunden, wie beispielsweise Lenkzeiten oder organisatorische Tätigkeiten, gegenüberstehen. [LLB14]

Für die Umsetzung des Bürgerbusses gibt es schlussendlich mehrere Betriebskonzepte aus Nordrhein-Westfalen. In manchen Regionen, wie in St. Tönis, ergänzt der Bürgerbus das bereits bestehende öffentliche Verkehrsnetz, indem ein Übergang zur Straßenbahn realisiert wurde. In Sundern und Hünxe ersetzt der Bürgerbus am Wochenende sogar den klassischen Linienbus und in der Stadt Essen verkehrt dieser sogar in die Stadt.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Bahnverkehr, öffentlicher Stadt- und Regionalverkehr, Prof. Dr.-Ing. R. König
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Differenzierte Bedienung auf dem Lande (Stand des Wissens: 15.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?14413
Literatur
[BMVBS09k] Bundesverkehrsministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (Hrsg.) Handbuch zur Planung flexibler Bedienungsformen im ÖPNV, 2009
[LLB14] Dipl.-Ing. Gerhard Löcker, Dipl.-Geogr. Werner Linnenbrink, Dipl.-Geogr. Stefan Bendrien Bürgerbusse: Von der wachsenden Bedeutung des Ehrenamtes im ÖPNV, veröffentlicht in Der Nahverkehr, Ausgabe/Auflage 7-8, 2014
[Nah16a] Dipl.-oec. Jürgen Burmeister Der Bürgerbus: Engagement der besonderen Art, veröffentlicht in Der Nahverkehr, Ausgabe/Auflage Heft 10, Oktober, 2016/10
[NVBW15] Bürgerbus Baden-Württemberg, 2015
[PNRW11] Pro Bürgerbus NRW, 2011
Glossar
Pkw
Personenkraftwagen (Pkw): Pkw sind nach der Richtlinie 70/156/EWG Fahrzeuge mit mindestens vier Rädern und dienen der Beförderung von maximal 9 Personen (inklusive Fahrzeugführer). Pkw dürfen nur auf den dafür vorgesehenen Verkehrsflächen geführt werden.
Bürgerbus
Ein Bürgerbus kann vor allem im ländlichen Raum die Beförderung der Fahrgäste übernehmen. Dabei stellt ein Verein das Fahrzeug und die ehrenamtlich tätigen Fahrer.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?459837

Gedruckt am Donnerstag, 18. Juli 2019 04:59:01