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Digitale Infrastrukturen für verkehrsspezifische Anwendungen

Erstellt am: 10.06.2015 | Stand des Wissens: 21.01.2019
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck

Die intelligente Vernetzung der vielfältigen Infrastrukturelemente und Akteure innerhalb des Gesamtsystems Verkehr bietet erhebliche Potenziale zur effizienten Nutzung bestehender Kapazitäten, indem Verkehrsströme über verschiedenste Maßnahmen des Verkehrsmanagements optimiert werden können. Dies ist insbesondere vor dem Hintergrund erforderlich, dass der Ausbau neuer Verkehrswege mit erheblichen Kosten verbunden und darüber hinaus auch nicht mit einem weiteren extensiven Ausbau bestehender Verkehrsräume zu rechnen ist. Demgegenüber steht das Verkehrssystem vor der Herausforderung, ständig steigende Verkehrsaufkommen zu bewältigen. So ging die "Gleitende Mittelfristprognose für den Güter- und Personenverkehr vom Winter 2017/18" [BMVI18o] davon aus, dass die Gesamttransportleistung im Güterverkehr 2018 um 1,4 Prozent gegenüber 2017 ansteigen und sich diese bis 2021 0,3 Prozent [BMVI18o, S. 28] erhöhen wird. Dabei wird das größte absolute wie relative Wachstum für den Straßenverkehr prognostiziert. Im Personenverkehr wurde für 2018 mit einer Steigerung um 1,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr gerechnet und von einem weiteren Wachstum bis 2021 um jährlich 1,3 Prozent [BMVI18o, S. 45] ausgegangen. Die Straßeninfrastruktur wird bezogen auf die absoluten Personenkilometer auch hier am stärksten belastet werden.
Paragraph 2 des Intelligente Verkehrssysteme Gesetzes [IVSG13] versteht unter dem Begriff der Intelligenten Verkehrssysteme "Systeme, bei denen Informations- und Kommunikationstechnologien im Straßenverkehr und an Schnittstellen zu anderen Verkehrsträgern eingesetzt werden". Andere Quellen, wie [Bitk12a], sprechen in diesem Zusammenhang auch von intelligenten Verkehrsnetzen, die Verkehrssysteme und Verkehrsteilnehmer miteinander aber auch untereinander verbinden. Diese ermöglichen ein aktives Verkehrsmanagement, das Verkehrsflüsse vorausschauend steuert sowie eine Erhöhung der Verkehrssicherheit in der Güterlogistik und im Personenverkehr ermöglicht. Voraussetzung hierfür ist eine intelligente kommunikative Vernetzung sowohl von Fahrzeug und Fahrer, von Fahrzeugen untereinander als auch von Fahrzeugen und der Verkehrsinfrastruktur. So helfen beispielsweise Navigations- und Verkehrswarnanwendungen, Staus zu reduzieren sowie Zeit und Kraftstoff einzusparen [Berg13].
Voraussetzung für derartige Lösungen im Verkehrsbereich ist jedoch der Auf- und Ausbau leistungsfähiger digitaler Infrastrukturen und deren intelligente Vernetzung, die wiederum wesentliche Treiber für

-  Wachstumsimpulse durch neuartige Produkte und Dienstleistungen,
-  das Entstehen neuer Märkte mit erheblicher Wachstumsdynamik und
-  Effizienzsteigerungen durch die intelligente Koordination und Steuerung,
-  die Optimierung der Prozessabläufe sowie
-  den effizienteren Ressourceneinsatz in modernen Volkswirtschaften

sind. Dies wird ergänzt durch den gesellschaftlichen Nutzen einer verbesserten Lebensqualität und somit eines gesteigerten Alltagskomforts [Bitk12a]. Digitale intelligente Netze sind dabei ein effektiver Hebel, um die Basisinfrastrukturen, wie sie auch Verkehrsnetze darstellen, für die dynamisch wachsenden Anforderungen der Zukunft zu rüsten und die Leistungsfähigkeit der bestehenden Infrastrukturen zu erhöhen. Hier gilt es, ursprünglich isolierte Technologien und Infrastrukturelemente (zum Beispiel Verkehrsinfrastruktur und Fahrzeuge oder Verknüpfung von Energie- und Verkehrssystem im Bereich der Elektrofahrzeuge) zu koordinieren und deren Zusammenwirken zu gewährleisten [Berg13].
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Digitale Infrastrukturen für verkehrsspezifische Anwendungen (Stand des Wissens: 21.08.2021)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?451631
Literatur
[Berg13] Roland Berger Strategy Consultants GmbH Best-Practice-Studie Intelligente Netze, 2013/12
[Bitk12a] Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V., Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung, Prof. Dr. M. Wietschel (Hrsg.) Gesamtwirtschaftliche Potenziale intelligenter Netze in Deutschland, 2012
[BMVI18o] Bundesamt für Güterverkehr (BAG), SSP Consult Beratende Ingenieure GmbH Gleitende Mittelfristprognose für den Güter- und Personenverkehr - Mittelfristprognose Winter 2017/18, Waldkirch/Köln, 2018/2
Weiterführende Literatur
[BMVI20e] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (Hrsg.) Digitale Technologien konsequent entwickeln und anwenden, 2020/08/13
Glossar
Personenkilometer
Die Einheit Personenkilometer [Pkm] beschreibt die im Rahmen einer Personenbeförderung erbrachte Verkehrsarbeit. Diese definiert sich als Produkt der Verkehrsmenge (Summe der beförderten Personen) und der von dieser dabei zurückgelegten Wegstrecke in km.
Verkehrsarbeit [Pkm] = Verkehrsmenge [P] * Wegstrecke [km]

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?450421

Gedruckt am Montag, 20. September 2021 16:26:22