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Auswirkungen auf Wettbewerb, Innovation und Netzinvestitionen

Erstellt am: 09.06.2015 | Stand des Wissens: 06.07.2020
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck

Befürworter einer qualitätsdifferenzierten Übertragung von Datenpaketen verweisen auf die effizienzsteigernde Wirkung von "Quality-of-Service" (QoS)-Technologien: Durch ihren Einsatz ist es in Überlastsituationen möglich, Echtzeitanforderungen bestimmter Dienste zu berücksichtigen und diese zu priorisieren. Es sind also Netzeffizienzsteigerungen möglich, da die tatsächlichen Auswirkungen von Schwankungen der Netzqualität und gleichzeitig das Vorhalten von teuren Reservekapazitäten ("overprovisioning") reduziert werden kann [Kruse11]. Für die Telekommunikationsunternehmen bietet die Bildung und Vermarktung unterschiedlicher Qualitätsklassen die Möglichkeit, an den Gewinnen der Dienste- und Inhalteanbieter in stärkerem Maße zu partizipieren. Aus Sicht der Telekommunikationsunternehmen und auch aus volkswirtschaftlicher Sicht hätte eine gewisse Abschöpfung der Gewinne der Dienste- und Inhalteanbieter den positiven Effekt, diese stärker an den Infrastrukturkosten zu beteiligen [FePe12, S. 777]. Von einer Qualitätsdifferenzierung werden daher die folgenden Vorteile erwartet [MoKo11a, S. 96]:
  • Profit- und Wohlfahrtsteigerungen,
  • Minderung von Stauproblemen und
  • Erhöhung der Investitionsanreize für den Ausbau der Breitbandnetze und deren Weiterentwicklung.
Auf der anderen Seite verweisen Kritiker auf das Missbrauchspotential solcher QoS-Technologien durch eine gezielte Diskriminierung: Insbesondere wird befürchtet, dass  Netzbetreiber Anreize besitzen, dem Best-Effort-Internet vorhandene Ressourcen zu entziehen oder sie gar aus strategischen Gründen gezielt zu verschlechtern oder ganz zu blockieren, um sowohl Inhalteanbieter als auch Endkunden auf eigene, kostenpflichtige Dienste mit garantierten Übertragungsqualitäten umzulenken [MoKo13, S. 65]. Dies könnte insbesondere den Wettbewerb auf der Diensteebene negativ beeinflussen, da Internetprovider oftmals gleichzeitig zu ihrem Zugangsgeschäft auf der Dienstebene eigene Dienstleistungen (wie etwa Videostreaming) anbieten. Befürchtet werden auch negative Auswirkungen auf die Innovationskraft von (neuen) Dienstanbietern, da nur große und finanzkräftige Anbieter einen qualitätsgesicherten Zugang zu Endkunden hätten. Folgende Nachteile durch eine differenzierte Datenübertragung werden somit geäußert [MoKo11a]:
  • Möglichkeit einer Verschlechterung von bestimmten Anwendungen und Diensten aus strategischen Gründen,
  • Negative Auswirkungen auf die Innovationskraft des Internets und neuer Internetdienste und
  • Umverteilung von Erlösen von Diensteanbietern hin zu Netzbetreibern.
Die wohlfahrtsökonomischen Auswirkungen von Netzneutralitätsregelungen sind somit sehr vielschichtig [Schu10]. Für eine abschließende Bewertung aus gesamtwirtschaftlicher Sicht kommt es auf konkreten die Marktverhältnisse, Geschäftsmodelle und die weitere technische Entwicklung an [FePe12, S. 783].
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Diskussion um die Beibehaltung oder Einschränkung der Netzneutralität (Stand des Wissens: 20.02.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?451241
Literatur
[FePe12] Fetzer, T., Peitz, M., Schweitzer , H. Die Netzneutralitätsdebatte aus ökonomischer Sicht, veröffentlicht in Wirtschaftsdienst, Ausgabe/Auflage Volume 92, Issue 11, November 2012, 2012/11/22
[Kruse11] Kruse, J. Ökonomische Grundlagen des Wettbewerbs im Internet , veröffentlicht in Zeitschrift für Wirtschaftspolitik, Ausgabe/Auflage 60(2), 2011, 2011/07
[MoKo11a] Monopolkommission Sondergutachten 61: Telekommunikation 2011: Investitionsanreize stärken, Wettbewerb sichern, 2011/12/15
[MoKo13] Monopolkommission Sondergutachten 66: Telekommunikation 2013: Vielfalt auf den Märkten erhalten, 2013/12
[Schu10] Schuett, F. Network Neutrality: A Survey of the Economic Literature, veröffentlicht in Review of Network Economics, Ausgabe/Auflage Band 9, Heft 2, 2010/06

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?450104

Gedruckt am Dienstag, 6. Dezember 2022 00:57:04