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Diskussion um die Beibehaltung oder Einschränkung der Netzneutralität

Erstellt am: 09.06.2015 | Stand des Wissens: 17.02.2019
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch

Aufgrund des in den letzten Jahren rasant gestiegenen Datenvolumens, der gestiegenen Rolle des Internets für Wirtschaft und Gesellschaft und der Etablierung zahlreicher Telekommunikationsdienste mit hohen Qualitätsanforderungen erwägen Betreiber von Breitbandnetzen eine qualitätsdifferenzierte Übertragung von Datenpaketen einzuführen.
Bisher erfolgt die Datenübertragung über das Internet nach dem "Best-Effort-Prinzip", nach dem übertragene Daten unabhängig von ihrem Inhalt, ihrem Verwendungszweck, ihrer Herkunft oder dem Empfänger gleich behandelt werden. Datenpakete werden also unabhängig von ihren Qualitätsanforderungen und somit "neutral" übertragen [KrWi13, S. 795].
Die Netzbetreiber treten dafür ein, dass eine stärkere Differenzierung nach Qualitätsstufen erfolgen soll und diese auch unterschiedlich bepreist werden sollen. Aus der Vermarktung von Prioritäten insbesondere an Diensteanbieter können neue Geschäftsmodelle resultieren; diese Erträge könnten dann auch zur Finanzierung von Breitbandinvestitionen eingesetzt werden.
Unter dem Stichwort "Netzneutralität" wird derzeit intensiv diskutiert, ob eine derartige qualitätsdifferenzierte Datenübertragung zulässig sein sollte, oder eine strikte regulatorische Festschreibung der Netzneutralität und somit des Best-Effort-Prinzips erforderlich ist. Kritiker verweisen bei einer qualitätsdifferenzierten Datenübertragung insbesondere auf ein mögliches Diskriminierungspotential durch Telekommunikationsunternehmen und negative Auswirkungen auf die Innovationskraft des Internets.
Die wohlfahrtsökonomischen Auswirkungen von Netzneutralitätsregelungen sind insgesamt sehr vielschichtig. In Deutschland existieren aktuell keine festen regulatorischen Vorgaben in Bezug auf qualitätsdifferenzierte Datenübertragungsdienste durch Betreiber von Breitbandnetzen.
Ansprechpartner
Bauhaus-Universität Weimar, Professur Verkehrssystemplanung, Prof. Dr.-Ing. Plank-Wiedenbeck
Karlsruher Institut für Technologie (KIT), Institut für Volkswirtschaftslehre (ECON), Prof. Dr. Kay Mitusch
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Diskussion um die Beibehaltung oder Einschränkung der Netzneutralität (Stand des Wissens: 20.02.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?451241
Literatur
[KrWi13] Krämer, J., Wiewiorra, L., Weinhardt, C. Net neutrality: A progress report, veröffentlicht in Telecommunications Policy, Ausgabe/Auflage Volume 37, Issue 9, October 2013, 2013

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?450098

Gedruckt am Donnerstag, 24. September 2020 03:32:03