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Bedeutung der Gefahrgutlogistik in Deutschland

Erstellt am: 09.06.2015 | Stand des Wissens: 23.10.2016
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. T. Blecker

Die Bedeutung der Gefahrgutlogistikfür die Verkehrssysteme in Deutschland ist statistisch für Verkehrsträger und Gefahrgutklassen erfasst. Insgesamt wurden im Jahr 2012 auf deutschen Straßen, Schienen und Wasserwegen circa 298 Millionen Tonnen Gefahrgüter transportiert. Dies entspricht einem Anteil von 7 Prozent am gesamten deutschen Güterverkehrsaufkommen [Dest14ba].

Die größte Menge wurde im Straßengüterverkehr befördert (140 Millionen Tonnen), gefolgt von Gefahrgütern, die mit Schienenverkehrsfahrzeugen transportiert wurden (58 Millionen Tonnen). Auf den Seeverkehr entfielen Gefahrguttransporte von insgesamt 52 Millionen Tonnen. Hierbei wurden in Deutschland ein- oder ausgeladene Gefahrgüter erfasst. Binnenschiffe beförderten 48 Millionen Tonnen Gefahrgüter. Damit ergibt sich folgender Modal Split für die gesamte Gefahrguttonnage; knapp die Hälfte der Gefahrgüter (circa 47 Prozent) werden auf Straßen transportiert, 19 Prozent der Gefahrguttransporte erfolgten mit der Bahn, 18 Prozent über See und 16 Prozent mit Binnenschiffen (siehe Abbildung 1) [Dest14ba].


GGnachVT.jpgAbb. 1: Gefahrgutaufkommen in Deutschland nach Verkehrsträgern im Jahr 2012 [Dest14ba]

Der Anteil an Gefahrgut am Gesamtaufkommen der einzelnen Verkehrsträger schwankt erheblich. In der Binnenschifffahrt ist der Gefahrgutanteil mit 21 Prozent am höchsten. Es folgt die Seeschifffahrt mit 18 Prozent, der Schienengüterverkehr (16 Prozent) und der Straßengüterverkehr mit nur 4 Prozent.

Gefahrgüter werden gemäß den Vereinten Nationen verkehrsträgerübergreifend in neun Gefahrgutklassen eingeteilt (siehe Abbildung 2). Diese Gefahrgutklassen werden in Gefahrgut-Vorschriften für die einzelnen Verkehrsträger übernommen. Für den Straßenverkehr sind die Gefahrgutklassen im [ADR] (Europäisches Übereinkommen über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße), für die Binnenschifffahrt im ADN (Europäisches Übereinkommen über die internationale Beförderung von gefährlichen Gütern auf Binnenwasserstraßen) [ADN00], für den Schienenverkehr im [RID] (Ordnung für die internationale Eisenbahnbeförderung gefährlicher Güter), für den Luftverkehr in den [ICAO-TI] (Technische Anweisung für die sichere Beförderung gefährlicher Güter im Luftverkehr) und im Seeverkehr im IMDG Code (Code für die Beförderung gefährlicher Güter mit Seeschiffen) [IMDG] verankert.


GGKlassen.jpgAbb. 2: Gefahrgutklassen gemäß den Vereinten Nationen [ReECDangGo]

Aufgegliedert nach Gefahrgutklassen zeigt sich eine starke Ungleichverteilung der transportierten Gefahrgutmengen. Der Großteil der Gefahrguttransporte in Deutschland sind Beförderungen von Gütern der Gefahrgutklasse 3 zu der zum Beispiel Rohöl, Benzin und Dieselkraftstoff gerechnet werden. Das Gesamttransportaufkommen dieser entzündbaren flüssigen Stoffe machte im Jahr 2012 verkehrsträgerübergreifend etwa 200 Millionen Tonnen und damit rund 67 Prozent der deutschen Gefahrguttonnage aus. In absoluten Werten kommt dieser Gefahrgutklasse im Straßengüterverkehr die höchste Bedeutung zu. Mit 88 Millionen Tonnen waren 63 Prozent aller straßengebundenen Gefahrguttransporte Beförderungen von Gütern der Gefahrgutklasse 3. Relativ betrachtet ist diese Gefahrgutklasse allerdings in der See- und Binnenschifffahrt noch stärker vertreten: Etwa 81 Prozent (42 Millionen Tonnen) der in der Seeschifffahrt und 74 Prozent (35 Millionen Tonnen) der in der Binnenschifffahrt beförderten Gefahrgüter waren Güter der Gefahrgutklasse 3. Auf die Schiene entfielen 59 Prozent (34 Millionen Tonnen) der Gefahrgutbeförderungsmenge auf die Gefahrgutklasse 3 [Dest14ba].

Gase (Gefahrgutklasse 2) waren mit 27 Millionen Tonnen und einem Anteil von 9 Prozent die zweitwichtigste Gefahrenklasse im deutschen Gefahrguttransport. In absoluten Werten kommt auch dieser Gefahrenklasse im Straßenverkehr die höchste Bedeutung zu (16 Millionen Tonnen). In prozentualen Werten hatten Gase den höchsten Mengenanteil im Straßenverkehr (11 Prozent), jedoch nur knapp vor den Eisenbahntransporten (10 Prozent).

Am dritthäufigsten wurden mit 25 Millionen Tonnen (8 Prozent der Gefahrgutmenge) "Ätzende Stoffe" (Gefahrgutklasse 8) transportiert. Einen Gesamtüberblick bietet Abbildung 3 [Dest14ba].


GGnachKlassen.jpgAbb. 3: Gefahrgutaufkommen in Deutschland im Jahr 2012 nach Gefahrgutklasse [Dest14ba]

Aus den zentralen Schutzzielen des Gefahrgutrechts (Schutz von Bevölkerung und Umwelt) leitet sich ein Interesse bei Unfällen von Gefahrguttransporten ab. Diese sind gemäß der verkehrsträgerspezifischen Gefahrgut-Verordnungen [ADR], ADN [ADN00] und [RID] meldepflichtig. In Abbildung 4 sind die Transportleistung, die Anzahl an meldepflichtigen Gefahrgutunfällen im Straßen-, Schienen- und Binnenschiffverkehr in den Jahren 2011 und 2012 und deren Verhältnis dargestellt. Im Straßengüterverkehr kommt es zu den meisten Unfällen. Auch im Verhältnis zur Transportleistung geschehen hier überproportional viele Unfälle.


LeistungUnfaelle.jpgAbb. 4: Transportleistung und Anzahl Gefahrgutunfälle in Deutschland in den Jahren 2011 und 2012 nach Verkehrsträger [Dest14ba; GeLa14]

Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. T. Blecker
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Gefahrgutlogistik im Spannungsfeld gegensätzlicher Anforderungen (Stand des Wissens: 07.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?450386
Literatur
[ArIs08] Arnold, D., Isermann, H., Kuhn, A., Furmans, K., Tempelmeier, H. Handbuch Logistik, Ausgabe/Auflage 3., neu bearbeitete Auflage, Springer-Verlag / Berlin Heidelberg, 2008, ISBN/ISSN 3540729283
[Dest14ba] Destatis Gefahrguttransporte, veröffentlicht in Fachserie 8 Reihe 1.4, Ausgabe/Auflage 2006-2012, 2014/12/12
[GeGu12] Das bisschen Gefahrgut, veröffentlicht in Gefahr/gut, Ausgabe/Auflage 10, 2012/09/21
[GeLa14] Den Behörden gemeldete Gefahrgutunfälle in Deutschland, veröffentlicht in Gefährliche Ladung, Ausgabe/Auflage 05/2014, 2014/05
Rechtsvorschriften
[ADN00] ADN 2000
[ADR] Gesetz zu dem Protokoll vom 28. Oktober 1993 zur Änderung des Europäischen Übereinkommens vom 30. September 1957 über die internationale Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße (ADR)
[ICAO-TI] ICAO-Annex 18: The Safe Transport of Dangerous Goods by Air
[IMDG] IMDG-Code (International Maritime Code for Dangerous Goods)
[ReECDangGo] UN Model Regulations - UN Recommendations on the Transport of Dangerous Goods - Model Regulations
[RID] Ordnung für die internationale Eisenbahnbeförderung
gefährlicher Güter
Glossar
Schienengüterverkehr
Unter Schienengüterverkehr (SGV) wird der Transport von Gütern mit der Eisenbahn verstanden. Diese werden in Güterzügen unter Verwendung (spezieller) Güterwagen befördert. Diese Verkehre können entweder auf gesonderten Güterverkehrsstrecken oder im Mischverkehr, auf gemeinsam durch den Güter- und Personenverkehr genutzten Strecken, realisiert werden. Leistungen des Schienengüterverkehrs werden häufig als Teil einer Logistikkette in logistische Gesamtkonzepte eingebunden.
Modal Split
Modal Split wird in der Verkehrsstatistik die prozentuale Verteilung des Personen- und Güterverkehrs auf verschiedene Verkehrsmittel (Modi) genannt. Der Modal Split ist Folge des Mobilitätsverhaltens der Menschen und der wirtschaftlichen, insbesondere der verkehrlichen Entscheidungen von Unternehmen.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?449982

Gedruckt am Dienstag, 4. August 2020 07:17:19