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Intermodalität - Begriffsbestimmung Weg, Wegekette und Etappen

Erstellt am: 19.05.2015 | Stand des Wissens: 04.06.2018
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Unter dem Begriff Intermodalität ist die "Nutzung und damit Kombination verschiedener Verkehrsmittel im Verlauf eines Weges" zu verstehen [Nobis14, S. 21] (siehe hierzu auch Synthesebericht "Charakterisierung und Zusammenhänge von Multi- und Intermodalität"). Charakteristisch für intermodales Verkehrsverhalten ist demnach die Verkettung von Verkehrsmitteln auf einem Weg. Die Nutzung mehrerer Verkehrsmittel auf einem Weg erfolgt in der Regel durch die Kombination von Rad oder Personenkraftwagen (Pkw) und Öffentlichem Verkehr (ÖV) (Park&Ride, Bike&Ride) [vgl. Interde10, S. 29].
Unter einem Weg wird die "Ortsveränderung einer Person von einem Ausgangspunkt zu einem Ziel, bei Benutzung von Verkehrsmitteln einschließlich Zu- und Abgang" [FGSV12e, S. 25] verstanden. Nach [SrV13a, S. 11] ist ein Weg immer durch genau einen Zweck definiert. Damit sind nach [SrV13a, S. 11; infas10d, S. 17] der Hin- und Rückweg zwischen zwei Orten zwei Wege.
Aus der Verkettung von Aktivitäten und damit der Aneinanderreihung von Ortsveränderungen (Wegen) ergeben sich sogenannte Aktivitäten- respektive Wegeketten. So ist die Abfolge "Arbeiten --> Einkaufen --> Wohnen" eine beispielhafte Verkettung von Aktivitäten mit insgesamt zwei Wegen ("Arbeiten -->  Einkaufen" + "Einkaufen --> Wohnen") für eine werktätige Person [vgl. SrV13a, S. 13]. Eine Wegekette,  die "[...] als ersten und letzten Zweck die Aktivität "Wohnen" aufweist, wird als Ausgang bezeichnet" [SrV13a, S. 13]. Für das zuvor genannte Beispiel der werktätigen Person würde die Verkettung "Wohnen --> Arbeiten -->  Einkaufen --> Wohnen" mit insgesamt drei Wegen ("Wohnen --> Arbeiten" + "Arbeiten --> Einkaufen" + "Einkaufen --> Wohnen") einem Ausgang entsprechen.
"Erfolgt auf dem Weg zu einem Ziel der Umstieg zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln, so bleibt es weiterhin ein Weg (mit mehreren Etappen)" [infas10d, S. 17]. Ein Weg kann demnach aus mehreren Etappen bestehen [vgl. SrV13a, S. 11]. Da die Etappe folglich eine ohne Unterbrechung mit dem gleichen Verkehrsmittel zurückgelegte Teilstrecke der Ortsveränderung (des Weges) ist, ist unter anderem die Bestimmung der Anzahl der Etappen auf einem Weg entscheidend, um Aussagen über intermodales Verkehrsverhalten treffen zu können.
Die Etappe mit dem hauptsächlich genutzten Verkehrsmittel (Hauptverkehrsmittel) bestimmt den Modal Split für den gesamten Weg [vgl. SrV13a, S. 13]. Somit bleiben viele Etappen zu Fuß oder mit dem Rad (Bike&Ride) beim Modal Split unberücksichtigt.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Chrakterisierung und Zusammenhänge von Multi- und Intermodalität (Stand des Wissens: 04.06.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?447105
Literatur
[FGSV12e] Hanke, H., Braam, W., Breitenstein, J., Habermehl, K., Herber, F.-R., Stephan, R. R., Wetterling, K. Begriffsbestimmungen - Teil: Verkehrsplanung, Straßenentwurf und Straßenbetrieb, Ausgabe/Auflage FGSV-Nr. 220, FGSV-Verlag, Köln, 2012
[infas10d] Follmer, R., Gruschwitz, D., Jesske, B., Quandt, S., Nobis, C., Köhler, K. Mobilität in Deutschland 2008. Nutzerhandbuch, Bonn/Berlin, 2010, 2010/02
[Interde10] TU Dresden, Lehrstuhl Verkehrs- und Infrastrukturplanung, Prof. Dr.-Ing. G.-A. Ahrens, Ahrens, Gerd-Axel, Aurich, Tanja, Böhmer, Thomas, Klotzsch, Jeannette, Pitrone, Anne Interdependenzen zwischen Fahrrad- und ÖPNV-Nutzung. Analysen, Strategien und Maßnahmen einer integrierten Förderung in Städten, 2010
[Nobis14] Nobis, C. Multimodale Vielfalt - Quantitative Analyse multimodalen Verkehrshandelns, Berlin, 2014
[SrV13a] Ließke, F., Wittwer, R., Hubrich, S., Wittig, S. Methodenbericht zum Forschungsprojekt "Mobilität in Städten - SrV 2013", Dresden, 2014/10
Weiterführende Literatur
[KIT11] Institut für Verkehrswesen, Karlsruhe Institute for Technology (KIT), Zumkeller, Prof. Dr.-Ing. Dirk, Chlond, Dr.-Ing. Bastian, Kagerbauer, Dr.-Ing. Martin, Kuhnimhof, Dr.-Ing. Tobias, Wirtz, Dipl.-Ing. Matthias Deutsches Mobilitätspanel (MOP) - wissenschaftliche Begleitung und erste Auswertungen, 2011/01/18
[SrV08] TU Dresden, Lehrstuhl Verkehrs- und Infrastrukturplanung, Prof. Dr.-Ing. G.-A. Ahrens, Ließke, F., Wittwer, S., Hubrich, S. (Hrsg.) Endbericht zur Verkehrserhebung "Mobilität in Städten - SrV 2008" und Auswertungen zum SrV-Städtepegel, Dresden, 2009/12
[infas10a] DLR - Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt, Institut für Verkehrsforschung, infas Institut für angewandte Sozialwissenschaft , Follmer, R., Gruschwitz, D., Jesske, B., Quandt, S., Lenz, B., Nobis, C., Köhler, K., Mehlin, M. Mobilität in Deutschland 2008 (MiD 2008) - Ergebnisbericht Struktur - Aufkommen - Emissionen - Trends, 2010/02
[SrV13] Wittwer, R., Hubrich, S., Wittig, S., Ließke, F. Sonderauswertung zum Forschungsprojekt "Mobilität in Städten - SrV 2013". Städtevergleich, Dresden, 2015/05
[Wae01] van der Waerden, P., Borgers, A., Timmermans, H. The role of cycling in multi-modal trip chains, Ausgabe/Auflage Proceedings of the Velo-City Conference, 2001
Glossar
ÖV
Der Öffentliche Verkehr (ÖV) ist sowohl im Personen-, Güter- sowie Nachrichtenverkehr für jeden Nutzer der Volkswirtschaft öffentlich zugänglich. Dazu zählen die öffentliche Personenbeförderung, der öffentliche Gütertransport als auch öffentliche Telekommunikations- und Postdienste. Der ÖV wird dabei von Verkehrsunternehmen, nach festgelegten Routen, Preisen und Zeiten durchgeführt. Der ÖV ist somit im Gegensatz zum Individualverkehr (IV) örtlich und zeitlich gebunden.
Vor dem Hintergrund der verkehrspolitisch geförderten "Multimodalität" wird der ÖV zunehmend breiter definiert, indem auch "Alternative Bedienformen", Taxen bis hin zu öffentlichen Fahrrädern und öffentlichen Autos als Teil eines neuen individualisierten ÖV gesehen werden.
Pkw
Personenkraftwagen (Pkw): Pkw sind nach der Richtlinie 70/156/EWG Fahrzeuge mit mindestens vier Rädern und dienen der Beförderung von maximal 9 Personen (inklusive Fahrzeugführer). Pkw dürfen nur auf den dafür vorgesehenen Verkehrsflächen geführt werden.
Modal Split Modal Split wird in der Verkehrsstatistik die prozentuale Verteilung des Personen- und Güterverkehrs auf verschiedene Verkehrsmittel (Modi) genannt. Der Modal Split ist Folge des Mobilitätsverhaltens der Menschen und der wirtschaftlichen Entscheidungen von Unternehmen.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?447056

Gedruckt am Freitag, 19. Juli 2019 23:25:42