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Kundenfreundliche Vernetzungserfordernisse und -potenziale multimodaler Mobilitätsangebote

Erstellt am: 18.05.2015 | Stand des Wissens: 07.06.2018
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Mit den neuen multimodalen Mobilitätsdienstleistungen ist der Mobilitätsmarkt insgesamt wesentlich facettenreicher und multioptionaler geworden. Das Smartphone entwickelt sich dabei als "[...] elektronische[s] Ticket-, Informations- und Buchungsmedium [...]" [FoPS15/16, S. 2] zum persönlichen und individuellen Mobilitätsassistenten. Durch beispielsweise die Verknüpfung von Öffentlichem Personennahverkehr (ÖPNV), Carsharing sowie öffentlichen Fahrrädern oder Pedelecs können Wege und Fahrtzwecke auch ohne den Besitz eines privaten Fahrzeugs mit hoher Flexibilität komfortabel und kostengünstig realisiert werden [vgl. Stopka15, S. 7].
Die Integration neuer Mobilitätsdienstleistungen in den ÖPNV ist ein wesentlicher Faktor, um in Ballungsräumen die Bindung an einen privaten Pkw deutlich zu reduzieren (vgl. [SoMu13]). Die wichtigsten Anforderungen aus Kundensicht sind dabei (vgl. [FoPS15/16]; [Stopka15]; [Pess16]):
  • systemische Integration: ein "echtes" Verbundprodukt mit hohem Grad der Vernetzung zwischen den einzelnen Mobilitätsangeboten,
  • monetäre Vorteile des Verbundprodukts gegenüber den einzelnen Nutzungen,
  • breites Angebot: besonders komfortable oder kostengünstige Optionen müssen zur Verfügung stehen, um alle Zielgruppen zu erreichen sowie
  • schneller Zugriff: Information, Buchung, Nutzung, Bezahlung und Abrechnung ohne komplexe Prozesse und unnötige Bedienschritte (insbesondere bei Verifizierung und Freigabe innerhalb intermodaler Wegeketten).
Nach [Pess16] ist die überregionale Mobilitätsnachfrage für viele ÖPNV-Nutzer das Haupthindernis, den eigenen Pkw abzuschaffen. Die Kunden wünschen sich in Bezug auf die Integration von Langstreckenmobilität in das Portfolio insbesondere:
  • sichere Verfügbarkeiten und 
  • Preisobergrenzen statt einer festen preislichen Integration in das Verbundprodukt. Ein erster Ansatz in dieser Richtung ist in Hamburg im Angebot switchh mit der Integration des Partners Europcar zu beobachten.
Zu den wichtigen Kundenanforderungen gehört auch die Unabhängigkeit des Angebots und der Nutzbarkeit vom Besitz internetfähiger Geräte. In Deutschland haben im Jahr 2017 schätzungsweise 20 Prozent der Bevölkerung ab einem Alter von 14 Jahren kein Smartphone genutzt [vgl. BITK17]. Dieser Anteil ist in der älteren Bevölkerung (65 Jahre und älter) noch wesentlich höher.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Vernetzte Mobilität im Personenverkehr (Stand des Wissens: 07.06.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?447113
Literatur
[BITK17] Dr. Hannes Ametsreiter Smartphone-Markt: Konjunktur und Trends, 2017/02/22
[FoPS15/16] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, Referat G 11, Grundsatzfragen der Forschung, Entwicklung, Forschungsförderung Aufstellung des Forschungsprogramms zur Verbesserung der Verkehrsverhältnisse in den Gemeinden (FoPS 2015/2016), Bonn, 2014/06/12
[Pess16] TU Dresden, Professur für Kommunikationswirtschaft, Prof. Dr. Ulrike Stopka, Pessier, René Von Nutzenanforderungen zu Geschäftsmodellen für integrierte Mobilitätsangebote, veröffentlicht in Mobilität & Kommunikation: Intermodalität heute und morgen - intelligente Vernetzung von ÖPNV, Auto, Rad & Co., Ausgabe/Auflage 2018, 2016
[SoMu13] Sommer, C., Mucha, E. Multimodale Angebote zur Ergänzung des klassischen Nahverkehrs, veröffentlicht in Der Nahverkehr. Öffentlicher Personenverkehr in Stadt und Region, Ausgabe/Auflage 6/2013, 31. Jahrgang, Alba Fachverlag, Düsseldorf, 2013/06, ISBN/ISSN 0722-8287
[Stopka15] TU Dresden, Professur für Kommunikationswirtschaft, Prof. Dr. Ulrike Stopka, Stopka, U. Sharing Economy und kollaborative Mobilität, veröffentlicht in Mobilität und Kommunikation. Öffentlicher und Individualverkehr - wie finden sie zusammen?, Dresden, 2015/01/29
Glossar
Carsharing
Der Begriff CarSharing stammt aus dem Englischen (car= Auto, to share= teilen) und kann sinngemäß mit der Bedeutung "Auto teilen" übersetzt werden. Er beschreibt die organisierte, gemeinschaftliche Nutzung von Kraftfahrzeugen, die meist von Unternehmen gegen Gebühr bereitgestellt werden.
Durch einen Rahmenvertrag oder eine Vereinsmitgliedschaft erhalten Kunden flexiblen Zugriff auf alle Kfz eines Anbieters. Die Fahrzeuge können über eine Webseite oder über eine Smartphone-App gebucht werden. Geöffnet werden sie in der Regel mit Hilfe von Chipkarten oder durch ein Zugangscode vermittelt über die Smartphone-App.
Bei dem System des stationsbasierten CarSharing stehen die Fahrzeuge auf reservierten Stellplätzen und werden nach der Nutzung auch wieder dorthin zurückgebracht. Ein anderes Modell ist das free-floating CarSharing. Hier stehen die Fahrzeuge in einem definierten Operationsgebiert verteilt. Sie können per Smartphone geortet werden und nach der Nutzung auf einem beliebigen Stellplatz innerhalb des Operationsgebiets zurückgegeben werden.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?446804

Gedruckt am Freitag, 25. September 2020 13:12:39