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Einordnung und Begründung des Themas

Erstellt am: 05.03.2015 | Stand des Wissens: 28.01.2019
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten

Die Wissenslandkarte "Grundlagen des Supply Chain Management" führt nachfolgend in die Gestaltung unternehmerischer Produktions- und Logistiknetzwerke ein. Obwohl dieses Thema auf den ersten Blick vorrangig unternehmensinterne Implikationen zu haben scheint, ist es direkt und indirekt auch gesamtwirtschaftlich relevant und von verkehrspolitischer Bedeutung. Dies liegt daran, dass sich an ökonomisch-technischen Effizienz- und Effektivitätskriterien orientierte unternehmerische Strategien und Entscheidungen und die Zusammensetzung, die Struktur und die Abwicklung des Verkehrs gegenseitig bedingen [Flä14, S. 26]. Neben den ökonomischen Auswirkungen von Engpässen in den Verkehrssystemen und steigenden Energiekosten ergeben sich auch soziale und ökologische Folgen. Soziale Auswirkungen resultieren beispielsweise aus der Trennwirkung von Verkehrssystemen oder Verkehrsunfällen. Zu den ökologischen Folgen zählen zum Beispiel Luft- und Lärmemissionen des Fahrzeugverkehrs sowie Flächenverbrauch für Anlagen und Infrastruktur [Flä14, S. 26].

Unternehmen stehen vor der Herausforderung, dass sie flexibel und reaktionsschnell auf Nachfragen reagieren müssen, wodurch ebenfalls eine Einhaltung von Liefermengen und -terminen erforderlich ist. Beachtlich ist jedoch, dass mit der zunehmenden Globalisierung der Wirtschaft auch die Transportwege länger werden. Folglich muss mit einer großen Anzahl an Kunden und Lieferanten International zusammengearbeitet werden. Diese Aufgaben müssen in der Supply Chain koordiniert und geplant werden, um einen möglichst hohen Erfolg erreichen zu können [Witt14a, S.2].

Abbildung 1 illustriert zunächst den Zusammenhang zwischen der gewählten Wettbewerbsstrategie eines Unternehmens und der Ausgestaltung der logistischen Grundfunktionen [Cho10]. In Abhängigkeit von der Wettbewerbsstrategie zielt die Supply Chain Strategie eines Unternehmens darauf ab, eine angemessene Balance zwischen Reaktionsfähigkeit und Effizienz in der gesamten Wertschöpfungskette herzustellen. Wie gut dies gelingt, wird von den logistischen Treibern Einrichtungen, Bestände und Transport beeinflusst. Anpassungen des logistischen Systems müssen daher schon auf der Ebene der Wettbewerbsstrategie ansetzen [Flä14, S. 31].

Zusammenhang von Wettbewerbsstrategie und Logistik Abb. 1: Zusammenhang von Wettbewerbsstrategie und Logistik [in Anlehnung an Flä14, Cho10]
(Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)

Die unternehmerische Gestaltung der inner- und zwischenbetrieblichen Logistik hat wiederum direkte Auswirkungen auf das Gütertransportsystem. Die Logistik ist einem stetigen Rationalisierungsdruck unterworfen, was unter anderem zum Outsourcing logistischer Leistungen und zu zeitintensiven Transporten führt. Noch dazu ermöglicht der starke Wettbewerb in der Transportbranche geringe Transportkosten und einen weiteren Ausbau der Produktions- und Handelsbeziehungen von Unternehmen [Flä14, S. 25f.]. Als Resultat wachsen das Aufkommen und die Entfernungen der Transporte und damit das gesamte Transportvolumen weiter an. Dieses unternehmerisch verursachte Transportvolumen bildet gemeinsam mit dem Personenverkehr das Verkehrsvolumen. Der Umfang des Verkehrsvolumens wiederum bedingt die entstehende Umweltwirkung und den Ressourcenverbrauch. Abbildung 2 zeigt Ansatzpunkte für verkehrspolitische, aber auch unternehmerische Maßnahmen zur Beeinflussung des Verkehrsvolumens und damit der Umweltwirkungen.

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Abb. 2: (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)(Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)

Es zeigt sich in Abbildung 2 jedoch auch, dass wesentliche Reduktionspotenziale nur durch das operative Supply Chain Management des Handels und der Industrie genutzt werden können [Flä14, S. 35]. Entsprechend ist es für die Konzeption und Bewertung verkehrspolitischer Maßnahmen von Bedeutung, die unternehmerische Perspektive der Gestaltung von Supply Chains zu verstehen und zu berücksichtigen.
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Grundlagen des Supply Chain Management (Stand des Wissens: 07.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?439336
Literatur
[Cho10] Sunil Chopra, Peter Meindl Supply Chain Management: Strategy, Planning and Operation, Ausgabe/Auflage 4. Auflage, Pearson / New Jersey, 2010
[Flä14] Heike Flämig Logistik und Nachhaltigkeit, veröffentlicht in Corporate Social Responsibility in der Logistikbranche, Erich Schmidt Verlag, 2014
[Witt14a] Andreas Witt Grundlagen des Supply Chain Management, Springer Vieweg, Wiesbaden , 2014/05/01, ISBN/ISSN 978-3-658-03653-9
Glossar
Supply Chain Management Supply Chain Management lässt sich vereinfacht als Abfolge oder Kette von Aktivitäten beschreiben, um Kunden und/oder Märkte erfolgreich zu bedienen - also effizienter und effektiver zu arbeiten. Zu diesem Zweck werden die Ketten in einem - und zwischen Unternehmen ganzheitlich betrachtet. Durch diesen Überblick sollen sich die "Supply Chains" aktiv, durchschaubar und über verschiedene Unternehmensbereiche hinweg, gestalten lassen. Als Supply Chains zählen einerseits die Verflechtung des Materialflusses innerhalb eines Unternehmens (z.B.: Produktion, Lagerung, Transport) sowie zwischen Unternehmen (z.B.: Milchbauer, Großhändler, Joghurthersteller, Einzelhandel, Kunde). Weitere Supply Chains im Sinne des SCM sind Informationsflüsse und Geldströme.
Supply Chain Als Supply Chain (Liefer- oder Wertschöpfungskette) bezeichnet man ein organisationsübergreifendes Netzwerk, welches als Gesamtsystem Güter für einen bestimmten Markt hervorbringt. Die heutigen Supply Chains sind aufgrund der Vielzahl von beteiligten Zulieferern, Dienstleistern und Kunden - die wiederum an anderen Supply Chains beteiligt sein können - sehr komplexe, interdependente Gebilde. Treffender müsste daher eine Supply Chain, aufgrund der häufig vorkommenden netzwerkartigen Struktur der zusammenarbeitenden Unternehmen, als "Supply Network" bezeichnet werden.
Outsourcing Beim Outsourcing (Fremdvergabe) werden Aufgaben oder Dienstleistungen, die nicht zum Kerngeschäft eines Unternehmens gehören, ausgelagert, das heißt an externe Unternehmen abgegeben. Die Ausgliederung von Logistikaktivitäten ist die häufigste Form des Outsourcings. Das Wort leitet sich von 'outside' und 'resourcing' ab.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?444642

Gedruckt am Donnerstag, 19. September 2019 10:23:17