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Innovationstreiber im Supply Chain Management

Erstellt am: 19.02.2015 | Stand des Wissens: 07.02.2018
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. T. Blecker

Innovationstreiber
Die Verbreitung des SCM ist auf verschiedene wirtschaftliche Entwicklungen zurückzuführen. Als Innovationstreiber des SCM agieren vor allem die zunehmende Zergliederung der Wertschöpfungskette, der erhöhte Wettbewerbsdruck, der zunehmende Einfluss der Kapitalmärkte sowie die Entwicklung einer leistungsfähigen Informations- und Kommunikationstechnologie.

Die in den letzten Jahren zu beobachtene Rückbesinnung vieler Unternehmen auf ihre Kernkompetenzen führt dazu, dass ein einzelnes Unternehmen nur noch einen kleinen Anteil zum Gesamtwertschöpfungsprozess beiträgt. Dies, und die zunehmend weltweite Verteilung der Wertschöpfungspartner, führen zu einem enormen Bedarf an unternehmensübergreifender Koordination. Der gleiche Globalisierungsgedanke führt durch eine Marktzugänglichkeit internationaler Wettbewerber außerdem zu einem angestiegenen Wettbewerbsdruck hinsichtlich Kosten, Zeit und Qualität. Die Optimierung der Supply Chain kann dabei wertvolle Potenziale zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit aufdecken. Weiterhin ermöglicht SCM, welches ursprünglich als Methode zur Bedarfsglättung und Bestandssenkung entstanden ist, einen erheblichen Beitrag zur Optimierung von Kapazitäts- und Bestandsmanagement, da die Höhe des eingesetzten Kapitals immer mehr in den Fokus der Unternehmen und deren Wettbewerbsfähigkeit rückt. Voraussetzung für die erfolgreiche Umsetzung des SCM ist die rasante Entwicklung von Informations- und Kommunikationstechnologien, die viele unternehmensübergreifende Prozesse und Aktivitäten des SCM erst ermöglichen. Beispielhaft hierfür ist die sogenannte Lean-Production-Bewegung der 90er Jahre. Viele Unternehmen legten den Fokus auf die unternehmensinterne Optimierung, indem sie maßgeblich auf die Implementierung von Enterprise Resource Planning-Systemen (ERP) setzten. Als logische Weiterführung versuchen die Unternehmen nun unternehmensübergreifende Optimierungspotenziale zu erschließen, indem Material-, Informations- und Geldflussprozesse weiter verbessert werden. [BuDa02, S.4-5]
Auch die notwendige Lösung des Bullwhip-Effekts stellt einen Innovationstreiber für das SCM dar. Der Bullwhip-Effekt beschreibt das Problem der Nachfrageverzerrung und- aufschaukelung in unternehmensübergreifenden Versorgungsketten. Daher gilt es, mittels SCM Verbesserungen durch unternehmensübergreifende Optimierungsansätze voranzutreiben. [Göpf02, S.33-36]
Weitere Treiber des SCM sind die Vorteile, die sich die beteiligten Akteure von einer Partnerschaft im Sinne des SCM versprechen. Diese bestehen zum Beispiel in der Erhöhung des Serviceniveaus für die Endkunden. Es wird eine gemeinsame Planung und ein effizienterer Datenaustausch zwischen den Unternehmen, eine durchgängige Kostensenkung durch abgestimmte Prozesse und Produktionspläne sowie ein einem verbesserten Informationsaustausch, erreicht. Darüber hinaus müssen Unternehmen aufgrund der sich laufend ändernden Wettbewerbssituation die Fähigkeit entwickeln, sich laufend anpassen und weiterentwickeln zu können. Dies soll unter anderem durch die Eliminierung nicht wertschöpfender Zwischenglieder und höherer Transparenz der Prozesse erzielt werden. Letztendlich besteht der maßgebliche Treiber des Supply Chain Managements in dem erhofften wirtschaftlichen Erfolg für die beteiligten Unternehmen. [Proc01, S.50-55, S.217-223]
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. T. Blecker
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Grundlagen des Supply Chain Management (Stand des Wissens: 07.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?439336
Literatur
[BuDa02] Busch, Axel , Dangelmaier, Wilhelm Integriertes Supply Chain Management - ein koordinationsorientierter Überblick, veröffentlicht in Integriertes Supply Chain Management. Theorie und Praxis effektiver unternehmensübergreifender Geschäftprozesse, Ausgabe/Auflage 1. Auflage, Galber Verlag / Wiesbaden, 2002, ISBN/ISSN 3-409-11958-2
[Göpf02] Göpfert, Ingrid Einführung, Abgrenzung und Weiterentwicklung des Supply Chain Managements, veröffentlicht in Integriertes Supply Chain Management. Theorie und Praxis effektiver unternehmensübergreifender Geschäftprozesse, Ausgabe/Auflage 1.Auflage, Gabler Verlag / Wiesbaden, 2002, ISBN/ISSN 3-409-11958-2
[Proc01] Prockl, G. Supply Chain Management als Gestaltung überbetrieblicher Versorgungsnetzwerke - Eine Verdichtung von Prinzipien zur "Strukturation" von Versorgungsnetzen und Ansätze zur theoretischen Hinterfragung, Ausgabe/Auflage Edition Logistik, Band 2, Deutscher Verkehrs-Verlag, Hamburg, 2001, ISBN/ISSN 3-87154-268-7
Glossar
Enterprise Resource Planning Ein Enterprise Resource Planning (ERP) System disponiert und plant systematisch die Aufträge und versucht so eine optimale Auslastung der Unternehmensressourcen zu erreichen. Der Begriff hat sich insbesondere durch die in diesem Zusammenhang entwickelten Softwaresysteme, wie zum Beispiel SAP und Baan, verbreitet (Supply Chain Software).
Supply Chain Management Supply Chain Management lässt sich vereinfacht als Abfolge oder Kette von Aktivitäten beschreiben, um Kunden und/oder Märkte erfolgreich zu bedienen - also effizienter und effektiver zu arbeiten. Zu diesem Zweck werden die Ketten in einem - und zwischen Unternehmen ganzheitlich betrachtet. Durch diesen Überblick sollen sich die "Supply Chains" aktiv, durchschaubar und über verschiedene Unternehmensbereiche hinweg, gestalten lassen. Als Supply Chains zählen einerseits die Verflechtung des Materialflusses innerhalb eines Unternehmens (z.B.: Produktion, Lagerung, Transport) sowie zwischen Unternehmen (z.B.: Milchbauer, Großhändler, Joghurthersteller, Einzelhandel, Kunde). Weitere Supply Chains im Sinne des SCM sind Informationsflüsse und Geldströme.
Kernkompetenz Die Fokussierung auf Kernkompetenzen (engl. Core competence) ist die Beschränkung der Unternehmensaktivitäten auf das wesentliche Geschäft, in der Regel verbunden mit dem Herauslösen gewinnreduzierender Aktivitäten, die auf spezialisierte Unternehmen übertragen werden, z. B. die Übertragung (Outsourcing) der Logistikfunktionen auf einen Dienstleister.
Supply Chain Als Supply Chain (Liefer- oder Wertschöpfungskette) bezeichnet man ein organisationsübergreifendes Netzwerk, welches als Gesamtsystem Güter für einen bestimmten Markt hervorbringt. Die heutigen Supply Chains sind aufgrund der Vielzahl von beteiligten Zulieferern, Dienstleistern und Kunden - die wiederum an anderen Supply Chains beteiligt sein können - sehr komplexe, interdependente Gebilde. Treffender müsste daher eine Supply Chain, aufgrund der häufig vorkommenden netzwerkartigen Struktur der zusammenarbeitenden Unternehmen, als "Supply Network" bezeichnet werden.
Bullwhip-Effekt Der Bullwhip-Effekt bzw. die Forrester-Aufschaukelung beschreibt ein Phänomen, bei der bereits kleine Auftrags- und Lagerbestandsschwankungen auf Einzelhandelsstufe großvolumige Schwankungen auf den nachgelagerten Versorgungsstufen in unternehmensübergreifenden Wertschöpfungsketten verursachen. Die Gründe für diese unerwünschte Aufschaukelung bestehen insbesondere in der verzögerten Übermittlung und Verarbeitung der Auftragsinformationen, der verzögerten Fertigung und Auslieferung der Produkte sowie im Vorhalten von lokalen Bestands- und Sicherheitsreserven. Auf diese Weise werden Bestellmengen der Endkunden, über den Handel, die Hersteller bis hin zu den Lieferanten und Vorlieferanten immer weiter aufgeschaukelt.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?443567

Gedruckt am Sonntag, 19. Mai 2019 14:24:34