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Transportmengensteigerung auf Hauptabfuhrstrecken

Erstellt am: 01.09.2014 | Stand des Wissens: 31.01.2019
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn

In den vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI, früher BMVBS) im November 2010 veröffentlichten, überarbeiteten "Aktionsplan Güterverkehr und Logistik" wurde die Maßnahme 2 H, "Durchführung eines Feldversuchs mit langen Güterzügen" aufgenommen. "Mit der neuen Maßnahme soll geprüft werden, ob wesentliche Kapazitätssteigerungen ohne nennenswerte Infrastrukturerweiterungen praktikabel sind" [BMVBS10p, S. 24]. Der Feldversuch soll[te] verlässliche Erkenntnisse beim Transport größerer Gütermengen mit über 750 Meter langen Güterzügen liefern [BMVBS10p, S. 24]. Im Auftrag des Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) und betreut durch die DB Systemtechnik werden seit 2006 die genannten Feldversuche im Rahmen der dreistufigen Projektreihe "Längere Güterzüge" durchgeführt [Schu09b, S. 12].
Hintergrund für die Untersuchung von möglichen Transportmengensteigerungen durch sogenannte [über]lange Güterzüge ist das Ziel, das zum Teil bereits eingetretene beziehungsweise weiterhin zu erwartende Wachstum im Schienengüterverkehr (Prognose 2010 bis 2030: + 17 Prozent) auf den bestehenden Beziehungsweise moderat zu ertüchtigenden Schienengüterverkehrskorridoren (Abbildung 1) abwickeln zu können [DBAG13b, S. 4; BMWI07b, S. 2 ff.]. Unter Beibehaltung der Zuganzahl und bei gleichzeitiger Steigerung der Transportmenge mit Hilfe langer Güterzüge sollen die Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit des Schienengüterverkehrs erhöht und seine Rentabilität gesteigert werden [Schu09b, S. 12 ff.]; erreicht werden soll dies durch den effizienteren Einsatz der vorhandenen [Infrastruktur]ressourcen.

Abb. 1: Netzkonzeption 2030 der DN Netz AG mit GüterverkehrskorridorenAbbildung 1: Netzkonzeption 2030 der DB Netz AG mit Güterverkehrskorridoren [DBAG13b, S. 5] (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)

Die erste Stufe der Projektreihe "Längere Güterzüge" wurde mit der Aufnahme des Regelbetriebs 835 Meter langer Güterzüge zwischen Padborg (Dänemark) und dem Zugbildungsbahnhof Maschen (südlich von Hamburg) im Dezember 2012 abgeschlossen. Laut Betreiber, der DB Mobility Logistics AG, konnte in einer Auswertung der ersten, zwischen Dezember 2009 und Februar 2014 erfolgten 500 Fahrten von überlangen Zügen eine Zunahme der Zugauslastung um 22 Prozent und des Transportvolumens um 25 Prozent festgestellt werden. Das Unternehmen teilte mit, dass der Betrieb der 835 Meter langen Güterzüge ökonomisch wie auch ökologisch erfolgreich sei [DBAG14h]. Wegen des großen Erfolges der überlangen Güterzüge auf dieser Relation, wurde sie bis zum Hafenbahnhof Hohe Schaar des Hamburger Hafens erweitert, sodass die überlangen Züge jetzt direkt aus dem Hamburger Hafen fahren können [DBNe15a].
Für die zweite und dritte Stufe ist - nach Angaben des BMWi - bei einem 1.000-m-Zug (GZ 1000) im Vergleich zu einem 740 Meter langen Güterzug (35 Wagen, 105 TEU) eine Erhöhung der Transportleistung um etwa 45 Prozent (+15 Wagen, +45 TEU) anvisiert, bei einem 1.500-m-Zug sogar eine Steigerung um rund 100 Prozent (+35 Wagen, + 105 TEU) [BMWI07b, S. 4]. Im Rahmen des GZ-1000-Projekts fuhr die Deutsche Bahn zusammen mit der DB Netz AG und dem niederländischen Netzbetreiber KeyRail bereits Ende November 2009 zwei rund 1.000 Meter lange Güterzüge mit 44 beziehungsweise 41 Containerwagen zwischen Oberhausen und Rotterdam. Beide Züge hatten ein Bruttogesamtgewicht von etwa 2.400 Tonnen. Gegenwärtig im deutschen Schienennetz eingesetzte Güterzüge haben dagegen ein Gesamtgewicht von bis zu 1.600 Tonnen [t], Züge des kombinierten Verkehrs (KV) durchschnittlich 1.050 Tonnen und rund 500 Meter Länge [DBAG09p, S. 7; FiSc12, S. 43; Stuh13a, S. 154].
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Maritime Logistik, Prof. Dr.-Ing. C. Jahn
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Lange Güterzüge: Nutzenpotenziale und Umsetzungshemmnisse (Stand des Wissens: 12.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?436768
Literatur
[BMVBS10p] Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (Hrsg.) Aktionsplan Güterverkehr und Logistik - Logistikinitiative für Deutschland, 2010/11
[BMWI07b] o.A. GZ 1000 - Betrieb mit längeren Güterzügen, Berlin, 2007
[DBAG09p] o. A. "GZ1000" soll Platz für mehr Güter schaffen, veröffentlicht in NetzNachrichten, Ausgabe/Auflage 1/2009, Frankfurt am Main, 2009/03
[DBAG13b] o. A. Netzkonzeption 2030 - Zielnetz der DB Netz AG für die Schieneninfrastruktur im Jahr 2030, Frankfurt am Main, 2013/10
[DBAG14h] o. A. 835 Meter lange Güterzüge ökologisch und ökonomisch erfolgreich, Berlin, 2014/02/18
[DBNe15a] Seit 2016 verkehren 835 m lange Güterzüge auch aus dem Hamburger Hafen, 2016
[FiSc12] Fiedler, Joachim, Scherz, Wolfgang Bahnwesen - Planung, Bau und Betrieb von Eisenbahnen, S-, U-, Stadt- und Straßenbahnen, Werner Verlag, Köln, 2012
[Schu09b] Schulte-Werning, B. Entwicklungsperspektiven für effektivere Zugauslastung, Duisburg, 2009/04/20
[Stuh13a] Stuhr, J. Untersuchung von Einsatzszenarien einer automatischen Mittelpufferkupplung, Berlin, 2013/02/26
Glossar
Twenty-foot equivalent unit Zwanzig-Fuß-Äquivalente-Einheit (Twenty-foot Equivalent Unit). Eine statistische Hilfsgröße auf der Basis eines 20-Fuß-ISO-Containers (6,10 m Länge) zur Beschreibung von Verkehrsströmen oder -kapazitäten. Ein genormter 40'-ISO-Container der Reihe 1 entspricht 2 TEUs.
Schienengüterverkehr
Unter Schienengüterverkehr (SGV) wird der Transport von Gütern mit der Eisenbahn verstanden. Diese werden in Güterzügen unter Verwendung (spezieller) Güterwagen befördert. Diese Verkehre können entweder auf gesonderten Güterverkehrsstrecken oder im Mischverkehr, auf gemeinsam durch den Güter- und Personenverkehr genutzten Strecken, realisiert werden. Leistungen des Schienengüterverkehrs werden häufig als Teil einer Logistikkette in logistische Gesamtkonzepte eingebunden.
Zugbildungsbahnhof
Zugbildungsbahnhöfe (Zbf) gehören - im Gegensatz zu den Personen- und Güterbahnhöfen - zu den sog. Betriebsbahnhöfen. Es handelt sich dabei um systeminterne, nicht öffentlich zugängliche Bahnhöfe des Produktionssystems des Schienengüterverkehrs. Dazu zählen Rangierbahnhöfe (Rbf) und Knotenpunktbahnhöfe.
BMVI Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (bis 10/2005 auch BMVBW und bis 12/2013 BMVBS)
Kombinierter Verkehr
Intermodaler Verkehr, bei dem der überwiegende Teil der in Europa zurückgelegten Strecke mit der Eisenbahn, dem Binnen- oder Seeschiff bewältigt und der Vor- und Nachlauf auf der Straße so kurz wie möglich gehalten wird.
BMWi Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie erarbeitet Rahmenbedingungen zur Stärkung der Robustheit und Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?436561

Gedruckt am Freitag, 20. September 2019 07:29:56