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Bekleidungshandel

Erstellt am: 29.07.2014 | Stand des Wissens: 16.02.2022
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten

Der Bekleidungseinzelhandel in Deutschland setzte im Jahr 2019 circa 67,2 Milliarden Euro um [Stat19o]. Umsatzstärkster Textilhändler war die Otto Group mit einem Umsatz von 4,7 Milliarden Euro, gefolgt von H&M mit einem Nettoumsatz von 3,17 Milliarden Euro [Stat19z].

Die Logistikstrukturen im Bekleidungshandel lassen sich in sieben verschiedene Typen kategorisieren (siehe Abb. 1). Dazu wird zwischen einer Fertigung im In- oder Ausland und zwischen verschiedenen Arten der Konsolidierung von Warenströmen unterschieden [Buc98, S. 91-94]. Kleinere Bekleidungseinzelhändler beziehen ihre Waren in der Regel über den Großhandel und spezialisierte Logistikdienstleister, während große Handelsketten die gesamte Logistikkette von der Produktion bis in die Filialen steuern.

Logistikstrukturen im BekleidungshandelAbb. 1: Logistikstrukturen im Bekleidungshandel [Buc98, S. 92] (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)
Der Fertigungsprozess im Bekleidungshandel erfolgt stufenweise. Er beginnt mit der Kollektionsentwicklung und Auftragsannahme, welche zur Beschaffung führen. Danach erfolgen Konfektion (Verdoppelung), Kommissionierung, Qualitätskontrolle und abschließend die Distribution. Die Hauptaufgabe liegt jedoch in der Kollektionsentwicklung, da diese ausschlaggebend für den Erfolg ist [Disp09]. Im Vergleich zur gesamten Handelsbranche zeichnet sich der Bekleidungshandel durch kurze Produktlebenszyklen und vorrangig asiatische Beschaffungsmärkte aus [Zent13, S. 805f.]. Der Produktlebenszyklus eines Bekleidungsstücks (der Zeitraum von der Markteinführung bis zur Entfernung von Markt) beträgt häufig nur wenige Monate. Im sogenannten Junge Mode Segment, das beispielsweise von den Einzelhandelsketten H&M und Zara besetzt wird, wechselt das (Teil-)Sortiment sogar monatlich [Swo12; Zent13, S. 824].

Viele Textilunternehmen haben ihre Herstellung aufgrund der hohen Arbeitsintensität in Niedriglohnländer verlegt. Daraus resultiert, dass die Fertigung üblicherweise nicht in Deutschland stattfindet und rund 98 Prozent der Umsätze aus internationaler Herstellung stammen. In Deutschland sind Tätigkeiten wie Entwicklung, Design, Einkauf, Marketing, Vertrieb, Logistik und Verwaltung angelegt [Disp09, S. 3]. Gleichzeitig ist der Bekleidungshandel durch den Fokus auf asiatische Beschaffungsmärkte von langen Vorlaufzeiten bei Bestellungen geprägt. Präzise Nachfrageprognosen werden neben der Dynamik der Modetrends zusätzlich durch unvorhersehbare Witterung, Angebote der Konkurrenzunternehmen und Konjunkturschwankungen erschwert [Buc98, S. 90f.]. Die zukünftige Entwicklung des Bekleidungshandels wird sein, dass der stationäre Handel vor allem von kleineren Modehändlern stagnieren oder zurückgehen wird. Wohingegen erwartet wird das der Onlinehandel von Textilien immer weiter zunehmen wird und damit zur Reduktion des stationären Modehandels beiträgt [Hofs17]. Außerdem ist der Trend zu verzeichnen, dass große Modehändler immer größere Umsätze auf sich vereinen, zulasten der kleineren Anbieter im Bekleidungshandel [Hofs17].
Ansprechpartner
Technische Universität Hamburg, Institut für Logistik und Unternehmensführung, Prof. Dr. Dr. h.c. W. Kersten
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Branchenspezifische Logistik (Stand des Wissens: 26.07.2022)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?286059
Handelslogistik (Stand des Wissens: 16.02.2022)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?415841
Literatur
[Buc98] Jonas Buchholz (Hrsg.) Handbuch der Verkehrslogistik, Springer, 1998, ISBN/ISSN 3-540-64517-9
[Disp09] Jürgen Dispan Bekleidungswirtschaft
Untersuchung zur Situation und Entwicklung
der Branche Bekleidungsgewerbe, 2009/03/31
[Hofs17] Hofstetter, Markus Textil - Branchenreport Ausgabe 2017, 2017/11/06
[Stat19o] Statistisches Bundesamt Bruttoumsatz mit Textilien und Bekleidung im Einzelhandel in Deutschland in den Jahren 2007 bis 2018, 2019/12
[Stat19z] TextilWirtschaft (Hrsg.) Umsatz der führenden Unternehmen im Textileinzelhandel in Deutschland im Jahr 2018, 2019/09
[Swo12] Bernhard Swoboda Neuorientierung von Wettbewerbsstrategien im Handel, veröffentlicht in Handbuch Handel: Strategien - Perspektiven - Internationaler Wettbewerb, Springer, 2012, ISBN/ISSN 978-3-8349-3423-9
[Zent13] Joachim Zentes, Bernhard Swoboda, Dirk Morschett, Hanna Schramm-Klein Handbuch Handel: Betriebs- und Vertriebstypen , Ausgabe/Auflage 2. Auflage, Springer, 2013
Glossar
Logistikdienstleister Logistikdienstleister (abgekürzt: LDL; Englisch: logistics service provider) bezeichnet die Weiterentwicklung des traditionellen Speditionsgeschäfts. Über Transport, Umschlag und Lagerung (TUL) hinaus bietet der LDL weitere Leistungen und Lösungen an, zum Beispiel kundenbezogene Lagerung, Kommissionierung, Assemblierung, Fakturierung usw. LDL und 3PL werden häufig synonym verwendet.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?434264

Gedruckt am Freitag, 12. August 2022 10:55:47