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Akteure und Zielgruppen im Mobilitätsmanagement

Erstellt am: 23.04.2014 | Stand des Wissens: 11.07.2019
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Damit Mobilitätsmanagement (MM) erfolgreich ist, benötigt es Akteure, die MM initiieren, andere Akteure motivieren beziehungsweise entsprechende politische, rechtliche, finanzielle und organisatorische Rahmenbedingungen für das MM schaffen sowie umsetzen. Diese können aus verschiedenen Bereichen kommen:
  • öffentliche Hand, wie Bund, Länder, Kommunen oder Kooperationen,
  • Mobilitätsdienstleister, wie Verkehrsunternehmen, -verbünde oder Car-Sharing-Anbieter,
  • Verkehrserzeuger, wie Betriebe, Schulen oder Wohnungsunternehmen,
  • Akteure mit spezifischen Interessen, wie Verbünde, Krankenkassen oder Berufsgenossenschaften [ReutKem2012].
Wie Abbildung 1 zeigt, lassen sich die am MM Beteiligten in Akteure und Zielgruppen unterteilen. Akteure können jedoch auch bestimmte Zielgruppen von Verkehrsteilnehmern sein. Jeder Akteur kann ein MM in seinem Wirkungsbereich umsetzen. Beispielsweise waren Krankenhäuser, Schulen oder Unternehmen mit ihren speziellen Problemlagen Vorreiter und haben die Initiative für MM-Maßnahmen ergriffen.
Akteure und Zielgruppen.pngAbbildung 1: Akteure und Zielgruppen des Mobilitätsmanagements[ReutKem2012; BMVBS09w]
Zentrale Bedeutung kommt den öffentlichen Akteuren der Verkehrspolitik wie den Gebietskörperschaften, Bund, Länder und Kommunen zu. Sie definieren die "rechtlichen Rahmenbedingungen, sind für die Infrastruktur und Verkehrsangebote verantwortlich und schaffen damit die Grundlagen für ein wirksames Mobilitätsmanagement" [ReutKem2012, S. 22]. Den Kommunen kommt eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung des MM zu, da sie die Probleme am besten kennen und die entscheidenden Kontakte zu den relevanten Akteuren haben. Auch der Einsatz des Instruments MM erfordert, wie bei der Verkehrsbeeinflussung, einen regionalen Ansatz, da sich Lebens- und Handlungsräume zunehmend regionalsieren.
Mobilitätsdienstleister wie Verkehrsunternehmen, -verbünde, Car-Sharing-Anbieter, Anbieter von Fahrradverleihsystemen und Taxiunternehmen sind wichtige Akteure, da sie die Alternativangebote zur Nutzung des eigenen Pkw am Markt schaffen. Durch geeignete Koordination der Angebote lassen sich komplette intermodale Wegeketten abdecken [ReutKem2012].
Eine wichtige Rolle für die Umsetzung und Akzeptanz von MM-Maßnahmen können die Akteure mit spezifischen Interessen spielen, zum Beispiel Gewerkschaften, Berufsgenossenschaften oder  Krankenkassen. Für wirtschaftliche Akteure können auch Motive der Gesundheitsförderung, des Imagegewinns oder der Reduzierung von Mobilitätskosten ein entscheidender Anlass für MM-Maßnahmen sein [ReutKem2012].
Verkehrserzeuger sind Akteure, durch deren Tätigkeit Verkehr entsteht, zum Beispiel Betriebe, Unternehmen, Schulen, Freizeiteinrichtungen, Verwaltungen, Wohnungsunternehmen, Kliniken oder Einkaufszentren. Verkehrserzeuger übernehmen zunehmend Verantwortung für den durch sie verursachten Verkehr. Einerseits profitieren sie selbst von den Maßnahmen des MM als Zielgruppe und können darüber hinaus als Akteur entsprechende Veränderungen bei Einstellungen und beim Mobilitätsverhalten bewirken [ReutKem2012].
In den letzten 15 Jahren haben sich laut [Schw17] durch neue Technologien wie zum Beispiel durch das Smartphone drei neue Akteursgruppen entwickelt. Es handelt sich um privatwirtschaftlich organisierte Unternehmen, die Produkte bereitstellen, welche Einfluss auf die Mobilität der Nutzer/innen haben. Die erste Gruppe handelt ausschließlich im Internet und vernetzt bereits vorhandene Mobilitätsangebote. Zu der Gruppe zählen Vermittler von Fahrgemeinschaften, Taxifahrten oder Verkehrsmitteln. Die Träger der zweiten Gruppe vermitteln Informationen zu bestehenden Mobilitätsangeboten sowie der Datengenerierung, die wichtig für Mobilitätsentscheidungen sind, wie beispielsweise Kartendienste und Routenplanungstools. Die dritte Akteursgruppe bietet veränderte Mobilitätsangebote. Sie beeinflussen das Mobilitätsverhalten durch veränderte Geschäftsmodelle, neue Verkehrsmittel oder durch die Änderung des regulatorischen Marktes.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Mobilitätsmanagement (Stand des Wissens: 12.07.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?20082
Literatur
[BMVBS09w] TÜV Rheinland Consulting GmbH Urbane Mobilität - Verkehrsforschung des Bundes für die kommunale Praxis, veröffentlicht in direkt, Ausgabe/Auflage Heft 65, Wirtschaftsverlag NW, Verlag für neue Wissenschaft GmbH, 2009, ISBN/ISSN 978-3-8509-880-1
[ReutKem2012] Ulrike Reutter, Herbert Kemming Mobilitätsmanagement -
eine historische, verkehrspolitische und planungswissenschaftliche Einordnung, veröffentlicht in Mobilitätsmanagement. Wissenschaftliche Grundlagen und Wirkungen in der Praxis, Klartext-Verlag Essen, 2012, ISBN/ISSN 978-3-8375-0474-3
[Schw17] Schwedens, Oliver Mobilitätsmanagement - Möglichkeiten und Grenzen verkehrspolitischer Gestaltung am Beispiel Mobilitätsmanagement, 2017/11
Weiterführende Literatur
[ILS2012] Mechtild Stiewe, Ulrike Reutter (Hrsg.) Mobilitätsmanagement
Wissenschaftliche Grundlagen und Wirkungen in der Praxis, Ausgabe/Auflage 1. Auflage, Klartext Verlag, Essen, 2012/08, ISBN/ISSN 978-3-8375-0474-3
[ILSISB00] Konsortium MOMENTUM und MOSAIC Mobilitätsmanagement Handbuch, Ausgabe/Auflage 1, Dortmund, Aachen, 2000, ISBN/ISSN 3-8176-1097-1
[Lou13] Conny Louen Wirkungsabschätzung von Mobilitätsmanagement
Ansatzpunkte zur Modellierung & Ableitung von Potentialen und Wirkungen am Beispiel des betrieblichen Mobilitätsmanagements, 2013/11, ISBN/ISSN 978-3-88354-166-2
Glossar
Pkw
Personenkraftwagen (Pkw): Pkw sind nach der Richtlinie 70/156/EWG Fahrzeuge mit mindestens vier Rädern und dienen der Beförderung von maximal 9 Personen (inklusive Fahrzeugführer). Pkw dürfen nur auf den dafür vorgesehenen Verkehrsflächen geführt werden.
Carsharing
Der Begriff CarSharing stammt aus dem Englischen (car= Auto, to share= teilen) und kann sinngemäß mit der Bedeutung "Auto teilen" übersetzt werden. Er beschreibt die organisierte, gemeinschaftliche Nutzung von Kraftfahrzeugen, die meist von Unternehmen gegen Gebühr bereitgestellt werden.
Durch einen Rahmenvertrag oder eine Vereinsmitgliedschaft erhalten Kunden flexiblen Zugriff auf alle Kfz eines Anbieters. Die Fahrzeuge können über eine Webseite oder über eine Smartphone-App gebucht werden. Geöffnet werden sie in der Regel mit Hilfe von Chipkarten oder durch ein Zugangscode vermittelt über die Smartphone-App.
Bei dem System des stationsbasierten CarSharing stehen die Fahrzeuge auf reservierten Stellplätzen und werden nach der Nutzung auch wieder dorthin zurückgebracht. Ein anderes Modell ist das free-floating CarSharing. Hier stehen die Fahrzeuge in einem definierten Operationsgebiert verteilt. Sie können per Smartphone geortet werden und nach der Nutzung auf einem beliebigen Stellplatz innerhalb des Operationsgebiets zurückgegeben werden.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?429793

Gedruckt am Mittwoch, 17. Juli 2019 04:24:11