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Batteriewechsel

Erstellt am: 28.02.2014 | Stand des Wissens: 30.11.2018
Ansprechpartner
Technische Universität Berlin, Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) - Prof. Dr. v. Hirschhausen, Prof. Dr. Beckers

Eine weitere Möglichkeit, die Batterie im Fahrzeug zu laden, ist das Konzept zum Austausch der Fahrzeugbatterie. Dafür sind Standards bzgl. der Batterie sowie der Batterieaufnahmen im Fahrzeug notwendig. Außerdem müssen entsprechende Batteriewechselstationen aufgebaut werden. Die Vorteile des Konzeptes liegen insbesondere in der auch im Vergleich zu Schnellladeverfahren hohen Austauschgeschwindigkeit einer (potenziell) vollständig geladenen Batterie. Per Batteriewechsel kann eine (nahezu) leere Batterie binnen weniger Minuten gegen eine zu 100 % gefüllte Fahrzeugbatterie getauscht werden und entspricht in der zeitlichen Länge und Planung etwa dem Tankverhalten für herkömmliche Verbrennungsmotoren, verglichen mit teils mehrstündigen Ladedauern der konduktiven Verfahren. Damit können insbesondere auf längeren Strecken Zwischenladungen nahezu ohne Zeitverlust erfolgen. Zudem könnten die Fahrzeuge günstiger verkauft und Akkus geleast werden. Neue Batteriegenerationen, die leistungsfähiger oder kleiner sind, könnten sukzessive in Umlauf gebracht werden.
Nachteile können vor allem in den Standardisierungserfordernissen gesehen werden. So ist es fraglich, ob sich eine Vielzahl von Fahrzeugherstellern auf Standards bzgl. der Batterieaufnahme im Fahrzeug einigen kann. Zudem geht der Aufbau von Batteriewechselstationen mit - im Vergleich zu "konventionellen" Ladeeinheiten - wesentlich höheren Kosten einher, so dass ein flächendeckender Aufbau von gleicher Qualität kaum als realistisch angesehen werden kann. Infolge der notwendigen Trennung von Nutzung und Besitz der Batterie wird davon ausgegangen, dass der Umgang mit den Batterien nicht so pfleglich sein würde; auch der häufige Tausch trüge zum schnelleren Verschleiß und somit zur geringeren Langlebigkeit der Batterie bei. Ein weiterer Nachteil kann kostenseitig vorliegen, da das Gesamtsystem pro Fahrzeug mehr als eine Batterie benötigt. Demgegenüber stehen potenzielle Mehreinnahmen durch die Verwendung der Batterie für energiewirtschaftliche Dienstleistungen [Kley11a, S. 12; DCTI10; NPE10].
Wesentlicher Treiber des Ladekonzeptes Batterietausch war das Unternehmen "Better Place", das in Pilotprojekten in Israel und Dänemark einige Batteriewechselstationen aufgebaut hat. Allerdings ist das Unternehmen mit seinem Geschäftsmodell gescheitert und musste in die Insolvenz gehen [Kuta15, S.130ff.].

Disclaimer: Dieser Synthesebericht stammt aus der Dissertation "Bereitstellung öffentlicher Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge - Eine ökonomische Analyse" von Justus Reinke, die am Fachgebiet für Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) der TU Berlin von Prof. Thorsten Beckers betreut wurde.
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Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Öffentliche Ladeinfrastruktur für Elektromobilität (Stand des Wissens: 04.12.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?426949
Literatur
[DCTI10] Martin Jendrischik, Jürgen Hüpohl eMobilität. Clean Tech-Branche. Treiber im Fokus, Ausgabe/Auflage Band 4, 2010/09/15, ISBN/ISSN 978-3-942292-10-8
[Kley11a] Kley, Fabian Ladeinfrastrukturen für Elektrofahrzeuge. Entwicklung und Bewertung einer Ausbaustrategie auf Basis des Fahrverhaltens., veröffentlicht in Fraunhofer ISI Schriftenreihe "Innovationspotenziale", Fraunhofer Verlag, Karlsruhe , 2011, ISBN/ISSN 978-3-8396-0302-4
[Kuta15] K. Kuta Making the World a Better Place
Fact or Fiction?, veröffentlicht in Entscheidungen beim Übergang in die Elektromobilität, Springer Fachmedien Wiesbaden, 2015/05
[NPE10] Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) Zwischenbericht der Nationalen Plattform Elektromobilität, Berlin, 2010
[Rein14] Justus Reinke Bereitstellung öffentlicher Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge - Eine ökonomische Analyse, 2014
Glossar
Geschäftsmodell
Ein Geschäftsmodell besteht allgemein aus den drei Hauptkomponenten Nutzenversprechen (value proposition), Architektur der Wertschöpfung und Ertragsmodell.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?426913

Gedruckt am Montag, 26. August 2019 00:12:12