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Förder- und Anreizsystem für die Elektromobilität

Erstellt am: 28.02.2014 | Stand des Wissens: 03.12.2018
Ansprechpartner
Technische Universität Berlin, Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) - Prof. Dr. v. Hirschhausen, Prof. Dr. Beckers

Die Rationalität für eine Förderung des Gesamtsystems Elektromobilität ergibt sich zunächst aus den Zielen der Bundesregierung in diesem Bereich. Da die Fahrzeugverkaufszahlen weiterhin aufgrund eingeschränkter Reichweite der Fahrzeugbatterien und vergleichsweise hoher Kosten, insbesondere durch fehlende Skalenvorteile in der Produktion, auf geringem Niveau stagnieren, ist in den kommenden Jahren ein deutlicher Aufschwung erforderlich, um die Ziele der Bundesregierung noch zu erreichen.
Die Förderung von Infrastrukturen ist grundsätzlich ökonomisch sinnvoller als Kaufprämien für Elektrofahrzeuge. Dies ist auch dadurch begründet, dass sich das Henne-Ei-Problem, das sich durch die fehlende Infrastruktur des Elektromobilitätssystems gegenüber der Installed Base des herkömmlichen auf Verbrennungsmotoren basierenden Systems ergibt, durch die Errichtung einer angemessenen Ladeinfrastruktur potentiell lösen lässt.
Die Motivation für ein Förder- und Anreizsystem ergibt sich zunächst durch die auf zentraler Ebene gewünschten Abdeckungseffekte. Die Vorteile des genannten Infrastrukturaufbaus ergeben sich nur bei einem flächendeckenden Aufbau von Ladeinfrastruktur, der zeitlich und räumlich koordiniert erfolgt. Durch die lokalen Unterschiede zwischen den einzelnen Kommunen ist der lokale Nutzen öffentlicher Ladeinfrastruktur oftmals gering, der Nutzen ergibt sich nur durch den ganzheitlichen Aufbau des Gesamtsystems. Zudem bedingt die Finanzknappheit einzelner Kommunen einen Fehlanreiz, die Investition zu verzögern um von einer vermuteten Kostenreduktion bei Planung und Aufbau zu profitieren. Weitere Gründe für ein Förder- und Anreizregime ergeben sich durch eine einheitliche Standardsetzung sowie die geringen volkswirtschaftlichen Kosten der Mittelerhebung auf zentraler Ebene. Die Vorzüge dezentraler Planung ergeben sich durch das lokale Know-How, was für die lokale Feinplanung der Ladeinfrastrukturen notwendig ist. Vor diesem Hintergrund ist ein zentrales Anreizsystem erforderlich, das die überregionalen Abdeckungseffekte unter Berücksichtigung der Konsequenzen für dezentrale Kapazitäten auf zentraler Ebene in die Entscheidung einbezieht. Die Finanzierung sollte über die zentrale Ebene sichergestellt werden, um die genannten Fehlanreize durch lokal eingeschränkte finanzielle Ressourcen zu umgehen. Für den Einbezug der dezentralen Entscheidungsträger im Rahmen des Förder- und Anreizsystems ergeben sich unterschiedliche, idealtypische Ausgestaltungsoptionen: Der Input-orientierte Ansatz, wie er im Rahmen des SIMONE-Ansatzes bevorzugt geprüft wird, ermittelt durch eine Kombination verschiedener, fest formulierter Regeln und Formeln eine Anzahl von Ladestationen in einem definierten Gebietstyp. Demgegenüber steht ein eher Output-orientiertes Vorgehen, welches mit Zielvorgaben und einem standardisierten Bewertungsverfahren, wie es analog auch im Rahmen des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes verwendet wird, arbeitet. Dieses Verfahren führt zu einer stärkeren Berücksichtigung lokaler Besonderheiten, bedingt aber durch die flexiblere Vorgehensweise auch höhere Transaktionskosten im Kontext der Bewertung als das vorher beschriebene Input-orientierte Vorgehen [PTV15].
Ansprechpartner
Technische Universität Berlin, Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) - Prof. Dr. v. Hirschhausen, Prof. Dr. Beckers
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Öffentliche Ladeinfrastruktur für Elektromobilität (Stand des Wissens: 04.12.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?426949
Literatur
[PTV15] Annette Kindl, Inga Luchmann, Nora Szabo Simone, Bedarfsorientiertes Verfahren zur Planung von Ladeinfrastruktur, 2015/12
[Rein14] Justus Reinke Bereitstellung öffentlicher Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge - Eine ökonomische Analyse, 2014
Glossar
Elektromobilität
Die Elektrifizierung der Antriebe durch Batterie- und Brennstoffzellentechnologien. Im Kontext des "Nationalen Entwicklungsplans Elektromobilität" wird der Begriff auf den Straßenverkehr begrenzt. Hierbei handelt es sich insbesondere um Personenkraftwagen (Pkw) und leichte Nutzfahrzeuge, ebenso werden aber auch Zweiräder (Elektroroller, Elektrofahrräder) und Leichtfahrzeuge einbezogen.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?426791

Gedruckt am Freitag, 29. Mai 2020 21:39:28