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Möglichkeiten zur Änderung des Parkraumangebots

Erstellt am: 17.04.2003 | Stand des Wissens: 23.01.2019
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Kommunikationswirtschaft, Prof. Dr. Ulrike Stopka

Eine wesentliche Ursache für den erhöhten Parkdruck in innenstadtnahen Mischgebieten ist das nicht ausreichende Stellplatzangebot im öffentlichen Straßenraum. Aufgrund der baulichen Struktur der betroffenen Quartiere, die vielfach historisch gewachsen ist, fehlen oftmals Freiflächen, die für die Planung und Bewirtschaftung zusätzlicher Stellplätze genutzt werden können. Daher muss der am Straßenrand angebotene Parkraum bewirtschaftet werden. Parkdauerbeschränkungen oder die Erhebung von Parkgebühren können hier die Parksituation entspannen. Ebenso wirken sich Parkgaragen beziehungsweise Parkhäuser entlastend aus.
Das Stellplatzangebot kann durch den Neubau oder den Rückbau von Stellplätzen verändert werden. Im öffentlichen Straßenraum ist die Schaffung von neuen Stellplätzen oft nur durch den Wegfall eines Fahrstreifens oder durch die Änderung der Aufstellungsart möglich. Durch eine Aufstellung der Pkw diagonal pder senkrecht zur Fahrtrichtung kann sich die Anzahl der Stellplätze deutlich erhöhen. So können im Vergleich mit der Längsaufstellung bis zu doppelt so viele Fahrzeuge in einem Abschnitt gleicher Länge untergebracht werden. Dabei muss allerdings wieder eine Verbreiterung des Parkstands in Kauf genommen werden, die in der Mehrheit der Fälle nicht durchgeführt werden kann. Auch durch den Bau von Anwohnergaragen kann unter Berücksichtigung der hohen Kosten und des temporären Wegfalls von Stellplätzen während der Baumaßnahme eine sprunghafte Angebotserhöhung erreicht werden.
Kommt es infolge einer Stellplatzbewirtschaftung zu einer geringeren Auslastung, können aus städtebaulichen und ästhetischen Gründen auch Stellplätze rückgebaut werden, um beispielsweise einen neuen Grünstreifen oder breiteren Gehweg anzulegen, Abstellanlagen für Fahrräder aufzustellen oder begründet durch das Verkehrsaufkommen einen weiteren Fahrstreifen zu errichten.
Eine weitere Möglichkeit zur effizienten Nutzung des vorhandenen Parkraums und damit zur Reduzierung von Stellplätzen ist die wechselseitige Parkraumbewirtschaftung. Dabei können Parkflächen von Büros oder Geschäften außerhalb der Betriebs- oder Öffnungszeiten auch anderen Nutzergruppen zugänglich gemacht werden. Voraussetzung dafür ist die dauerhafte Zugänglichkeit der Parkflächen und eine zeitliche Trennung der Nutzung. Hierzu sind auf vertraglicher Basis Fragen der Haftung und Kostenaufteilung zu regeln. [EAR05]
In den meisten Innenstädten von Klein- und Mittelstädten bestehtkein Anlass zu Angebotserweiterungen für den ruhenden Verkehr, da dort die Gesamtauslastung auch durch die tendenziell kapazitätserweiternden Maßnahmen der Parkraumbewirtschaftung in einem erträglichen Maß gehalten werden kann. In größeren Städten mit sehr hohem Parkdruck hingegen sollten durchführbare Angebotserweiterungen im Rahmen der Parkraumbewirtschaftung in Betracht gezogen werden.
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Kommunikationswirtschaft, Prof. Dr. Ulrike Stopka
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Beeinflussung des Parkraumangebots (Stand des Wissens: 08.03.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?301896
Literatur
[EAR05] Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. Empfehlungen für Anlagen des ruhenden Verkehrs EAR 05, 2005
Weiterführende Literatur
[LOHS11] Lohse, D. Grundlagen der Straßenverkehrstechnik und der Verkehrsplanung - Band 2 Verkehrsplanung, Ausgabe/Auflage 3., vollständig überarbeitete Auflage, 2011 Beuth Verlag GmbH Berlin-Wien-Zürich Kirschbaum Verlag GmbH, Bonn, 2011, ISBN/ISSN 978-3-410-17272-7 oder 978-3-7812-1816-1
[Welg99] Welge, Axel Parkkonzepte der Städte - Instrumente und Probleme, veröffentlicht in der städtetag, Ausgabe/Auflage 52, Nr.2, Verlag W. Kohlhammer , 1999, ISBN/ISSN 0038-9048
[Kirch02a] Kirchhoff, Peter Städtische Verkehrsplanung - Konzepte, Verfahren, Maßnahmen, Ausgabe/Auflage 1. Auflage, Teubner Verlag / Wiesbaden, 2002/05, ISBN/ISSN ISBN 978-3-519-00351-9
Glossar
Pkw
Personenkraftwagen (Pkw): Pkw sind nach der Richtlinie 70/156/EWG Fahrzeuge mit mindestens vier Rädern und dienen der Beförderung von maximal 9 Personen (inklusive Fahrzeugführer). Pkw dürfen nur auf den dafür vorgesehenen Verkehrsflächen geführt werden.
Verkehrsaufkommen Das Verkehrsaufkommen beschreibt die Anzahl der zurückgelegten Wege, beförderten Personen oder Güter pro Zeiteinheit. Im Unterschied dazu bezieht sich das spezifische Verkehrsaufkommen auf zurückgelegte Wege und beschreibt die mittlere Anzahl der Ortsveränderungen pro Person und Zeiteinheit.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?42674

Gedruckt am Freitag, 19. Juli 2019 22:38:07