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Kategorisierung von Luftfahrzeugen entsprechend europäischer Richtlinien

Erstellt am: 27.11.2013 | Stand des Wissens: 26.11.2014

Luftfahrzeuge können sich hinsichtlich ihrer Bauform, Nutzung, Abflugmasse, Antriebsart und weiterer Merkmale stark voneinander unterscheiden. Aus diesem Grund ist es nicht möglich, für alle Luftfahrzeuge einheitliche Standards und Richtlinien für deren Bau, Zulassung und Betrieb zu erlassen. Um die Vielfältigkeit der verschiedenen Luftfahrzeugtypen zu berücksichtigen, wird in der Verordnung (EU) Nr. 748/2012 [VOEU748/2012] des Europäischen Parlaments und des Rates der Europäischen Union zur Festlegung gemeinsamer Vorschriften für die Zivilluftfahrt eine Kategorisierung der verschiedenen Luftfahrzeugtypen vorgenommen.

Diese Verordnung fokussiert auf die Konstruktion, Herstellung, Instandhaltung sowie den Betrieb von luftfahrttechnischen Erzeugnissen, Teilen und Ausrüstungen für Personen und Organisationen, die sich mit der Konstruktion, Herstellung und Instandhaltung dieser Erzeugnisse und Ausrüstungen befassen [VOEU748/2012].

Für jede der insgesamt elf Kategorien sind durch die Europäische Agentur für Flugsicherheit (European Aviation Safety Agency-EASA) die spezifischen Zulassungsvorschriften als Certification Specifications (CS) veröffentlicht [EASA13a]:

  • CS-22:         Segelflugzeuge und Motorsegler (Sailplanes and Powered Sailplanes),
  • CS-23:         leichte Motorflugzeuge (Normal Aeroplanes),
  • CS-25:         Großraumflugzeuge (Large Aeroplanes),
  • CS-27:         kleine Hubschrauber (Small Rotorcraft),
  • CS-29:         große Hubschrauber (Large Rotorcraft),
  • CS-31GB:     Gasballons (Gas Balloons),
  • CS-31HB:     Heißluftballons (Hot Air Balloons),
  • CS-31TGB:   Fesselballons (Tethered Gas Balloons),
  • CS-LSA:       leichte Sportflugzeuge (Light Sport Aeroplanes),
  • CS-VLA:       Ultraleichtflugzeuge (Very Light Aeroplanes),
  • CS-VLR:       Kleinsthubschrauber (Very Light Rotorcraft).
Die Zulassungsvorschriften für Segelflugzeuge mit einer maximalen Abflugmasse von 750 Kilogramm und Motorsegler mit einer maximalen Abflugmasse von 850 Kilogramm für zweisitzige Motorsegler sind hierbei in den CS-22 enthalten [EASA-CS-22].

Die Zulassungsvorschrift CS-23 spezifiziert leichte Motorflugzeuge. Hier wird in Nutz-, Normal- und Kunstflugzeuge mit maximal neun Sitzplätzen für Passagiere differenziert. Alle Flugzeuge haben eine maximale Abflugmasse von 5.670 Kilogramm. Es ergänzen sich Zubringerflugzeuge (Commuter Aircraft) mit maximal 19 Sitzplätzen und einer maximalen Abflugmasse von 8.618 Kilogramm. Im Verlauf der Zulassung werden in Abhängigkeit der jeweiligen CS-23-Luftfahrzeugkategorie verschiedene Flugmanöver verifiziert. Dabei gilt beispielsweise für die Kategorie "Kunstflugzeug" keine Beschränkung bezüglich der maximal zugelassenen Querneigung des Flugzeuges im Kurvenflug. Bei einem Flugzeug der Kategorie "Normal" ist hingegen eine Begrenzung der Querneigung auf maximal 60 Grad vorgeschrieben [EASA-CS-23].

In den Certification Specifications CS-25 werden die Mindestanforderungen für die Zulassung für große, turbinengetriebene Luftfahrzeuge angegeben. Dabei wird keine explizite Begrenzung der maximalen Abflugmasse angegeben [EASA-CS-25]. Unter diese Zulassungsvorschrift fällt der Großteil aller Luftfahrzeuge, welche sich im kommerziellen Flugbetrieb von Luftverkehrsgesellschaften befinden und nicht einer anderen CS-Kategorie zuzuordnen sind.

Die Zulassungskriterien für kleine Hubschrauber bis 3.175 Kilogramm mit maximal neun Passagieren sind durch die Vorschriften CS-27 festgelegt. Hier sind Vorgaben bezüglich des maximalen und minimalen Gewichts sowie der Schwerpunktlage und der zulässigen Geschwindigkeiten festgelegt [EASA-CS-27].

Hubschrauber mit einer maximalen Abflugmasse von mindestens 3.175 Kilogramm sind in der Zulassungsvorschrift CS-29 berücksichtigt und hierbei in zwei Unterkategorien (A und B) gegliedert. Kategorie A umfasst größere Hubschrauber mit einer maximalen Abflugmasse von 9.072 Kilogramm und einer Passagierkapazität von mehr als zehn Personen. Hubschrauber der Kategorie B umfassen Hubschrauber mit einem maximalen Abfluggewicht von 9.072 Kilogramm und einer maximalen Passagierkapazität von neun Personen [EASA-CS-29].

In der Zulassungsvorschrift CS-31GB sind die Kriterien zur Zulassung von Gasballons dokumentiert. Darin werden Masselimitierungen, Anforderungen an den Steigflug, Sicherheitsfaktoren und zu implementierende Kontrollsysteme spezifiziert [EASA-CS-31GB].

Die Zulassung von Heißluftballons ist in der EASA-Zulassungsvorschrift CS-31HB geregelt. Die inhaltliche Struktur dieses Dokumentes gleicht der Zulassungsvorschrift CS-31GB für Gasballone mit analogen Anforderungen. Im Weiteren sind Datenblätter bezüglich Zulassung, Wartung und Reparatur sowie luftfahrttechnischer Anweisungen konkretisiert [EASA-CS-31HB].

Die Zulassungsvorschrift CS-31TGB bezieht sich auf Fesselballons, die bis zu einer Höhe von 500 Metern über Grund operieren dürfen [EASA-CS-31TGB].

Die Zulassungsvorschrift CS-LSA gilt für leichte Sportflugzeuge und ausschließlich für den Sichtflugbetrieb. Für diese Flugzeuge wird die maximale Abflugmasse auf 600 Kilogramm begrenzt. Bei Wasserflugzeugen wird die maximale Abflugmasse auf 650 Kilogramm begrenzt. Neben dem Pilot ist maximal eine weitere Person zulässig, optional kann ein Einziehfahrwerk beziehungsweise ein Verstellpropeller zugelassen werden [EASA-CS-LSA].

Die Zulassungsvorschrift CS-VLA gilt für Ultraleichtflugzeuge mit einer maximalen Abflugmasse bis zu 750 Kilogramm und maximal zwei Sitzen [EASA-CS-VLA].

Die Zulassungskriterien für Kleinsthubschrauber sind in der Zulassungsvorschrift CS-VLR dargelegt. Als Kleinsthubschrauber gelten Hubschrauber bis zu einer maximalen Abflugmasse von 600 Kilogramm und mit maximal zwei Insassen. Kleinsthubschrauber dürfen ausschließlich nach Sichtflugregeln operieren [EASA-CS-VLR].
 
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Europäische Richtlinien hinsichtlich Zulassungskriterien in der Luftfahrt (Stand des Wissens: 26.11.2014)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?422455
Literatur
[EASA13a] European Aviation Safety Agency - Europäische Agentur für Flugsicherheit Certification Specifications, 2013
Rechtsvorschriften
[EASA-CS-22] Certification Specifications for Sailplanes and Powered Sailplanes CS-22
[EASA-CS-23] Certification Specifications for Normal, Utility, Aerobatic and Commuter Category Aeroplanes CS-23
[EASA-CS-25] Certification Specifications for Large Aeroplanes CS-25
[EASA-CS-27] Certification Specifications for Small Rotorcraft CS-27
[EASA-CS-29] Certification Specifications for Large Rotorcraft CS-29
[EASA-CS-31GB] Certification Specifications for Free Gas Balloons CS-31GB
[EASA-CS-31HB] Certification Specifications for Hot Air Balloons CS-31HB
[EASA-CS-31TGB] Certification Specifications for Tethered Gas Balloons CS-31TGB
[EASA-CS-LSA] Certification Specifications for Light Sport Aeroplanes CS-LSA
[EASA-CS-VLA] Certification Specifications for Very Light Aeroplanes CS-VLA
[EASA-CS-VLR] Certification Specifications for Very Light Rotorcraft CS-VLR
[VOEU748/2012] Verordnung (EU) Nr. 748/2012
Glossar
EASA Die European Aviation Safety Agency (EASA) ist die Europäische Agentur für Flugsicherheit der Europäischen Union (EU). Die EASA wurde am 15. Juli 2002 gegründet. Sie bereitet Gesetzesvorschläge vor und berät Kommission und Mitgliedstaaten der EU zum Thema Flugverkehr. Ihre Hauptaufgabe liegt in der Harmonisierung und Umsetzung geeigneter Umwelt- und Sicherheitsstandards in der Zivilluftfahrt für das gesamte EU-Gebiet.
LSA Lichtsignalanlagen (LSA) dienen der Steuerung des Straßenverkehrs. Sie ordnen für Verkehrsteilnehmer ein bestimmtes Verhalten an, indem sie gesteuerte Signale abgeben. Umgangssprachlich werden sie auch häufig Ampeln genannt.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?422343

Gedruckt am Samstag, 21. Juli 2018 07:56:00