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Unfallstatistik nach Unfallursachen

Erstellt am: 23.11.2013 | Stand des Wissens: 15.04.2016
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Technische Universität Berlin, Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) - Prof. Dr. v. Hirschhausen, Prof. Dr. Beckers

Bei der Erfassung der Unfallursachen (nach dem seit 1975 geltenden Ursachenverzeichnis) werden beteiligtenbezogene Unfallursachen und sonstige Ursachen unterschieden. Vor Ort werden für jeden Beteiligten bis zu drei "vorläufige Unfallursachen" von den unfallaufnehmenden Polizeibeamten festgelegt und dienen vorrangig der ersten Einschätzung der juristischen Schuldzuweisung, die im Zweifelsfall vor Gericht endgültig geklärt wird. Diese Unfallursachen können über die Auswertung von Polizeiunfallanzeigen bzw. der amtlichen Statistik über Verkehrsunfälle verwendet werden. Dies ist im Sinne einer objektiven Aufklärung aller mitwirkender Umstände nicht immer aussagefähig, da die Erhebung der Polizei auf die Schuldfrage abhebt und somit unmittelbares personenbezogenes Fehlverhalten  (z.B. Vorfahrtmissachtung, zu schnelles Fahren usw.) in den Vordergrund gestellt wird. Verhaltensvorwürfe werden bei dieser ersten Einschätzung am Unfallort nur insoweit schriftlich von der Polizei dokumentiert, als sie voraussichtlich einer späteren Überprüfung durch Gutachten vor Gericht auch standhalten werden. Reine Vermutungen oder nicht beweisbare Hinweise bleiben außer Betracht. Auffällig ist, dass in sehr vielen Unfallaufzeichnungen sehr allgemeine Ursachen zugewiesen werden ("Nicht angepasste Geschwindigkeit", "sonstiges Fehlverhalten der Fahrzeugführer"), die einer Prävention nicht hilfreich sind und das Gesamtbild unzutreffend prägen (siehe Abbildung 1). [Dest13e]

Bei 299.637 Unfällen mit Personenschaden in Deutschland im Jahr 2012 wurden 422.075 Unfallursachen statistisch erfasst (1,4 pro Unfall, erfasst werden können bis zu 3 Unfallursachen pro Unfall). Mit 86 % war der größte Anteil Fehlverhalten von Fahrzeugführern (siehe Abbildung 1).

0-6-1-1.PNGAbb.1: Fehlverhalten der Fahrzeugführer bei Unfällen mit Personenschaden im Straßenverkehr 2012 [Dest13d]

Die Unfallursache "nicht angepasste Geschwindigkeit" die in den vorangegangenen Jahren an erster Stelle stand war 2012 an dritter Stelle, allerdings haben Unfälle dieser Ursache nach wie vor die schwersten Unfallfolgen. Von den 48.643 Unfällen mit Personenschaden (2012), bei denen mindestens ein beteiligter Fahrzeugführer zu schnell gefahren ist, starben 1.331 Menschen und 66.249 wurden verletzt. Das heißt, 27 % aller im Straßenverkehr getöteten Menschen kamen durch nicht angepasste Geschwindigkeit ums Leben. Dies ist zu unterscheiden von dem Überschreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit. [Dest13d]

0-6-1-2.PNGAbb.2: Getötete je 1.000 Unfälle mit Personenschaden [Dest13d]

Zwischen den erfassten Unfallursachen von Innerorts- und Außerortsunfällen gibt es deutliche Unterschiede. Vorherrschende Unfallursachen innerorts sind Fehlverhalten beim Abbiegen, Wenden oder Anfahren und die Missachtung der Vorfahrt. Außerorts ist die nicht angepasste Geschwindigkeit die dominierende Unfallursache.

Alkoholeinfluss beim Fahrzeugführer wird nach wie vor als eine weitere wesentliche Unfallursache festgestellt. Sie wird wesentlich häufiger innerorts als außerorts erkannt.

Einige personenbezogene Unfallursachen zeigen eine deutliche Altersabhängigkeit. Nicht angepasste Geschwindigkeit, Abstandsfehler oder Fehler beim Überholen sind überdurchschnittlich häufig bei jungen Fahrern anzutreffen, während Abbiegeunfälle oder Vorfahrtmissachtungen mit steigendem Alter deutlich zunehmen [BMVBW02h].

Andere Statistiken unterscheiden zwischen Alleinunfällen (rund 19 % aller Unfälle mit Personenschaden) und Unfällen mit 2 oder mehr Beteiligten (rund 81 %). Aus der Statistik des z. Z. aktuellen Unfallverhütungsberichts 2010/2011 [BMVBS12s] geht hervor, dass im Jahr 2011 die Hauptursache der Alleinunfälle Unfälle durch andere Fahrfehler (48 %) war, gefolgt von Unfällen durch eine nicht angepasste Geschwindigkeit (45 %). Der Anteil der alkoholbedingten Unfallursachen ist mit 14 % sehr hoch. Hinzu kommt, dass die Zahl der Getöteten bei Alkoholunfällen unter den Alleinunfällen fast doppelt so hoch ist wie bei allen anderen Unfällen.

Bei Unfällen mit zwei oder mehr Beteiligten spielt die Unfallursache Alkoholeinfluss eine kleinere Rolle (3 %), hier sind vor allem Vorfahrt/Vorrang (23 %), Abbiegen/Wenden (24 %) und Abstand (17 %) als Unfallursache zu nennen.

Neben diesen personenbezogenen Ursachen werden allgemeine unfallbegleitende Daten, wie z.B. Straßenverhältnisse und Witterungseinflüsse, erfasst, die dem Unfall zugeordnet werden. Für jeden Unfall können bis zu 8 Unfallursachen eingetragen werden (bis zu 2 allgemeine Ursachen, bis zu 3 für den ersten Beteiligten (Hauptverursacher) und bis zu 3 für einen weiteren Beteiligten). [Dest13e]
0-6-1-3.PNGAbb.3: Unfallursachen der Fahrzeugführer (Hauptverursacher) bei Unfällen mit Personenschaden [BMVBS12s]
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Technische Universität Berlin, Fachgebiet Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik (WIP) - Prof. Dr. v. Hirschhausen, Prof. Dr. Beckers
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Qualitätssicherung im Straßeninfrastrukturmanagement (Stand des Wissens: 21.05.2015)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?421844
Literatur
[BMVBS12s] Deutscher Bundestag (Hrsg.) Bericht über Maßnahmen auf dem Gebiet der Unfallverhütung im Straßenverkehr 2010 und 2011 (Unfallverhütungsbericht Straßenverkehr 2010/2011), veröffentlicht in Drucksache 17/10600 17. Wahlperiode, Berlin, 2012/09/03
[BMVBW02h] Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur Unfallverhütungsbericht Straßenverkehr 2000/2001, Bundesdruckerei GmbH, Bonn, 2002/07/04
[Dest13d] Statistisches Bundesamt Unfallentwicklung auf deutschen Strassen 2012, 2013/07/10
[Dest13e] Statistisches Bundesamt (Hrsg.) Verkehrsunfälle 2012, 2013/07/10

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?421585

Gedruckt am Montag, 21. Januar 2019 17:35:21