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Europäische Richtlinien für die Erteilung von Lufttüchtigkeitszeugnissen

Erstellt am: 21.11.2013 | Stand des Wissens: 26.11.2014

Eine weitere Voraussetzung für den Betrieb eines Luftfahrzeuges stellt das Lufttüchtigkeitszeugnis dar. Dieses sogenannte Airworthiness Certificate (CS) ist die Bescheinigung darüber, dass ein Luftfahrzeug alle geforderten technischen und betrieblichen Anforderungen erfüllt und sich somit in einem Zustand befindet, der einen sicheren Flugbetrieb erlaubt [KlMa12].

Abb. 1: Lufttüchtigkeitszeugnis [LuftVZO] (Grafik zum Vergrößern bitte anklicken)

Die Durchführungsbestimmungen für die Erteilung von Lufttüchtigkeitszeugnissen werden durch die Verordnung (EG) Nr. 1702/2003 [VOEG1702/2003] der Europäischen Kommission definiert. Die Erteilung des Lufttüchtigkeitszeugnisses selbst wird dann von den zuständigen nationalen Behörden übernommen, in der Bundesrepublik Deutschland ist diese das Luftfahrtbundesamt (LBA). Die folgend angeführten Verfahrensvorschriften zur Prüfung der Antragsteller obliegen entsprechend der Verordnung (EG) Nr. 1702/2003 [VOEG1702/2003] den nationalen Behörden [VOEG1702/2003]. Dies sind im Einzelnen:
  1. Prüfung der Berechtigung des Antragstellers,
  2. Prüfung der Berechtigung des Antrags,
  3. Klassifizierung von Lufttüchtigkeitszeugnissen,
  4. Prüfung der zum Antrag vorgelegten Dokumentation,
  5. Inspektion des Luftfahrzeuges,
  6. Festlegung der notwendigen Bedingungen, Einschränkungen oder Begrenzungen der Lufttüchtigkeitszeugnisse.
Im Ergebnis der Prüfung kann das Lufttüchtigkeitszeugnis entsprechend der folgend angeführten Klassen ausgestellt werden [VOEG1702/2003] [VOEU748/2012]:
  1. Lufttüchtigkeitszeugnis,
  2. eingeschränktes Lufttüchtigkeitszeugnis,
  3. Fluggenehmigung.

Ein Lufttüchtigkeitszeugnis kann nur dann ausgestellt werden, wenn das Luftfahrzeug nach der Verordnung (EG) Nr. 216/2008 als Muster zugelassen wurde. Ein eingeschränktes Lufttüchtigkeitszeugnis wird dann ausgestellt, wenn dem Luftfahrzeug eine eingeschränkte Musterzulassung nach Verordnung (EU) Nr. 748/2012 [VOEU748/2012] erteilt wurde oder wenn ein Nachweis gegenüber der Europäischen Agentur für Flugsicherheit (European Aviation Safety Agency-EASA) erbracht wurde. Die Fluggenehmigung wird zuerkannt, wenn die Voraussetzungen für die Erteilung eines Lufttüchtigkeitszeugnisses oder eines eingeschränkten Lufttüchtigkeitszeugnisses nicht erfüllt werden, aber unter vordefinierten Bedingungen geflogen werden kann [LBA12]. Die Aufrechterhaltung des Lufttüchtigkeitszeugnisses erfordert vom Halter des Luftfahrzeuges und vom Halter der Musterzulassung folgende Maßnahmen:
  • Einhaltung des Wartungsplanes,
  • fristgerechte Umsetzung der Lufttüchtigkeitsanweisungen,
  • Gewährleistung eines sicheren Betriebszustandes,
  • keine Veränderungen am Luftfahrzeug außerhalb der Lufttüchtigkeitsanweisungen, sofern diese nicht vorab beantragt und genehmigt worden sind.
Werden diese Maßnahmen nicht erfüllt beziehungsweise nicht fristgerecht eingehalten, erlischt die Lufttüchtigkeit des jeweiligen Luftfahrzeuges sofort.
 
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Europäische Richtlinien hinsichtlich Zulassungskriterien in der Luftfahrt (Stand des Wissens: 26.11.2014)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?422455
Literatur
[KlMa12] Klußmann, Niels, Malik, Arnim Lexikon der Luftfahrt, Ausgabe/Auflage 3, Berlin Heidelberg, 2012, ISBN/ISSN 3642224997
[KlMa12a] Niels Klussmann, Armin Maik Lexikon der Luftfahrt, Ausgabe/Auflage 3. Auflage, Berlin, 2012, ISBN/ISSN 978-3540490951
[LBA12] Luftfahrt-Bundesamt (LBA) Wichtige Informationen aus dem Referat Verkehrszulassung EU - Luftfahrzeuge, 2012/10
[LuftVZO] beck-online (Hrsg.) Erläuterungen in Anlage 1 zur LuftVZO, Verlag C.H.BECK oHG Wilhelmstraße 9 80801 München Postanschrift: Postfach 40 03 40, 80703 München, 2008/07/13
Rechtsvorschriften
[VOEG1702/2003] Verordnung (EG) Nr. 1702/2003
[VOEU748/2012] Verordnung (EU) Nr. 748/2012
Glossar
EASA Die European Aviation Safety Agency (EASA) ist die Europäische Agentur für Flugsicherheit der Europäischen Union (EU). Die EASA wurde am 15. Juli 2002 gegründet. Sie bereitet Gesetzesvorschläge vor und berät Kommission und Mitgliedstaaten der EU zum Thema Flugverkehr. Ihre Hauptaufgabe liegt in der Harmonisierung und Umsetzung geeigneter Umwelt- und Sicherheitsstandards in der Zivilluftfahrt für das gesamte EU-Gebiet.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?421409

Gedruckt am Mittwoch, 19. Dezember 2018 15:31:32