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Betreute Wohnzone Moerwijk in Den Haag

Erstellt am: 19.08.2013 | Stand des Wissens: 06.11.2020
Ansprechpartner
Institut für Mobilitäts- und Stadtplanung, Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr.-Ing. Dirk Wittowsky

Das betreute Wohnzonen Konzept Moerwijk in Den Haag soll allen Bewohnern ermöglichen, so lange wie möglich zu Hause wohnen zu bleiben und je nach Bedarf  betreut werden zu können. Dazu sind bauliche und soziale Maßnahmen erforderlich, die von allen im Quartier beteiligten Akteuren gleichermaßen getragen werden.
Moerwijk, mit knapp 21.400 Einwohnern, liegt im Südwesten der Stadt Den Haag, im Stadtteil Zuidwest/ Escamp. Der älteste Teil der Siedlung ist durch zwei Hauptverkehrsstraßen in vier ungefähr gleichgroße Quartiere (Nord, Süd, Ost und West) geteilt.
Moerwijk ist die erste betreute Wohnzone in den Niederlanden, die in einer bestehenden Siedlung entstand. Im Jahr 2000 wurde die betreute Wohnzone Moerwijk durch einen Gemeinderatsbeschluss eingerichtet, da hier eine überproportionale Zunahme von Senioren und unzeitgemäßen Wohnungsbeständen existierte [BMVBS09z].
Ziel der betreuten Wohnzone ist es, ein gut bewohnbares Quartier mit 10.000 Bewohnern vornehmlich für Senioren, aber auch für alle anderen Bewohnergruppen zu schaffen. So viele Wohnungen wie möglich sollten leicht zu barrierefreien Wohnungen umgebaut werden können. Somit ist gewährleistet, dass zentral gelegene Pflege- und Dienstleistungszentren, der öffentliche Nahverkehr und andere wesentliche Funktionen im Quartier für alle Bewohner leicht zu Fuß zu erreichen sind [BMVBS09z]. Die Stiftung "Woonservicewijken Escamp" bündelt dabei alle Interessensvertreter der Siedlung.

Die Wohnzone Moerwijk umfasst etwa zweieinhalb betreute Wohnzonen mit nicht genau definierten Grenzen. Innerhalb von Moerwijk gibt es eine Vielzahl kleiner und großer Projekte in den Bereichen Wohnen, Wohnumgebung, Betreuung und Pflegedienste sowie Soziales.

Das Quartier besteht überwiegend aus Zeilenbebauung der Nachkriegszeit mit den typischen Hochpaterrewohnungen im Erdgeschoßbereich. Viele alte Wohnungen fallen in die weitreichenden Stadterneuerungsmaßnahmen für Moerwijk Zuid und Moerwijk Oost. Dabei werden viele Wohnungen abgerissen und durch Neubauten ersetzt. Es wird ein breit gefächertes Wohnangebot angestrebt, das grundsätzlich vier verschiedene Wohntypen anbietet:
"Beschütztes Wohnen" entspricht dem Wohnen in einem Pflegeheim, das aber so differenziert wie möglich geplant werden soll.
"Versorgtes Wohnen" entspricht dem Wohnen in der direkten Nähe eines Pflegezentrums, auf dessen Angebote man als Bewohner zurückgreifen kann.
"Vertrautes Wohnen" entspricht dem Wohnen in einem klar definierten, übersichtlichen Wohnumfeld, wobei der Kontakt zu Nachbarn ausdrücklich erwünscht ist und notfalls auch organisiert wird.
"Selbstständiges Wohnen" entspricht dem von Institutionen unabhängigen Wohnen.
Es wird darauf geachtet, dass die Neu- und Umbauten barrierefrei oder -arm sind. Eine Wohngemeinschaft besteht aus jeweils eigenen kleinen Wohnungen und einem großen gemeinschaftlichen Wohnzimmer [BMVBS09z].
Ein barrierefreier öffentlicher Raum ist für eine betreute Wohnzone elementar. In Moerwijk wurden barrierefreie Fußgängerrouten realisiert, die die wichtigsten Anlaufstellen und Funktionen im Quartier miteinander verbinden. Außerdem wurde mit verschiedenen Materialien experimentiert: Erhöhte Lauflinien und sogenannte Klangplatten (Aluminiumplatten mit Noppen) helfen Blinden bei der Überquerung der Straßen. Große Durchgangsstraßen wurden mit Fußgängerinseln ausgestattet, so dass langsamere Menschen sie in zwei Etappen sicher überqueren können. Außerdem wurden zusätzliche Quartierstützpunkte eingerichtet [BMVBS09z].
Ansprechpartner
Institut für Mobilitäts- und Stadtplanung, Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr.-Ing. Dirk Wittowsky
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Familien- und altengerechte Stadtquartiere (Stand des Wissens: 05.08.2019)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?217279
Literatur
[BMVBS09z] Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung, empirica Qualitative Marktforschung, Stadt- und Strukturforschung GmbH, Institut für Städtebau Universität Stuttgart, Jessen, J., Baumgärtner, C., Brombach, K., Harnack, M., Schweizer, R. H., Holl, C., Küchel, L., Schluchter, S., Tornow, B., Becker, C. W., Heckenroth, M., Habermann-Nieße, K., Breuer, B. Stadtquartiere für Jung und Alt - Europäische Fallstudien
Sondergutachten im Rahmen des ExWoSt-Forschungsfeld "Innovationen für familien- und altengerechte Stadtquartiere", veröffentlicht in Werkstatt: Praxis, Ausgabe/Auflage Heft 63, Bonn, 2009, ISBN/ISSN 978-3-87994-963-2

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?415496

Gedruckt am Mittwoch, 14. April 2021 19:53:23