Forschungsinformationssystem des BMVI

zurück Zur Startseite FIS

Phase der Maßnahmenuntersuchung in der Verkehrsentwicklungsplanung

Erstellt am: 14.08.2013 | Stand des Wissens: 11.07.2018
Synthesebericht gehört zu:
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Die Phase der Maßnahmenuntersuchung ist die zentrale Arbeitsphase der fachplanerischen Bearbeitung und besteht aus den folgenden Arbeitsschritten [FGSV01c, S. 14]:
  • Entwicklung von Handlungskonzepten
  • Abschätzung der Wirkungen
  • Bewertung der Wirkungen
Zur Berücksichtigung der künftigen Entwicklung von Einflussfaktoren auf das Mobilitäts- und Verkehrsverhalten sind, häufig bereits während der Phase der Problemanalyse, die Basisszenarien für die demographische und wirtschaftliche Entwicklung zu erarbeiten. Bei der Erarbeitung von Verkehrsentwicklungsplänen wird in den meisten Fällen eines dieser Basisszenarien als Grundlage für die weitere Bearbeitung ausgewählt [FGSV13, S. 18].
Die in Abbildung 1 zusammengestellten Begriffe dienen als Übersicht verschiedener, im Rahmen der Maßnahmenuntersuchung zu analysierende Systemzustände sowie deren Vergleich und Bewertung. Hierbei bedeuten [FGSV13, S. 18 f.]:
  • Analyse-Nullfall: Er spiegelt den Basiszustand des Verkehrsgeschehens, bezogen auf ein Bezugsjahr als Ausgangszustand, wider.
  • Prognose-Nullfall: Er enthält alle, innerhalb des festgelegten Prognose-Zeitraums (zum Beispiel 15 Jahre), als sicher anzunehmenden Entwicklungen sowie bereits in der Umsetzung befindliche Maßnahmen. Es ist das Zukunftsbild ohne weitere verkehrsplanerische Maßnahmen auf der Grundlage des Basisszenarios. Für die Zukunftsanalyse dient er damit als Bezugsfall für den Vergleich und die Bewertung der verschiedenen Maßnahmen/-bündel (aus den Szenarien).
  • Trendprognose: Die Trendprognose nimmt für das Basisszenario die voraussichtlich bis zum Prognosezeitpunkt umgesetzten Maßnahmen an, zum Beispiel Maßnahmen, die schon beschlossen oder politisch beabsichtigt sind.
  • Szenarien: Die Szenarien beschreiben mögliche Zukunftsbilder des Verkehrsgeschehens auf der Grundlage unterschiedlicher Handlungskonzepte. Sie werden durch das entwickelte Leitbild und die Ziele sowie durch die festgestellten Mängel und Chancen aus der Problemanalyse abgeleitet. Es können aber auch nicht zielführende, alternative Konzepte aufgestellt und ihre Wirkungen berechnet werden. Somit können Szenarien die Wirkungsweise der unterschiedlichen Maßnahmen beschreiben und gleichzeitig die Systemkenntnisse der am Planungsprozess Beteiligten verbessern.

Vergleich und Bewertung von SystemzuständenAbb. 1: Vergleich und Bewertung von Systemzuständen [Ahrens13, S. 22]
Die Bewertung der Systemzustände ergibt sich aus dem Qualitätsprofil der jeweiligen Zustände, das heißt dem Vergleich der entsprechenden Wirkungsprofile (Analyse des Systemzustands) mit dem Anspruchsprofil (vgl. Problemanalyse). Erst dieser Bearbeitungsschritt zeigt auf, inwieweit die einzelnen Maßnahmenbündel in den verschiedenen Szenarien zur Erreichung der im Zielsystem genannten "Zielvorgaben" geeignet sind.
Der wesentliche Unterschied zwischen der zielorientierten Verkehrsentwicklungsplanung und der nachfrageorientierten Anpassungsplanung vergangener Zeiten liegt darin, dass das Verkehrssystem nicht mehr auf Grundlage einer Prognose der Nachfrage angepasst wird. Vielmehr werden mehrere Szenarien und Planfälle (Einsatz von Szenariotechnik) analysiert. Aus diesen Erkenntnissen können in einem kreativen Prozess die Strategien und Maßnahmen entwickelt werden, die gewünschte Entwicklungen unterstützen, den unerwünschten entgegenwirken und insgesamt zu einem günstigen, möglichst konsensfähigen Konzept führen [FGSV13, S. 19].
Ggf. können weitere Berechnungen zur Untersuchung/Überprüfung der Elastizität des ausgewählten Handlungskonzeptes sinnvoll sein [FGSV13, S. 19].
Alternativ kann auch - insbesondere in kleinen Planungsräumen - ein ähnliches Vorgehen ohne aufwändige Berechnungen sinnvoll sein. Hier werden meist aufgrund fehlender Einsatzmöglichkeiten rechnergestützter Verkehrsmodelle, sogenannte Zukunftsbilder als Szenarien "geschrieben". "An die Stelle der Modellierung tritt dann eine verbale und qualitative Argumentation [...]" [FGSV13, S. 19].
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Verkehrsentwicklungsplanung (Stand des Wissens: 11.07.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?415029
Literatur
[Ahrens13] Ahrens, G.-A. Verkehrsentwicklungsplanung - Hinweise der FGSV, Köln, 2013/07/08
[FGSV01c] Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. Leitfaden für Verkehrsplanungen, FGSV Verlag, Köln, 2001
[FGSV13] Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e.V. , Ahrens, G.-A., Beckmann, K. J., Fleischer, A., Gertz, C., Hubrich, S., Jansen, U., Kemming, H., Kleinwächter, E., Koch, M., Koppen, G.-F., Lorenz, K., Meißner, A., Noßwitz, U., Ohm, D., Ott, R., Polzin, G., Schnüll, R., Thiemann-Linden, J., Wagner, V., Waßmuth, V., Hinweise zur Verkehrsentwicklungsplanung, Ausgabe/Auflage 2013, FGSV-Nr. 162, FGSV Verlag, Köln, 2013, ISBN/ISSN 978-3-86446-058-6
Weiterführende Literatur
[Viet02] Vieten, M., Bergische Universität Wuppertal - Fachzentrum Verkehr Am Anfang steht das Ziel - Umweltziele und Verkehrsplanung, Hamm, 2002/05
[Ahrens05] Ahrens, G.-A. Verkehrsplanung, veröffentlicht in Handwörterbuch der Raumordnung, Ausgabe/Auflage 4. neu bearbeitete Auflage, Akademie für Raumforschung und Landesplanung, Hannover, 2005, ISBN/ISSN 978-3-88838-555-1
Glossar
Zielsystem
In einem Zielsystem werden Ziele in einem hierarchischen Gefüge dargestellt. Ausgehend von einem Oberziel werden Leitlinien definiert. Zur Erfüllung dieser Leitlinien werden Handlungsfelder aufgespannt, welche wiederrum mit Handlungszielen versehen werden.
Szenarien Ein Szenario ist ein Bild der Zukunft, das sich aus einer bestimmten Kombination von relevanten Einflussfaktoren und Rahmenbedingungen entwickelt. Das grundsätzliche Anliegen von Szenarien besteht darin, verschiedene Handlungsoptionen zu verdeutlichen und ihre Folgewirkungen transparent zu machen.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?415012

Gedruckt am Mittwoch, 27. Oktober 2021 09:51:49