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Umweltentlastungen durch Carsharing

Erstellt am: 09.07.2013 | Stand des Wissens: 08.10.2018
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike

Die umweltentlastenden Wirkungen von Carsharing zeigen sich im ruhenden und fließenden Verkehr, aber überwiegend erst im Zusammenspiel mit anderen Verkehrsmitteln des Umweltverbundes (ÖPNV, Bahn, Rad- und Fußverkehr).

Ein Carsharing-Auto ersetzt durchschnittlich 15 Privat-Pkw (mit jeweils einer durchschnittlichen Standzeit von 23 Stunden pro Tag). Diese gewonnene Fläche (umgerechnet 99 Meter an sonst zugeparkten Straßenkanten) könnte für Anlagen des Fuß- oder Radverkehrs oder für Grünflächen und Kinderspielplätze alternativ genutzt werden [UBA17c, bcs16b, bcs16c].

Die intensivere Nutzung der Carsharing-Autos bedingt durch mehrere Personen erfordert eine permanente Erneuerung der Fahrzeugflotte. Die Fahrzeuge sind daher moderner als der restliche Pkw-Bestand im Land. Die energieeffizienten Carsharing-Fahrzeuge stoßen etwa 16 Prozent weniger klimaschädliches CO2 als private Neuwagen aus [UBA13b]. Die verschiedenen Carsharing-Unternehmen verfügen in ihren Flotten auch über immer mehr emissionsärmere Fahrzeuge wie Hybrid-, Elektro- und Kleinfahrzeuge [Shah12]. Bei Einhaltung von bestimmten ökologischen Kriterien können Carsharing-Anbieter das Umweltzeichen Blauer Engel für ihre Fahrzeugflotte beantragen [IZT17]. Die CO2-Emissionen können laut dem Umweltbundesamt um mehr als sechs Millionen Tonnen durch bessere Vernetzung von ÖPNV und Carsharing sinken [UBA15c].

Als vierte Säule des Umweltverbundes entlastet das Konzept Carsharing die Umwelt [UBA13b]. Carsharing fördert multimodales Mobilitätsverhalten (Nutzung von verschiedenen Verkehrsmitteln für verschiedene Wege) und verringert somit Pkw-Fahrten [bcs16c, bcs16b].
Laut [ifmo16b, S. 76] finden über die Hälfte der Free-Floater-Fahrten in innerstädtischen Gebieten statt. Da Free-Floating Anbieter bisher nur in Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern operieren, ist anzunehmen, dass trotz hoher Takt- und Liniendichte auch Fahrten vom umweltfreundlichen Öffentlichen Nahverkehr auf Carsharing-Fahrzeuge verlagert werden.

Zusammenfassend kann gesagt werden: "Car-Sharing ist (...) Schlüssel für eine kombinierte Mobilität. Es setzt als eines der wenigen Maßnahmen direkt an einer der zentralen Stellschrauben für die Autonutzung an: dem Besitz eines eigenen Autos. Die Relevanz der Autohersteller verliert zugunsten von Dienstleistern an Gewicht und die Legitimation für restriktive umweltpolitische Maßnahmen gegenüber dem Autoverkehr wächst." [UBA17c].
Ansprechpartner
TU Dresden, Professur für Integrierte Verkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik, Prof. Dr.-Ing. Regine Gerike
Zugehörige Wissenslandkarte(n)
Carsharing (Stand des Wissens: 12.11.2018)
https://www.forschungsinformationssystem.de/?56435
Literatur
[bcs16b] bcs - Bundesverband CarSharing e.V. (Hrsg.) Neue CarSharing-Studie belegt: Geteilte Autos können Innenstädte deutlich entlasten, 2016/06/21
[bcs16c] bcs - Bundesverband CarSharing e.V. (Hrsg.) Mehr Platz zum Leben - wie CarSharing Städte entlastet, 2016
[ifmo16b] Institut für Mobilitätsforschung (Hrsg.) Carsharing 2025 Nische oder Mainstream?, 2016
[IZT17] Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung GmbH (Hrsg.) Car-Sharing - Fallstudie im Rahmen des Projekts Evolution2Green - Transformationspfade zu einer Green Economy , 2017/02
[Shah12] Shaheen, Susan, Cohen, Adam Carsharing and Personal Vehicle Services: Worldwide Market Developments and Emerging Trends
, veröffentlicht in International Journal of Sustainable Transportation, Ausgabe/Auflage Vol. 7, 2012/09/27
[UBA13b] Umweltbundesamt (Hrsg.) Car-Sharing, 2013/06/24
[UBA15c] Umweltbundesamt (Hrsg.) Carsharing könnte CO2-Emissionen um sechs Millionen Tonnen senken, 2015/09/15
[UBA17c] Umweltbundesamt (Hrsg.) Carsharing nutzen, 2017/09/20
Weiterführende Literatur
[UBA15d] Umweltbundesamt (Hrsg.) Engagiert mobil - Regionalisierung von Carsharing, 2015
[WiMobil15] Die Bayerische Motoren Werke AG (Hrsg.) WiMobil - Wirkung von E-Car Sharing Systemen auf Mobilität und Umwelt in urbanen Räumen, 2015
Glossar
Erneuerung Im Kontext der Straßenerhaltung bezeichnet der Begriff "Erneuerung" die vollständige Wiederherstellung einer Verkehrsflächenbefestigung oder von Teilen davon, sofern mehr als die Deckschicht betroffen ist. Bei der Bauwerkserhaltung beschreibt der Begriff den Ersatz von Bauteilen oder Bauteilgruppen.
Hybrid
Der Ausdruck Hybrid bedeutet "etwas Gebündeltes, Gekreuztes oder Gemischtes". Es stammt ab von dem lateinischen Fremdwort griechischen Ursprunges Hybrida. In der Technik wird ein hybrides System, aus zwei unterschiedlichen Technologien miteinander kombiniert.
Umweltverbund Unter dem Begriff Umweltverbund wird die Kooperation der umweltfreundlichen Verkehrsmittel verstanden. Hierzu zählen der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV - Bahn+Bus), Fahrrad und zu Fuß gehen. Carsharing eignet sich als ÖPNV-ergänzendes Verkehrsmittel und ist ein wichtiger Baustein des Umweltverbundes (4. Säule des Umwelt-/Mobilitätsverbundes). In neueren Publikationen (ab etwa 2010) wird zunehmend vom Mobilitätsverbund gesprochen.
CO2
Kohlenstoffdioxid. Ein Gas, welches zu ca 0,4% in der Erdatmosphäre vorkommt, bildet den Grundstock für pflanzliches Leben und pflanzliche Biomasse. Es entsteht z.B. bei der Verbrennung (Oxidation) von Kohlenstoff mit Sauerstoff. Durch seine Wirkung als Treibhausgas und der massiven Freisetzung bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe ist es mit hoher Wahrscheinlichkeit der wichtigste Auslöser des Klimawandels.
Blauer Engel Der Blaue Engel, 1978 vom Bundesminister des Inneren eingeführt, ist ein nationales Umweltzeichen, dass u.a. vom Bundesministerium für Umwelt und dem Umweltbundesamt für besonders umweltschonende Produkte und Dienstleistungen vergeben wird. Lebensmittel ausgenommen, können grundsätzlich alle Erzeugnisse für eine Auszeichnung vorgeschlagen werden.

Auszug aus dem Forschungs-Informations-System (FIS) des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur

https://www.forschungsinformationssystem.de/?412175

Gedruckt am Mittwoch, 8. April 2020 16:46:02